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Morsetelegrafieseite DK5KE
Die Morsetelegrafie ist der Urknall des Internets
 
Kleine Morse-Betriebslehre für Anfänger und Fortgeschrittene


- Die 10 Gebote des Telegrafisten
- Anruf, Anrufantwort und CQ-Ruf
- Formen des Frequenzwechsels
- Durchgabe von Abkürzungen
- Durchgabe von Klartext
- Durchführung von Morserunden
- Wiederholungen bei Störungen
- Telegrafie-Duplexverkehr
- Telegrafie-Splitverkehr
- Inoffizielle Q-Gruppen


So wie im Straßenverkehr, gibt es auch im praktischen Morsebetrieb bewährte Regeln und ungeschriebene Gesetze. Sie erleichtern den Funkbetrieb und begründen eine einheitliche Funkersprache! Mögliche Unklarheiten werden minimiert – der Funkverkehr wird zum Genuss!

„Viele Wege führen nach Rom!“  Nachfolgend eine bunte Mischung hilfreicher Hinweise für den direkten Weg zum perfekten Morsebetrieb!


Die 10 Betriebsgebote des Telegrafisten

Sie vermeiden Störungen und dienen dem perfekten Funkbetrieb.
 
Höre immer, bevor du sendest!
Rufe nur, wenn du auch hörst!
Beachte fremdgerichtete Rufe!
Sende immer kurze CQ-Anrufe!
Nenne häufig dein Rufzeichen!
  Gebe das Tempo des Partners!
  Gebe mit sauberer Handschrift!
  Gebe immer ein ehrliches RST!
  Achte auf den QSO-Textinhalt!
  Seit untereinander freundlich!!


Der Anruf, die Anrufantwort und der CQ-Ruf

Die „Einer- oder Dreier-Regel“ ist im weltweiten Morsefunk ein Standard. Sei es bei Anrufen, Anrufantworten, CQ-Rufen oder VVV-Schleifen – meist erfolgen solche Durchgaben einfach oder dreifach. Typisch sind:

„(1x Call) de (1x eigenes Call) pse k“ bei guter/erfolgter Verbindung,
„(3x Call) de (3x eigenes Call) pse k“ bei gesuchter Verbindung,
„CQ (3x) de (3x Call) pse k“ bei allgemeinen Anrufen und
„VVV (1x/3x) de (1x/3x Call)“ nach einer QSV-Bitte.

Wer kennt nicht als erfahrener Morsist den "minutenlangen" CQ-Ruf bis zum endlich erlösenden Rufzeichen? Oft wird während des Rufens weiter gedreht. Der CQ-Ruf – obwohl gehört – verhallt ins Leere! Auch bei Frequenzwechseln oder verabredeten Verbindungen (Skeds) sind häufig sehr lange Rufe zu hören.

Daher besser kurz und effektiv 1 x 1 oder 3 x 3! Der Hörer ist orientiert und zu keiner "Geduldsprobe" gezwungen!


Der Frequenzwechsel

Bei gestörten oder bei zu schwachen Verbindungen sind Frequenzwechsel ein gutes Mittel. Gerade hier sind kurze und eindeutige Angaben notwendig. Umständliche und lange Erklärungen lassen die Verbindung schnell „absterben“!

Soll ein Wechsel nur über wenige kHz hinweg erfolgen, genügt die Angabe „QSY (kHz-Wert) up“ oder „QSY (kHz-Wert) dwn“. Wiederholungen haben in gleicher Form zu erfolgen, da bei Störungen fehlende Inhalte leichter ergänzt werden können. Würde jedes Mal etwas anderes telegrafiert, wäre die Verwirrung komplett.

Erfolgt der Wechsel über einen großen Frequenzabschnitt hinweg oder in ein anderes Band hinein, sollte „QSY (Frequenz in kHz)“ telegrafiert werden. Ein mehrmaliges „QSY 7024“ zeigt kurz und eindeutig die gewünschte Frequenz. Nach einer kurzen Bestätigung des Partners erfolgt mit Nennung des eigenen Rufzeiches unmittelbar der Frequenzwechsel.

Wichtig ist: Vorab ist immer die letzte genaue Sendefrequenz zu vermerken, da bei einem missglücktem Frequenzwechsel immer genau auf die Frequenz des letzten erfolgreichen Kontakts zurück geschaltet wird. Auf der neuen Frequenz darf auch nicht „stundenlang“ erfolglos gerufen werden! Kurze Umschaltungen sichern die Funkverbindung!

Daher immer: Eindeutige Abkürzungen mit nur wenigen Zeichen!


Durchgabe von Abkürzungen

Oft schon wurde über die korrekte Anwendung von Abkürzungen in Verbindungen geschrieben. Zwingende Verfahrensregeln bestehen nicht. Innerhalb abgesteckter Grenzen bietet der Amateurfunkdienst alle Freiheiten!

Andererseits erleichtert eine korrekte Anwendung den wirkungsvollen Funkbetrieb. Bei richtiger Nutzung der Kürzel verbessert sich der Informationsdurchsatz. Übliche Standard(pflicht)informationen werden in kürzerer Zeit übermittelt. Der Funkverkehr ist lebendiger, unnötige Langatmigkeiten werden vermieden! Er wirkt gekonnt!

Was scheint attraktiver?

„guten tag dr old man und tks fuer den Anruf = ihr rst ist 599 599 599 und mein qth ist in der naehe von koeln nr koeln = der name ist ludwig ludwig = hoffe ok?“

oder

„gd dr om es tks fr call = rst 599 599 qth nr koeln nr koeln name ludwig ludwig = hwsat?“

Für den einen sind es „Peanuts“, für den anderen ist es die ultimative Telegrafie. Einen perfekten Telegrafieverkehr erkennt man an der redundanzlosen Anwendung der Abkürzungen. Dies gilt auch in der genussvollen Morse- Klartextunterhaltung.


Durchgabe von Klartext

Telegrafieverkehre in einer perfekten Klartext- Unterhaltung können zu Recht als die Morsekrönung angesehen werden. Sind die Standardverbindungen wegen ihres formalen Charakters noch recht einfach zu beherrschen, sind Klartextverbindungen weit anspruchsvoller. Sie erfordern ein weit höheres Maß an betrieblicher Sicherheit und Konzentration.

Empfehlenswert ist hierbei die Beherrschung aller Interpunktionen und Umlaute! Dies stellt oft auch eine Herausforderung für den bereits aktiven Telegrafisten dar, da diese besonderen Zeichen selten Bestandteil einer Amateurfunk- Morseausbildung waren. Die zusätzlichen Zeichen sind somit die "Morse- Kürzeichen" der Amateurfunk- Telegrafie. Gute Übungsprogramme dienen auch hier dem Training!

Dann kann auch verstanden werden:

mp3-Hörbeispiel Tempo 60 BpM (55KB = 27 Sek. CW)

Morsezeichen


Durchführung von Morserunden

Sind Morse-Standardverbindungen mit ihren Abkürzungen der erste Schritt und flüssige Klartextverbindungen der zweite Schritt zum perfekten Telegrafisten  - stellen unterhaltsame Morse- Gehörleserunden die Spitze des praktischen Telegrafiebetriebs dar.

CW-Runde Lockere und oft flotte Morsegespräche mit mehreren Stationen erfolgen meist im oberen („ruhigen“) Teil der Morsebereiche.

Sie erfordern eine ständige Orientierung WER gerade WIE mit WEM WAS telegrafiert. Es ist eine sehr anspruchsvolle Telegrafie!

Idealerweise erkennt der Funker nach kurzer Zeit seine Partner an der jeweiligen Signalstärke, Geschwindigkeit und Morsehandschrift. Die Zeichen können durch diese Nuancen, fast wie bei der gesprochenen Sprache, zugeordnet werden. So sind lebhafte Unterhaltungen ohne eine ständige (und manchmal auch störende) Rufzeichennennung möglich. Zugegeben: Es ist das Ziel!

Dennoch erfolgen natürlich regelmäßige Rufzeichenangaben.
In der Praxis erfolgen bei kurzen Abschnitten:

- oft keine Ruf- und/oder Betriebszeichen,
- zu Beginn „de [eigenes Call]“ und/oder
- zum Ende „de [eigenes Call], und/oder
- auffordernd „[gewünschtes Partner-Call] k“ oder
  nur „k“.

Zwingende Regeln bestehen nicht! Möchte ein Funker an der Runde teilnehmen, sind vorab zur Orientierung Rufzeichen, Namen, Standorte, Gesprächselemente usw. zu vermerken. Dies erleichtert die späteren, eigenen Beiträge! Ist der funkerische Reiz, die Sympathie, zur Runde groß genug, sendet er - ohne weitere Angaben - nur kurz sein eigenes Rufzeichen.

Wird er gehört, antwortet - vielleicht nach einer kleinen Verzögerung - eine der teilnehmenden Stationen. Dabei sollte die eigene Geschwindigkeit dem Tempo der Gruppe angepasst sein.

Formalismen sind den Runden fremd! Wer wann sendet, unterliegt keiner festen Regel. Einerseits kann sich eine feste Reihenfolge ergeben, andererseits bestimmt die Gesprächsthematik die jeweilige Sendeaktivität. Längere Zuhörphasen sind daher normal. Es gibt kein muss - es gibt nur ein kann! Verabschiedungen erfolgen meist in kurzer Form. Die Telegrafierunden sind „Gespräche wie Zuhause“ - allerdings ausschließlich mit den Fingern nach allen Regeln der Morsekunst!

Daher: Hören und mit ein wenig Mut melden! Das Abenteuer lohnt sich!


Fragen und Wiederholungen bei Störungen

Ist im Amateurfunkdienst eher das unterhaltsame Gehörlesen üblich, muss im berufsorientierten Morsen alles niedergeschrieben werden. Es dürfen keine Fehler geschehen! Zur Korrektur werden bekannte „Frage- Abkürzungen“ genutzt.

Aber auch im Amateurfunk gibt es Nachfragen. Nicht alles ist immer gut verständlich. Die nachstehenden Kürzel sind international gebräuchlich und einfach zu merken. Sie werden unter erfahrenen Telegrafisten gerne genutzt.

aa alles nach ... rpt Wiederholen sie (oder Ich wiederhole)
ab alles vor ... cfm Bestätigen Sie (oder Ich bestätige)
wa Wort nach ... c Ja!
wb Wort vor ... cor Berichtigen Sie ...
bn alles zwischen ... und ... col Vergleichen Sie (oder Ich vergleiche)
txt Text cs Rufzeichen

Ein kurzes „rpt aa TS802“ signalisiert dem Partner, er möge alles nach seiner Durchgabe „TS820“ wiederholen. Ein "rpt bn rst name" lässt die Wiederholung des Rapports und des Standortes erwarten.

Umständliche Nachfragen entfallen. Der Morseverkehr ist gekonnt und flott!


Telegrafie-Duplexverkehr

Der Duplexverkehr (Zweiwege-Verkehr) ist im Amateurfunk selten. Dennoch ist diese Form als vereinzelte „Crossband- Verbindung“ (Verbindung innerhalb verschiedener Frequenzbänder) zu hören.

Vollduplex
Voll-Duplex
("Gegensprechen")
Semiduplex
Semi-Duplex
("Bedingtes Gegensprechen")

Typische Anlässe sind hierbei betriebliche Versuche, technische oder rechtliche Beschränkungen, zugelassener funkdienstübergreifender Bestätigungsverkehr (selten!),  Morseübungen mit UKW-Stationen, u.a.

Für den typischen Duplexverkehr sind folgende Q-Gruppen vorgesehen:

QSX Ich höre .... (Name und/oder Rufzeichen) auf .... kHz (oder MHz) oder in den Frequenzbereichen .... / auf den Kanälen ....
QSU Senden oder antworten Sie auf der augenblicklich benutzten Frequenz (oder auf .... kHz (oder MHz)) (mit Sendeart ....).
QSW Ich werde auf der augenblicklich benutzten Frequenz (oder auf .... kHz (oder MHz)) (mit Sendeart ....) senden.

Merkhilfe: QSX(X=unbekannt/irgendwo) - QSyoU/dU - QSWe/Wir

Die seltene Spielart des Amateurfunk-Duplexverkehrs hat ihren besonderen Reiz! Hierbei ist im Voll-Duplex ein perfekter Telegrafie-BK-Verkehr (Zwischenhörverkehr) möglich! Zu erkennen sind die Stationen meist anhand einer QSX- Frequenzangabe. Dabei können sie oft auf ihrer eigenen Sendefrequenz nicht angerufen werden.


Telegrafie-Splitverkehr

Eine Amateurfunk-Variante des Semi-Duplex ist der Splitverkehr. Hierbei besteht nur ein geringer Abstand (wenige kHz) zwischen der Empfangs- und Sendefrequenz.

Angewendet wird dieses Verfahren überwiegend bei Funkverkehren mit seltenen Stationen (z.B. DXpeditionen). Durch die Trennung der Hör- und Sendefrequenz werden Anrufstörungen der raren Station minimiert.

Splitbetrieb

Beispielsweise gibt die seltene Station zur Kennzeichnung die Aufforderung "up",  "up5", "dwn4" oder einfach "dwn". Manchmal muss die Anruffrequenz der seltenen Station auch in der Nähe gesucht werden. Damit ist ein weitgehend störungsfreier Betrieb gewährleistet. Das "Pile-Up" (sehr großer Andrang) wird entzerrt!

mp3-Hörbeispiel "Pile- Up" (Morse-Runner-Simulation 31KB = 15 Sek. CW)


Inoffizielle Funker-Bedeutungen von Q-Gruppen

Q-Gruppen dienen einer beschleunigten Telegrafie-Verkehrsabwicklung. Sie sind dreistellig und haben jeweils eine fest zugeortnete Bedeutung. Der erste Buchstabe "Q" wurde hierbei wegen seines raren Auftretens gewählt. Verwechslungen wurden somit weitgehend ausgeschlossen.

Erste verbindliche Q-Gruppen wurden auf der internationalen Konferenz für Radiotelegrafie in Berlin (1906) festgelegt. Sie dienen zur Verständigung, Regelung, Information, Meteorologie und der Notfallhilfe. Die Reihen QAA bis QNZ sind international dem Flugfunkdienst vorbehalten. Dem Seefunkdienst sind dagegen die Gruppen QOA bis QQZ zugewiesen. QRA bis QUZ dürfen gem. den Regeln von allen Funkdiensten benutzt werden.

Für die Praxis werden im Amateurfunk - mit Ausnahmen - ca. 30 Q-Gruppen genutzt. Die "ARRL"- QN-Gruppen in Amateurfunknetzen sind zu speziell und daher kaum hörbar.

Neben den offiziellen Q-Gruppen bestehen jedoch inoffizielle Funker- Q-Gruppen, die wegen ihrer besonderen und manchmal netten Bedeutung von Generation zu Generation weitergegeben werden.

Die Q-Gruppe QSD bedeutet offiziell: "Ihre Zeichen sind verstümmelt". Eine andere Bedeutung lautet weniger neutral: "Ihre Zeichen sind fehlerhaft." Der Telegrafist kann sich ein schlechtes, ein fehlerhaftes Morsen gut mit der Gedankenbrücke "Sau-Drücker!" merken. Möchte er es etwas "netter" verpacken, telegrafiert er QLF. In der Telegrafiewelt bedeutet es: "Sie geben mit dem linken Fuß"!

Nahezu alle Telegrafisten sind Männer. So wie die Männer halt sind, sau... trinken sie auch gerne einen. Da im kommerziellen Funk das persönliche Morsegespräch zwischen Funkern verboten ist, gab ihnen ihre Kreativität die Idee zum QKB. Es bedeutet ganz einfach "Kasten Bier". Nach der Durchgabe von QKB wusste der Funkpartner oft seufzenderweise um das aktuelle Morsedoping seines Partners.

Und wie ist die Bequemlichkeit mit einer Q-Gruppe zu beschreiben? Besteht kein Interesse zu einer Tätigkeit, wird die Gruppe QLZ [LaZy] gegeben. Der Partner wusste dann sofort Bescheid!

Auch wurde die Bedeutung der Q-Gruppe QTP: "Ich bin im Begriff, in das Hafenbecken (oder in den Hafen) einzulaufen oder Ich bin im Begriff, zu wassern (oder zu landen)." von den Telegrafisten umgedeutet. Unschwer ist zu erkennen, dass es sich hier um eine Kurzinformation hinsichtlich eines sehr dringenden menschlichen Bedürfnisses handelt. Telegrafisten sind halt auch Menschen...

QMorsen mit Q-Gruppen ist mehr als nur simples funken!

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