Home
 
Morsetelegrafieseite DK5KE
Die Morsetelegrafie ist der Urknall des Internets
 
Die klassische Handtaste und der elektronische Wabbler
Aufbau, Funktion, Gebeweisen und Tipps


- Mechanische Mindestanforderung einer Taste
- Die Handtaste - Handführung und Gebehinweise
- Ermüdungserscheinungen und deren Alternative
- Historische Videohilfen zur Gebeweise (US-Army)
- Die elektronische Taste - Praktische Gebehinweise
- Die elektronische Speichertaste - Eine Hilfe mit Pfiff
- Die individuelle Morsehandschrift und die Ursachen
- Computer-Möglichkeiten zur Gebe-Perfektionierung

siehe auch die Ergänzungsseite:
- Mechanischer Aufbau historischer Morsetasten
- Oder warum Tasten einen Schiebeschalter besitzen


Folgende Anforderungen sind an jede Taste zu stellen:

- Kontakthub und Federspannung müssen feinfühlig einstellbar sein.
- Die Hebel-Lagerung muss leichtgängig und möglichst korrigierbar sein.
- Tasthebel dürfen zu den jeweiligen Querseiten hin kein Spiel besitzen.
- Kontakte müssen aus harten, glatten und sauberen Oberflächen bestehen.
- Die Mechanik sollte auf einer schweren, rutschfesten Platte befestigt sein.


Die Handtaste

Tastennamen: Hand-, Hub-, Klopftaste; Klopfer, Straight-Key, "Fauskeil", ...
Gebeprinzip: Vertikale Tastung
Arbeitsweise:
Die Morse-Punkte und Morse-Striche werden durch Senken und Heben des Tasthebels einzeln von Hand geformt.
Frequenzen: Für die langsame Handtelegrafie (QRS) werden die Frequenzen 3555 kHz, 14055 kHz 21055 kHz und 28055 kHz empfohlen.

Handtaste
Wesentliche Tastenelemente am Beispiel einer Junker-Handtaste


Allgemeine Gebehinweise

- Erst Geben, wenn das Klangbild der Morsezeichen wirklich erfasst ist.
- Die Taste nur mit geringem Hub und lockerer Federspannung einstellen.
- In den ersten Gebestunden unbedingt auf die richtige Tasthaltung achten.

Handführung

- Der Daumen liegt seitlich und muss gut anliegen.
- Der Zeigefinger berührt den rechten oberen Rand.
- Dieser drückt mit dem Daumen den Tasthebel nach unten.
- Der Mittelfinger zieht mit dem Daumen den Teller nach oben.
  (siehe auch historische Beschreibung der Handhabung)

Gebehaltung

- Besonders zu Anfang der Übungen sollte der Ellenbogen nicht aufliegen.
- Die Morsezeichen werden aus dem Handwurzelgelenk(!) heraus gegeben.
- Der Unterarm muss weitgehend einen rechten Winkel zum Oberarm bilden.
- Hand- und Armlockerungsübungen sind zwischendurch zu empfehlen.
- Zeichen von Beginn an unbedingt musikalisch zusammenhängend geben.
- Einzelne Wörter o. Begriffe müssen in sich geschlossen gegeben werden.
- Erst wenn Zeichen sauber gegeben werden, ist das Tempo zu steigern.
- Keine Gebemethoden mit weniger als 3 Fingern oder sogar ohne Führung.

Ermüdungserscheinungen

Ermüdungserscheinungen treten besonders bei ungünstigen, d.h. unnatürlichen Haltungen der Hand und des Armes auf. Daher ist eine entspannte und korrekte Gebehaltung und -weise elementar. Verkrampfungen entstehen leicht bei zu anstrengendem und zu lang anhaltendem Gebetempo. Bei überhöhter und untrainierter Geschwindigkeit steigt darüber hinaus die Wahrscheinlichkeit von unnötigen Gebefehlern.


Historische Videohilfen zur Gebeweise (Lehrfilme der US-Army)

INTERNATIONAL MORSE CODE, HAND SENDING (1966, 19:47 Min.)
PRINCIPLES AND BASIC TECHNIQUE FOR GOOD, RHYTHMIC
SENDING 0F MORSE CODE BY OPERATING THE HAND KEY.
http://www.archive.org/details/gov.archives.arc.36813

TECHNIQUE OF HAND SENDING (1944, 12:10 Min.)
IMPORTANT PARTS OF THE TRANSMITTER, TENSION SPRING,
ADJUSTING CONTACTS, AND ADJUSTING SPRINGS. ELEMENTS
OF MORSE CODE, TIMING, AND PARTS OF BODY THAT FUNCTION
WHEN TRANSMITTING CODE. IMPORTANCE OF CORRECT POSITION
AND OPERATION.
http://www.archive.org/details/gov.dod.dimoc.23735

Eine Alternative ist die Nutzung eines anderen Gebeprinzips (BUG, Wabbler).



Die elektronische Morsetaste

Tastennamen: Elbug, Wabbler, ETM, ...
[non-iambic oder iambic (squeeze) paddles]
Gebeprinzip: Elektronische, horizontale bzw. seitliche Tastung
Arbeitsweise:
Die Morse-Punkte werden automatisch durch Drücken nach rechts, die Morse-Striche automatisch durch Drücken nach links, mit Hilfe einer separaten Elektronik erzeugt. Bei gleichzeitigem Drücken einer Zweihebeltaste werden die Punkte und Striche im Wechsel (squeezen) gegeben. Die einzelnen Morsezeichen werden dabei - je nach Bauart mit einem oder zwei Hebel (Paddles) - individuell von Hand geformt. Bei elektronischen Speichertasten können darüber hinaus auf Tastendruck automatisch vorab eingespeicherte Texte gesendet werden.
Frequenzen: Für die deutsche Schnelltelegrafie werden gerne die Frequenzen 3552 kHz, 3556 kHz, 3569 kHz oder 7024 kHz genutzt.


ETM Elekronische Squeezetaste


- Die Taste wird mit wenig Hub und lockerer Federspannung eingestellt.
- Der Ellenbogen liegt auf, der ganze Arm zeigt einen offenen Halbkreis.
- Die Hand bildet eine lockere Faust und liegt auf dem kleinen Finger auf.
- Zwischen dem geöffneten Daumen und Zeigefinger liegen die Paddles.
- Die Taste steht dabei in der geraden Verlängerung der geöffneten Finger.
- Ohne Tastenberührung werden beide Finger in geringer Distanz gehalten.

- Im Tastvorgang selber berühren die Fingerspitzen die Paddles nur leicht.
- Der Daumen betätigt die "Punkteseite", der Zeigefinger die "Strichseite".
- Die Finger müssen dabei locker und möglichst entspannt bewegt werden.
- Sie sollten den Geber symmetrisch, in gleichen Positionen berühren.
- Der beidseitige Fingerhub sollte so gering wie möglich gehalten werden.
- Nur Daumen und Zeigefinger dürfen tasten - alle anderen Finger ruhen.

- Zur perfekten, schnellen Tastung ist die SQUEEZE-Technik anzustreben.
- Die Zeichen werden hier durch Zusammendrücken der Paddles gebildet.
- Dadurch erfolgt eine wechselseitige Punkt- / Strich-Tastung ("iambic").
- Dabei werden die Zeichen mit einem Minimum an Bewegungen geformt.

Tastenprinzip Gebemechanik
ETM-Gebemechanik
(Rückansicht)
 
Profi M Profi M Six
Hochwertige Squeeze-Wabbler aus deutscher Produktion


- Für Schnelltelegrafie können Paddles verkleinert oder entfernt werden.
- Ein Geben auf den kleinen "Stumpen" kann hierbei Weg und Kraft sparen.
- Dabei sollten die Abstände zwischen den Paddles/Stumpen gering sein.
- Eine sehr gute Alternative ist hierbei der kontaktlose Sensor-Geber.

Bencher Verändeter Bencher zum Schnellmorsen

wmv-Video-QRQ-Gebebeispiel (408KB)

Erfolg = wenig Kraft + wenig Weg + entspannte Haltung + squeezen!


Die elektronische Speichertaste - Eine Hilfe mit Pfiff

Obwohl der "echte" Telegrafist vollautomatische Hilfsmittel (z.B. Morse-Schreib- oder Dekoderprogramme) ablehnt, werden einfache Speicher-Hilfsmittel gerne genutzt. Mit Speicher-Morsetasten können immer wiederkehrende Texte auf Tastendruck oder als Endlosschleife mit Pause gesendet werden (s. ETM-4C).

Überwiegend verwendet werden diese Speicher für die allgemeinen Anrufe (CQ). Die gleichförmigen Rufe entlasten und stärken das Durchhaltevermögen. Daher ist ein Speicher bei den Rufen empfehlenswert, bei denen keine oder keine schnelle Antwort zu erwarten ist. Dies steigert gleichzeitig die Chance für außergewöhnliche Verbindungen. Der Speicher macht die Arbeit - die Zeit spielt keine Rolle!

Sinnvoll ist die Nutzung bei:

- Langen Wettbewerben (Contest)
- Schwachen Sendeleistungen (QRP)
- Ungenutzt scheinenden(!) Bändern (Baken!)
- Unüblichen Morsegeschwindigkeiten (QRQ)

Damit ist die Speichernutzung auch ideal für Nebenbei-Rufe. Warum nicht im Hintergrund CQ rufen und sich einfach - oder auch nicht - überraschen lassen? 


Die individuelle Morsehandschrift und die Ursachen

Wie bei der üblichen Schreibschrift gibt es auch bei der Morsetastung - besonders bei der Nutzung einer Handtaste - persönliche Eigenheiten. Den Zeichen werden dabei unbewusst eigene Charakterzüge aufgedrückt. Die Zeichennorm ist dadurch mehr oder weniger verändert. Dadurch werden die einzelnen Morse-Schriftbilder - wie bei einer normalen Schrift - unterscheidbar. Bei größeren Abweichungen oder Unregelmäßigkeiten kann zusätzlich die Lesbarkeit der Zeichen leiden. 

Ursachen können sein:

- Unterschiedliche Länge der kurzen oder langen Impulse
- Zusammenziehung der Zeichen innerhalb eines Wortes
- Fehlende oder unterschiedliche Wortabstände
- Unkorrekte Punkt- oder Strichfolgen
- Pausen innerhalb eines Wortes
- Unregelmäßiges Geben

mp3-Beispiel (38KB) Homepagemotto in schlechter Handschrift

Historische Darstellung unterschiedlicher Morse-Handschriften, aufgenommen auf speziellen Papier-Streifenschreibern. Die "Morse-Zackenschrift" (Undulatorschrift) kann leicht abgelesen werden.


Undulator-Handschriften
[CQ 3/1937, Seite 36]        

Daher ist eine normgerechte Morsehandschrift für die Übertragungssicherheit zwingend erforderlich. Persönliche Eigenheiten sind - soweit möglich - zu minimieren!

Bei nachlässig gegebenen Morsezeichen spricht der Funker von "Schmieren". Verschlechtert sich die Handschrift, sind Q-Gruppen wie "QSD" oder "QLF" nicht auszuschließen. Spätestens dann sollte die eigene Gebeweise überprüft werden.

Selbstbau-Relaistaste
Neben der tatsächlichen Morse-Handschrift gibt es auch eine "funkbetriebliche Handschrift".

Werden deutsche Umlaute gegeben? Gibt es ein "CH" als vier Striche? Ist die Sprache locker oder förmlich? Gibt es Mundartanteile? Hat der Sender einen besonderen Sound? Gibt es typische Eigenarten in der Verkehrsabwicklung?

Alle diese Unterscheidungsmerkmale geben der Morsetelegrafie ihren besonderen Reiz, ist doch der Funker auch an seinen Morsezeichen zu erkennen.

Siehe auch: Morsehandschrift bei hohen Geschwindigkeiten.


Computer-Möglichkeiten zur Gebe-Perfektionierung

Zeichenkontrolle
Überprüfung eigener Zeichen mit dem Morsedecoder

Eine korrekte Gebeweise ist mit Hilfe eines (freien) Morsedecoders oder einer Computertaste hervorragend zu trainieren. Getastete Folgen sind durch die Programme unmittelbar zu kontrollieren. Kleinste Zeichen- und Abstandsfehler werden unbarmherzig auf dem Bildschirm angezeigt. Ein Trockentraining - nur mit dem internen Mithörton! Ein einfacher Weg zum guten Geben...

Gebeflüssigkeit
Parallelgeben über einen längeren Abschnitt

Ein zusätzlicher Weg, eine weitgehend unbekannte Ergänzung der Morse- Gebeausbildung oder des Trainings zur eigenen Perfektionierung, ist die Paralleltastung mit einem Computer (früher Maschinengeber).

Hierbei erfolgt die zeitgleiche Tastung eines identischen Textes von Hand bei separater, automatischer Morseausgabe durch den Computer. Dabei steht als Beispiel der Lautsprecher der eigenen Tastung auf der linken, der des Computers auf der rechten Seite (oder verschiedene Kopfhörermuscheln).

Da der Rechner "kalt und unerbärmlich" den vorab eingegebenen Text in normgerechter Morseschrift abspult, kann der Trainierende auf diese Weise das korrekte Rhythmus- und Tempogefühl durch die parallele Tastung verinnerlichen. Ziel ist es hierbei, ein ganzheitliches Signal zu produzieren - ein Verschmelzen der beiden gleichen, jedoch voneinander unabhängigen Textinhalte.

In früheren Jahren wurde dazu mit einem Maschinen- Streifenschreiber die Handschrift zusätzlich kontrolliert. Das Ziel war eine perfekte und damit normgerechte Handtastung - ohne jede "verräterische" Gebenote.

© DK5KE