Home
 
Morsetelegrafieseite DK5KE
Die Morsetelegrafie ist der Urknall des Internets
 
Morsen in der Praxis
Allgemeine Betriebstipps zur Verbesserung des Funkbetriebs


- 500 Hz - Wahl der optimalen CW-Tonfrequenz
- CQ-Tipps - Verbesserung der Kontaktaufnahmen
- Morse-Saudrücker und Linker-Fuß-Geber
- Hilfen zur Morsetelegrafie bei Problem-Feldstärken
- Kreative Betriebsnutzung der SDR-Webradios
- CW-Kanalspeicher-Durchlaufbetrieb
- Telegrafie-Frequenzeinstellungen
- Flüssiger Funkverkehr durch einen FULL-BK-Betrieb
- Fachgerechte Anwendung aller Bedienelemente
- 5 MHz Tipp - Vergrößerung der Filterbandbreite
- Besondere Z-Gruppen für die Morsetelegrafie
- Besondere Aufwärmübung für den Telegrafisten
- Spezielle Q-Gruppen für quarzgesteuerte Sender
- Tönende Telegrafie auf UKW (F2A) - alternativ SSB


500 Hz - Wahl der optimalen CW-Tonfrequenz

Nutze die Erkenntnisse der Psychoakustik und empfange deine Telegrafiesignale in einer Tonhöhe von ca. 500 Hz! Denke auch daran, ggf. deinen Mithörton (PITCH-Funktion) entsprechend einzustellen, damit bei deinem Tranceiver die Töne für ein korrektes Schwebungsnull (Zero Beat) übereinstimmen. Tiefe Töne haben einen wertvollen Trennschärfen- und S/N-Gewinnvorteil gegenüber höherfrequenten NF-Signalen.

Mehr dazu: Telegrafie im Rauschen - Morsen und Psychoakustik


CQ-Tipps - Verbesserung der Kontaktaufnahmen

Nach einem CQ-Ruf nicht sofort aufhören!
Entweder wird langsam über das Band "gekurbelt" oder es wird das leicht verzögerte RBN-System beobachtet. Ist der Ruf zu kurz, die Frequenz zu schnell verlassen, reicht häufig die Antwortzeit nicht aus. Daher: Bitte nicht zu kurz rufen und nicht zu schnell die Frequenz verlassen!

CQ-Rufe auf bekannten Aktivitätsfrequenzen!
Oft parken Stationen in ihren sendefreien Zeiten auf bekannten Klub-, Aktivitäts- oder Lieblingsfrequenzen. Daher: CQ auf beliebte Frequenzen erhöhen oft die QSO-Chance.

Eine Bandöffnung an FTx/Beacons erkennen!
Mitunter beherrschen FTx- oder Beacon-Ausstrahlungen das sonst einsame Band. Daher: Eine Vorab-Empfangskontrolle dieser Sendungen versprechen mitunter gute CQ-Erfolgaussichten.

Auch auf einem "toten" Band CQ rufen!
Die Bänder sind manchmal unberechenbar! Unerwartete Trassenöffnungen sind nicht außergewöhnlich. Daher: Ein CQ-Ruf mit einer parallelen RBN-Beobachtung können für Überraschungen sorgen.

Siehe auch: CQ-Rufe, Anrufe, Anrufantworten und Skeds


Morse-Saudrücker und Linker-Fuß-Geber

Ein schlechter Morsegeber wird als "Saudrücker" (QSD) bezeichnet. Netter, aber nicht viel besser, klingt "Linker-Fuß-Geber" (QLF). Zu viele Gebefehler und ein ungeliebtes "Stottermorsen" erschweren den Funkverkehr. In dieser "Stolpertelegrafie" werden die Morsezeichen (viel) schlechter verstanden. Worin liegen die Ursachen?

1. Schmieren - Nichteinhaltung von Buchstaben- und Wortabständen:
"q dr
Ø= rv5  795 79 = qtheus kirche neu skirchen = xm   elud wig"

Normgerechte Abstände werden nicht eingehalten. "GT" (Guten Tag) wird zu "Q", der "OM" (old man) wird zur traurigen "Ø" und "RST" ergibt "RV" oder Phantasiezeichen. Der Funker schmiert, sein Morsen wird unverständlich. Falsche Abstände verbeulen die Sprache und verwirren. Der Hörer wird frustriert, er ermüdet und ein schnelles "QSL 73" wird herbeigesehnt, eine längere Unterhaltung vermieden!

2. Zu schnell - Nichtbeherrschung der eingestellten Morsegeschwindigkeit:
"gt br om x rht 579 hz9 x qt5 euhksrc5en euskerchen x nami ludwsg"

Punktesalat! Das Tempo wird nicht beherrscht. Punkte "rutschen oder blockieren". Die elektronische Taste ist für den Funker zu schnell eingestellt. Er telegrafiert auf Kosten der Gegenstation. Egoistisch möchte er flott erscheinen und auf Biegen und Brechen ebenso schnell sein. Anspruch und Wirklichkeit klaffen dabei weit auseinander. Hier sind dann die sprachlichen Redundanzfähigkeiten mithörender Funker gefordert.

Esne vnleherlic5e Morheic5rift uervirrt e6en!

Treten beide beschriebenen Formen gemeinsam auf, wird es noch problematischer! Dies geschieht gern bei den berüchtigten "Windhund-Telegrafisten", die meist ohne ausreichende Übung und Konzentration zu ungenau und viel zu schnell morsen.

"q br
Ø= rv 57 9hz  9x qt5 eus kirc5e neu skerchen xmel   udwsg"

Zugegeben: Schon sehr übertrieben! Aber leider nicht ganz so praxisfremd!

Fehlermorsen

So bleibt es dann bei einem ungeliebten "Redundanz-QSO" mit einer nachfolgenden QSO-Vermeidungshaltung. Hackende QLF-Funker bleiben daher meist einsam!

Siehe auch: Die individuelle Morsehandschrift und die Ursachen

Aber wie können derartige Fehler vermieden werden?

Langsamer Geben
Ein wenig Bescheidenheit erfreut den Partner! Warum nicht einfach langsamer geben? Fehlerfreies Morsen erhöht den Genuß und die Akzeptanz, besonders bei schwachen Signalen (QRP). Wer liebt nicht eine perfekte Morsehandschrift? Ermüdet und verwirrt uns nicht auch ein hektisch unsauberes Sprechen? Das gilt ebenso für das Morsen!

Gebe-Trockenübungen
Das perfekte Geben im Morsen lernen! Perfekte Funker morsen zur Übung und ohne HF-Abstrahlung oft seitenweise Texte. Das Gebe-Wortgefühl wird gestärkt, korrekte Abstände antrainiert. Das Ziel ist das Erreichen des Flows! Dabei sollten aus dem Morsealphabet auch seltene Elemente einbezogen werden. Kein Musiker geht ohne Übung oder kurze Aufwärmung vor das Publikum. Und was macht der Telegrafist?

Gebe-Trockenübungen mit Hilfe eines Morse-Decoders
Eine Überprüfung und Verbesserung der eigenen Zeichen kann auch mit einem Freeware-Morsedecoder erfolgen. Nähere Tipps dazu hier.

Klartext-Hörübungen mit dem Computer oder dem Smartphone
Verschiedene Morseprogramme können beliebige Textfiles zur Morseabgabe verwenden. Dabei ist eine freie Geschwindigkeitswahl möglich. Ein übliches Textprogramm hilft bei einer notwendigen Konvertierung in das dafür notwendige txt-Format. Wichtig dabei: Eine zunehmende Hörsicherheit überträgt sich auf das Geben - Fehler verringern sich, die Morsetelegrafie wird dann zur Musik!

Ampel
Niemand möchte als "Saudrücker" oder als "Linker-Fuß-Geber" bezeichnet werden. Wir sind Amateure und erfreuen uns an den Morsezeichen. Daher ist der Hamspirit Ehrensache!  -  Also: "nil ok = pse QRS".


Hilfen zur Morsetelegrafie bei Problem-Feldstärken

Häufig ergeben sich im Funkbetrieb sehr schwache, bzw. durch schlechte atmosphärische Bedingungen (QRN), gestörte Signale an der Hörgrenze. Unabhängig von den Tricks bei Störungen (QRM) ergeben sich auch hier funkbetriebliche Möglichkeiten.

Problem: Wie sind diese Verbindungen betrieblich zu retten?
Lösung:   Durch Nutzung/Umsetzung geeigneter Q-Gruppen.

QRS - Um QRS bitten und/oder selbst langsamer geben.
Langsameres Geben verbessert die Lesbarkeit bei schlechten Verbindungen erheblich. Bedenke dabei: Es ist immer(!) der Empfänger das Ziel - nicht die (eigene) Morse-Eitelkeit!

QRO - Um QRO bitten und/oder selbst Leistung erhöhen.
Manche Stationen arbeiten - trotz leistungsfähiger Station - oft mit (viel) kleineren Leistungen. Dies ergibt sich durch einen sportlichen Reiz (QRP) oder einer Notwendigkeit zur Leistungsreduzierung (bci/tvi). Eine (kurze) Leistungserhöhung - sei es auch nur um wenige Dezibel - kann die Lesbarkeit erheblich verbessern.

QSZ - Um QSZ bitten und/oder selbst doppelt geben.
Liegen sehr geringe Feldstärken bei gleichzeitigen Schwundbedingungen (QSB) vor, ist das doppelte (oder mehrfache) Geben eines jedes Wortes oder jeder Abkürzung ein gutes Hilfsmittel. Auch wenn dies ungewohnt ist - in den Schwundbergen kann es vielleicht verstanden werden. Zusätzlich helfen die CW-Abkürzungen für Fragen und Wiederholungen bei Störungen.

QSY - Um Frequenzwechsel bitten oder nachfragen.
Frequenzwechsel auf das nächst tiefere oder höhere Amateurfunkband. Liegen geeignete ionosphärische Bedingungen vor, kann ein Funkverkehr auf mehreren Amateurfunkbändern möglich sein. Hieraus ergeben sich gleichzeitig veränderte Signal-/ Rauschverhältnisse. Die Qualität einer Funkverbindung kann sich damit verbessern.

Wichtig ist: Ergibt sich nach einem Frequenzwechsel kein Funkkontakt, wird nach einigen längeren Anrufversuchen auf die vorhergehende (zuletzt funktionierende) Frequenz geschaltet.

In allen Fällen sollten langatmige Erklärungen vermieden werden. Bei betrieblich schwierigen Verbindungen sind kurze Durchgänge und korrekte Abkürzungen das wichtigste Mittel. Ein gekonnter Zwischenhörverkehr (QSK) ist dabei sehr hilfreich.

Siehe auch: Betriebstechnik bei der Verwendung kleiner Sendeleistungen (QRP)


Kreative Betriebsnutzung der SDR-Webradios

Neben den oben genannten betrieblichen Hilfen bei Problemfeldstärken, sowie der betrieblichen WEBSDR-Alternative bei starken lokalen EMV-Störungen, kann das WEBSDR bzw. das KiwiSDR auch bei sehr schwierigen Verbindungen oder für besondere (Sked-)Anwendungen aktiv genutzt werden.

Empfang bei Störungen oder schlechtem Funkwetter
Werden die Fremdstörungen zu stark, sind die Funkbedingungen zu schlecht, sind die Empfangsfeldstärken zu schwach, kann das Signal des Partners über einen, seinem Standort nahen bzw. günstig gelegenen, Internet-SDR empfangen werden ("Webradio-Diversity"). Statt des eigenen Empfängers wird hier ergänzend ein geeigneter Internet-Empfänger über die Browser-Oberfläche des Rechners genutzt.

Empfangsdarstellung

Verbindungen innerhalb der Toten Zone
Auch wenn es verrückt erscheint, Verbindungen können auch innerhalb der Toten Zone mit Unterstützung der WEB-Empfänger durchgeführt werden. Die einzige Bedingung ist: Der oder die SDRs müssen empfangsseitig für beide Stationen außerhalb ihrer gemeinsamen Toten Zone liegen. Es wäre damit eine geeignete Empfangslösung, sollte ein Kontakt kurz vor dem Abbruch stehen, plötzlich in den Tiefen der Toten Zone verschwinden. Auch wäre als Beispiel bei einem schwachen Backscatter-Signal innerhalb der Toten Zone ein brauchbarer Kontakt über einen WEB-Empfänger im Ausland denkbar.

Verbindungen über große Distanzen auf ungeeigneten Frequenzen
Total verrückt, jedoch technisch nicht abwegig ist es, wenn beispielsweise eine Station mit einem viel zu weit entfernten Partner auf einer völlig ungeeigneten Frequenz eine Verbindung abwickelt. Hört zum Beispiel eine US-Station auf einem dem DL-Empfänger nah gelegenen Webradio, und die DL-Station hört gleichzeitig auf einem dem US-Empfänger nahen Webradio, wäre eine Mittagsunterhaltung mit echtem Kurzwellensound auf 80m oder 40m mit dieser neuen Technik denkbar - quasi als Online-Morsen mit Hochfrequenz. Und damit es für die anderen Funkamateure nicht verwirrend klingt, könnte es im QSO regelmäßig mit "QSX WEBSDR [Name]" vermerkt werden. Geeignet für Sked-Verbindungen ist dieser betrieblichen Kreativität keine Grenze gesetzt, ob total verrückt oder auch nicht.


CW-Kanalspeicher-Durchlaufbetrieb

Problem: Suche nach guten Bekannten auf Vorzugs-/Treffpunktfrequenzen.

Wer hat es nicht schon erlebt? Man sitzt im Shack und bastelt einsam, möchte aber gleichzeitig für gute Freunde erreichbar sein. Viele Treffpunkte sind bekannt. seien es die typischen Klub- oder Gruppentreffpunkte oder auch persönliche "Hausfrequenzen" - aber der Transceiver steht leider nur auf einer Frequenz.

Moderne Geräte bieten heute die Möglichkeit des "Memory Scrolls". Besteht bei einer anderen Tätigkeit gleichzeitig die Lust auf eine Funkverbindung, ist ein automatisches Abscannen der bekannten oder bevorzugten Treff-Frequenzen geradezu ideal. Und sollte es zu nervig werden, kann die HF-Laufstärke soweit verringert werden, dass das Rauschen in den Hintergrund tritt oder es kann eine vielleicht vorhandene, knapp eingestellte Rauschsperre genutzt werden.

Beispielhaft können folgende Frequenzen gescannt werden:

(Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt!)

80 Meter
Nutzung
40 Meter
Nutzung
3525 kHz
HSC-International
7017 kHz
BUG-Aktivität
3547 kHz
Bug-Aktivität
7024 kHz
QRQ
3555 kHz
QRS-Aktivität
7025 kHz
HSC-International
3560 kHz
QRP-Anruf
7030 kHz
QRP-Anruf
3563 kHz AGCW-Klub  

3567 kHz QRQ


BUG-, QRP- und/oder QRQ-Fans können auf diese einfache Weise im Hintergrund ihre Lieblingsfrequenzen - je nach Vorliebe - beobachten! Ungehörte CQ-Rufe verringern sich - der größeren Aktivität ist Genüge getan!

Neben dieser klassischen Scanfunktion haben einige moderne Geräte auch einen programmierbaren Bandsuchlauf. Mit einer einstellbaren Suchlaufgeschwindigkeit kann ein frei wählbarer Frequenzabschnitt abgetastet werden. Morsesignale sind dadurch schneller erkennbar. Diese Funktion eignet sich besonders für "einsame" Morsebereiche.

Siehe auch: Stand-By-Betrieb - Stille Empfangsbereitschaft


Die Telegrafie-Frequenzeinstellung

Die Morsetelegrafie ist eine schmalbandige Betriebsart. Besonders für den störungsarmen Morsebetrieb sind exakt übereinstimmende Sendefrequenzen erforderlich. Sendet ein Partner frequenzversetzt, ist die Gesamtbandbeite der Verbindung vergrößert. Eine Frequenz kann frei erscheinen, obwohl sie belegt ist. Gegenseitige Beeinflussungen sind die Folge. Zur Vermeidung von Störungen durch Frequenzablagen ergeben sich folgende Hilfen:

Moderne Transceiver
Bei vielen modernen Transceivern liegt eine genaue Frequenzübereinstimmung bei identischer Tonhöhe des Mithörtons und des empfangenen Signals vor. Sind beide Töne gleich (in Schwingung), stimmt die eingestellte Frequenz überein!

Ältere Transceiver
Ist dieses Hilfsmittel nicht gegeben, kann die passende Empfangstonhöhe mit Hilfe eines exakt auf einer bekannten Frequenz arbeitenden Senders bestimmt werden. Auch kann bei korrekter Frequenzeinstellung die genaue Schwebungsablage einer regelbaren Empfängerverstimmung (Clarifier, RIT) bestimmt werden. Eine kleine, zusätzlich angebrachte Markierung kennzeichnet ggf. das genaue Schwebungsnull (Zero Beat) zur späteren Einstellkontrolle.

Getrennte Sende-/Empfänger - "Einpfeifen"
Bei getrennten Sende-/Empfängern erfolgt die Einregelung auf die gemeinsame Frequenz durch das berühmte "Einpfeifen". Hierbei wird der Sender bei vermindeter Abstimmleistung hörbar und schnell auf das Schwebungsnull des Empfängers gezogen. Hierbei ist ggf. eine eingestellte Hörablage des Empfängers zu beachten.

Frequenzbestimmung im SSB-Modus
Wird ein Telegrafiesignal statt im CW-Modus im SSB-Modus (USB/LSB) empfangen, liegt die wahre Frequenz genau im Schwebungsnull (Zero Beat) des Signals. Wird z.B. das Signal mit einer Tonhöhe von 1 kHz empfangen, so ist im oberen Seitenband (USB) die Frequenzanzeige um 1 kHz tiefer, im unteren Seitenband (LSB) dagegen 1 kHz höher. Die gehörte Tonlage bestimmt somit die Abweichung zur Grundfrequenz.

Korrekturen im Funkbetrieb
In der Praxis zieht entweder einer der Funkpartner auf die Frequenz nach oder er bittet z.B. um "200 Hz up" oder "dwn". Wird der Frequenzversatz jedoch beibehalten, ist eine ungewollte Störung durch andere, schmalbandig arbeitende Telegrafisten, nicht auszuschließen.


Flüssiger Funkverkehr durch einen FULL-BK-Betrieb (QSK)

Problem: Wunsch nach Unterbrechungsmöglichkeiten
Morseverkehre finden grundsätzlich im SIMPLEX-Betrieb (Wechselsprechen) statt. Hierbei wird abwechselnd eine Frequenz im Wechsel genutzt.

Simplex

In der klassischen Variante sind keine Unterbrechungen des Partners möglich. Es muss bis zum Ende der jeweiligen Aussendung gewartet werden.

Beim amateurfunktypischen VOX-Betrieb (Tastgesteuerter Betrieb / Semi- oder auch Halb-BK) wird der Sender automatisch mit Beginn des ersten Morsezeichens aktiviert. In längeren Tastpausen schaltet das Gerät - in Abhängigkeit von der eingestellten Verzögerung - automatisch auf Empfang. Bei flüssiger Morse-Gebeweise ist jedoch auch hier keine Unterbrechung des Funkverkehrs möglich. Ein Zwischenhören erfolgt nur bei kurzen Verzögerungen in der laufenden Durchgabe.

Die perfekte Lösung ergibt sich im Zwischenhörverkehr (QSK- oder FULL-BK- Verkehr), bei dem durch eine spezielle Sende-/Empfangsumschaltung (TR-Switch), ein reales zwischen den Zeichen hören möglich wird.

Dem Partner kann dies vorab durch die Abkürzung "QSK" mitgeteilt werden:
"Ich kann Sie zwischen meinen Zeichen hören; Sie können mich während meiner Übermittlung unterbrechen." Betriebsbeispiel: " [...] de DK5KE QSK pse k".

Im Funkbetrieb wird formal mit der Duchgabe von "bk" ("Break"; ggf. auch mehrmals hintereinander) unterbrochen. In lockeren Funkgesprächen wird dagegen auch mit einfachen Unterbrechungs-Punkten "dit dit dit ..." auf sich aufmerksam gemacht. Auch wird das "bk" zum schnelleren Hin und Her (z.B. als formlose Übergabe bei kurzen Fragen) anstelle eines langatmigen "Call de Call pse k" verwendet, wobei der Partner seinen Durchgang ggf. "gespiegelt" ebenfalls mit einem "bk" beginnt.

QSK-Betrieb

Der Vorteil des QSK- oder FULL-BK-Betriebs liegt in der unmittelbaren Reaktion hinsichtlich eines Fremdstörers (QRM) oder einer Unterbrechung des Partners, die ein flüssiges, lebhaftes Gespräch erst perfekt macht. Das häufige und unabsichtliche "Doppelsenden" entfällt.

QSK ist jedoch nicht immer QSK! Qualitätsunterschiede in den Geräten können den Telegrafiegenuss beeinträchtigen. Eine schlechte QSK-Geräteeigenschaft kann zum Teil durch eine gute Tast- Elektronik kompensiert werden. Ein verzerrtes Punkt-/ Strichverhältnis kann damit nachgeregelt werden. Wichtig ist hierbei: Nicht jedes Gerät ist für den perfekten Telegrafiebetrieb gleich gut geeignet!

Tipp: Der (QSK-)Morsegenuss ist ideal, wenn bei einem Partner die HF-Lautstärke soweit zurückgedreht ist, dass das Rauschen gerade noch zu hören ist, die NF-Lautstärke dagegen auf eine angenehme Hörlautstärke eingestellt ist. Je nach Gerät oder auch nach persönlichem Geschmack kann es dabei vorteilhaft sein, die AGC völlig abzuschalten, da durch das ständige Auf- und Abregeln ein "Pumpeffekt" entstehen kann, welcher ggf. störend wirkt. Vorteilhaft für den Genuss kann auch sein, dass leise und störende Hintergrundsignale (QRM) in Pausen nicht hochgeregelt werden. Und sollten Umschaltrelais während den einzelnen Morseimpulsen zu laut klappern, könnten diese - bei Telegrafisten praxiserprobt - mit Schaumstoff oder Klebepats bzw. Klebeknete bedämpft werden.


Fachgerechte Anwendung aller Bedienelemente

Problem: Der Funker quält sich mit einer ungenügenden Hörqualität.

Transceiver
Oft liegt es an der mangelnden Nutzung vorhandener, nicht beachteter - jedoch sehr hilfreicher Bedienelemente. Gerade diese begründen den besonderen Morsegenuss!

Das große Ziel ist die Beherrschung aller vorhandenen Bedienelemente.

Quarzfilter -  HF-Filter
Bei der Partnersuche ruhig breitbandig - im Funkbetrieb aber immer schmalbandig. Filter kleiner gleich 500 Hz sind zu empfehlen. Ein ergänzendes Niederfrequenz-Filter kann zudem den Hörgenuss verbessern. Ein auftretendes "Klingeln" des Filters ist dann jedoch ein Zeichen einer zu schmalen Einstellung.

NF- und HF-Lautstärke
Die ausgeglichene Balance zwischen dem NF- und HF-Signal begründet ein ruhiges und ablenkungsfreies Signal. Leichte Fremdstörungen (QRM),  Atmospherik (QRN) oder das Rauschen können mitunter so minimiert werden, dass Morsesignale fast wie aus der Retorte klingen. Also: HF so gering wie möglich - NF so laut wie nötig.

Abschwächerschalter (AIT)
Ähnliches bewirkt eine vorhandene, einschaltbare Empfänger-Eingangsdämpfung für einen verbesserten Intercept-Punkt durch starke benachbarte Signale.

Frequenzablage RIT (Receiver Incremental Tuning)
Kleine RIT-Frequenzablagen können bei Störungen (Störer auf Schwebungsnull!) oder bei einem ungewollten Frequenzversatz des Funkpartners sehr sinnvoll sein. Mit der RIT kann dabei die gewünschte Tonhöhe (± 500 Hz) eingestellt werden, ohne dass bei einer eigenen Frequenzkorrektur der Partner (gerätebedingt?!) erneut im Versatz liegt.

NOTCH-Filter
Liegt bei Nutzung eines schmalbandigen Filters eine (längere) Fremdstörung vor, sollte zusätzlich ein vorhandenes NOTCH-Filter genutzt werden. Ein störendes Signal kann damit abgeschwächt werden, ein entspanntes Morsen ist die Folge.

Störaustastung - Noise Blanker (NB)
Die Nutzung ist primär abhängig von der elektronischen Umweltverschmutzung. Sie ist sehr sinnvoll bei breitbandigen (lokalen) Störsignalen. Mitunter beschrieben: Hierbei können, je nach Einstellung, auch Beeinflussungen in der Qualität der empfangenen Morsetastungen erfolgen.

Rauschsperre
Für den Betrieb auf Kurzwelle eher ungewöhnlich! Aber: Sie kann sehr gut für einen "Pausenempfang" auf den bevorzugten Stand-By-Frequenzen oder im Kanalspeicher-Durchlaufbetrieb eingesetzt werden.

Automatische Schwundreglung (AGC)
Sie sollte grundsätzlich auf einen Wert eingestellt sein, bei dem das Signal angenehm ruhig und ohne starke Pump- /Regelungseffekte zu hören ist. Lediglich beim Empfang schwacher Signale erweist sich eine schnelle Regelung mitunter als vorteilhaft. Siehe hier auch den QSK-Tipp.

Flankenverschiebungen in den Empfangssignalen (Bandpass-Shifting)
Die ergänzenden Tiefen- und/oder Höhenbeschneidungen im Bandpass-Shifting lassen störende Nebengeräusche schnell verschwinden. Die Bandbreite wird dadurch wie in einem Filter eingeschränkt, ein hilfreiches Zusatzmittel.

Nicht alle diese Hilfsmittel sind bei den Funkgeräten vorhanden. Jedoch erleichtern schon einzelne Maßnahmen den Morseverkehr. Wichtig ist, die vorhandenen Gerätemöglichkeiten in vollem Maße zu nutzen. Dann ist das Morsen ein Genuß!

Siehe auch: Tipps gegen Fremdstörungen und deren mögliche Abhilfe


5 MHz Tipp - Vergrößerung der Filterbandbreite

Der primäre Telegrafiebereich auf 60 Meter umfasst lediglich 2,5 kHz (5351,5 - 5354 kHz). Wird zusätzlich der Bereich oberhalb genutzt, beispielsweise für einen Betrieb mit englischen Stationen (andere Bandzuteilung!), vergrößert sich der Bereich nur um wenige Kilohertz. Bei einstellbaren Filterbandbreiten von 2,7 kHz (SSB), vielleicht auch 6 kHz (Rundfunk-)AM-Empfang, ist der CW-Bereich mit einer einzigen RX-Einstellung nahezu komplett zu beobachten. Lediglich die zwangsläufig höheren Töne oder ein zufälliges Schwebungsnull (Zero Beat) können als nachteilig betrachtet werden. So kann bei stillem Band und einer breitbandigen Empfängereinstellung auf einer gemittelten Frequenz (z.B. 5352,75 kHz) ein erfolgreicher Stand By-Hörbetrieb stattfinden.


Besondere Z-Gruppen für die Morsetelegrafie

Die mit den Q-Gruppen verwandten internationalen Z-Gruppen werden primär bei kommerziellen (RTTY-) Funkdiensten genutzt. Sie sind im Amateurfunk mit einer Ausnahme nahezu unbekannt.

Die Gruppe "ZAP" ("Bitte bestätigen!") ist überwiegend nach Rundsprüchen (nicht Notfunknetze!) zu hören. Wird dem eigenen Rufzeichen nach einem unmittelbaren Rundspruch zur Bestätigung "ohne ZAP" beigefügt, gilt dies als eine Bestätigung, jedoch ohne den Wunsch eines späteren Aufrufs der Rundspruchstation für einen erweiterten Bestätigungsverkehr.

Neben dem im Amateurfunk bekannten "ZAP" gab es spezielle Z-Gruppen für die Nutzung von Morsetasten. Diese sind im Amateurfunk völlig ungebräuchlich, wohl aber für den Morse(tasten)freund sicher erwähnenswert.

MorsetastenZTH - ZTV - ZTW

Verwendet wurden diese Gruppen im automatischen
(Morse-) Schnellsendebetrieb (QRQ).

ZTA   Senden Sie automatisch!
ZTH   Senden Sie mit der Handtaste!
ZTV   Senden Sie mit Vibroplex!
ZTW  Senden Sie mit Wabbler!


Besondere Aufwärmübung für den Telegrafisten

Problem: Mangelnde Übung oder kalte Finger oder Tastengewöhnung.
Generationen von Telegrafisten trainierten mit den "Fingerbrechern":

Funker - Gegengewichtspfahl
- entgegengegangen
- Mississippipiraten
- Rokokokokotten
- Meiereieier
- 555 Hessen wollen in Essen Eis essen

mp3-Hörbeispiel Tempo 75 BpM (118KB)

Eine reizvolle Trockenübung wären auch andere, noch längere Wörter, die ohne jedes Stocken flüssig (auch schnell!), und ohne einen einzigen Fehler in "einem Rutsch" zu tasten sind. Fingerbrecher-Beispiele:

- Haifischschwanzflossenfleischsuppe
- Leichtathletikweltmeisterschaftsentscheidungswettkampf
- Grundstücksverkehrsgenehmigungszuständigkeitsübertragungsverordnung

Zum Trost: Auch sehr erfahrene Telegrafisten haben damit ihre Probleme!


Spezielle Quarz-Q-Gruppen

Im frühen Amateurfunk konnten viele Funkamateure aufgrund der Verwendung fester Sendequarze nur schwierig in Verbindung treten. Obwohl die Empfänger in der Regel durchstimmbar waren, konnten nur Simplexverkehre durchgeführt werden. Für die erweiterte Betriebsmöglichkeit (Duplexbetrieb - Funkverkehr auf zwei Frequenzen) wurden besondere Q-Gruppen verwendet. Diese Quarz-Q-Gruppen kennzeichneten die jeweilige Methode des Abhörens. Ein Wiederaufleben der Gruppen erfolgte in den Anfängen des UKW-Bastelns. Heute ist dieses Verfahren in Vergessenheit geraten. Die Q-Gruppen lassen eine Logik erkennen:

QHL
QHM
QLH
QLM
QMH
QML
Ich suche das Band, am oberen Ende beginnend ab.
Ich suche das Band, am oberen Ende beginnend zur Mitte ab.
Ich suche das Band, am unteren Ende beginnend ab.
Ich suche das Band, am unteren Ende beginnend zur Mitte ab.
Ich suche das Band, in der Mitte beginnend nach oben ab.
Ich suche das Band, in der Mitte beginnend nach unten ab.

Vielleicht ist dieses Verfahren auch heute noch für den (Contest-) Betrieb zwischen quarzgesteuerten Sendern einfachster Bauart sinnvoll?


Tönende Telegrafie auf UKW (F2A) - Alternativ auch in SSB

Durch die große Verbreitung von kleinen V/UHF-FM- Handfunkgeräten ist der F2A- Morsebetrieb auf einem "OV-Kanal" oder auf der F2A- Anruffrequenz 144,65 MHz eine gute und einfache Möglichkeit zum Morsebetrieb.

Hier können Kenntnisse und Fähigkeiten lokal, ohne große Reichweite verbessert werden. Auch eignet sich der sehr geringe Antennen- und Geräteaufwand besonders für Interessierte und Einsteiger. Für die allerersten Schritte genügt gegebenenfalls auch nur eine einzige aktive Morsestation.

Wird in der Folge während der Telegrafiepausen über das Mikrofon (F3E) "telefoniert", vermindert sich der anfängliche (Neu-) Stress - bei gleichzeitig erhöhtem Spaßfaktor. Das vertrauliche "Wohnzimmergefühl" bei den oft (sehr) geringen UKW-Reichweiten erleichtern dabei den Mut zum (ersten) "öffentlichen" Morsen.

Tipp: Der einfachste Weg ist die unmittelbare Mikrofon-Einkopplung via Lautsprecher (Tongenerator/Audiosignal KW-Sender).

Sind V/UHF-Allmode-Geräte vorhanden, treffen sich Morse-Lernende auch gerne in den jeweiligen SSB-Bereichen. In A1A (CW) gegebene Übungstexte werden im Anschluss in J3E (SSB) vorgelesen und verglichen. Auch "verkriechen" sich Übende gerne abseits im 10m-Band. Die Haupsache ist jedoch immer die Gemeinschaft und der Mut, mit eigenen Zeichen auf das Band zu gehen. Und möchte man das Morsen lernen oder üben, lohnt sich immer ein Seitenblick auf regionale Ortsverbandaktivitäten.

© DK5KE