System U700 des ehemaligen Funkwerk Köpenick

Durch die weite Verbreitung der Geräte bedingt, liefert fast jede Suchmaschine bei den Suchbegriffen U700 und PLL einige Treffer mit Tipps zu Umbau und Anbietern auf dem SURPLUS-Markt.

Tragbares

Am Anfang stand die UF(T)(ragbar)

Mein erstes "richtiges" Gerät war die UFT721, ein Handfunkgerät das sicherlich noch vielen OM's wegen des "Rasierapparats" am Lederriemen und dem Nutzerkreis in Erinnerung ist. Durch den markanten Frequenzgang gab es selten Fragen zum verwendeten Gerät. Da mit 500 mW Sendeleistung die Reichweite in den Thüringer Tälern sehr begrenzt war, sollte bald eine Endstufe her. Die vorhandenen Vorgängertypen der Serie USE600 schieden wegen dem pfeifenden Transverter und einer intern am Gehäuse liegenden positiven Betriebsspannung aus. Also musste eine UFS721 (10-W-PA und viele Quarze) geopfert werden. Ein vorhandenes Relais und einige Bauteile für die HF-Vox waren schnell gefunden und verbunden. Einschalten und gut - der Booster lag bis zum "Ende" des PKW ohne Beanstandung im Kofferraum. Die Nutzungszeit der UFT721 aber war mit dem Wechsel des damaligen Schmücke-Repeaters in das X-Raster beendet. Wegen des hohen Aufwands für die Sonderanfertigung von Quarzen kann ich von der Verwendung inzwischen nur noch abraten. Falls der eine oder andere OM genau die richtigen Quarze haben sollte - warum nicht. Wenn beim Sonntagsspaziergang auch auf die Kartentasche für das Logbuch nicht verzichtet wird, ist allgemeine Aufmerksamkeit garantiert!

Gummi-Funken für Arbeit, Sport und ... ?

Die mit schwarzem Gummi ummantelten Handfunkgeräte UFT727 (2 m) und UFT771 (70 cm) scheiden wegen der unüblichen Frequenzfahrpläne leider für eine sinnvolle Nutzung im AFu-Bereich aus. Die Geräte besitzen keine separaten Quarze für RX und TX, sondern nur einen Quarz je Kanal. Die Frequenz-Ablage zwischen Senden und Empfang wird durch einen weiteren Quarzoszillator erzeugt. Das Gerät kann also in Abhängigkeit von diesem Quarz nur Simplex oder nur Duplex betrieben (zwei-frequenz-simplex, aber keineswegs 7,6 MHz, 9,4 MHz oder 600 KHz) werden! Gründe für den Erwerb könnten Sammlerwut oder das begehrte 70-MHz-Quarzfilter sein.
Auch die originalen 9,6V-NC-Akkus der UFT-Geräte leiden nach inzwischen mehr als 10 Jahren durch das Ausblühen des Elektrolyten an Schwäche und Schuppenfall. Ersatztypen wurden extra für diese Geräte produziert, gelangen aber im Neupreis in die Bereiche eines einfachen Handys vom AFu-Flohmarkt.

Für Heim und PKW...

Die Geräte des Systems U700 "mobil / ortsfest" zeichnen sich durch einen besonders soliden Aufbau aus und können mit normalem Werkzeug repariert und umgebaut werden. Für den universellen Einsatz in mehreren Klimazonen und unter rauhen Bedingungen wurde speziell dieses System mit besonderen Kühlungsmaßnahmen und elektrischen Schutzschaltungen versehen, die aktuelle AFu-Geräte weit in den Schatten stellen. Auch durch diesen Aufwand bedingt, sind die Geräte etwas größer und schwerer! Der Einsatz des Grundsystems U700 "mobil / ortsfest" erstreckte sich vom UKW Radio Telefoniesystem (URTES) in einigen Entwicklungsländern über das Zugfunksystem der Deutschen Reichsbahn und verschiedene Verkehrsfunksysteme bis hin zur zeitweiligen Telefon-Erstversorgung entfernter Gebiete in den neuen Bundesländern.

Endlich wurde ich stolzer Besitzer von U-700-Mobilgeräten für 2 m und 70 cm ! Jetzt kam nach dem Studium der Schaltpläne und Spezifikationen der Frequenzfahrplan ins Spiel.

Schalten ist kein Geheimnis!

Die Geräte besitzen nur einen PLL-Synthesizer, der im bestimmungsgemäßen Betrieb nicht zwischen RX und TX umgeschaltet wird. Die verschiedenen Frequenzablagen werden mit geschalteten Quarzoszillatoren erzeugt, an denen gleichzeitig die NF-Modulation erfolgt. Bei einem 30-Minuten-Umbau mit geschaltetem Synthesizer ist ein AFu-Betrieb problemlos möglich, denn es kommt "irgendwann auch" die richtige Frequenz heraus. Die Leistung beträgt einschließlich der Oberwellen und Transienten ca. 10 Watt.
Eine behelfsmäßige Lösung (für andere Stationen) im Fonie-Betrieb mit 40 dBc Nebenwellenunterdrückung ist die verzögerte Aktivierung des Senders nach der Beruhigung des Synthesizers. Mit nur wenigen zusätzlichen Eingriffen in PLL und Ablaufsteuerung sind sogar die erforderlichen -60 dBc bei trotzdem kurzen Umschaltzeiten erreichbar! Für Vollduplex-Betrieb muss allerdings doch ein Spezialquarz angefertigt werden - aber nur einer!
So wurden die Geräte mit allen Verbesserungen für AFu modifiziert und die Zahl der Umbauvarianten und Extras wuchs allmählich. Schließlich wurde durch weitere Eingriffe im Schleifenfilter des PLL-Synthesizers eine wesentliche Verkürzung der Einschwingzeit gegenüber dem Original erreicht. Für die in hoher Anzahl im Umlauf befindlichen 2-m-Quarzgeräte wurde ein PLL-Synthesizer entwickelt und es schien so, als wäre die Entwicklung beendet. Doch dann kam mit dem Betrieb der ersten 9K6-Digipeater die nächste Herausforderung.

Läuft es oder geht es nicht?

Notorische Zweifler am Prinzip der Frequenzaufbereitung und an der Brauchbarkeit der RX-TX-Umschaltung mit Relais gibt es immer noch, aber immer mehr Repeater und Digi's mit U700-Geräten!! Besonders die Reed-Relais erwiesen sich als äußerst zuverlässig und selbstredend schnell schaltend. Selbst der Modulatortrakt arbeitet allen Zweiflern zum Trotz hervorragend. Das weitverbreitete Vorurteil der Unbrauchbarkeit einer PLL - "viel zu langsam" - gilt gerade bei diesem Konzept nicht, da nur die Oszillatorfrequenz durch Frequenzsynthese erzeugt wird, die Modulation aber klirrarm im überlagerten VCXO erfolgt! Durch die sorgfältige Temperaturkompensation und teilweise Temperaturstabilisierung der Quarzoszillatoren übertrifft die U700 bei gutem Umbau den allgemeinen Durchschnitt. Es "läuft" also nichts, sondern die Frequenz steht!

Wenn der Frequenzgang aber ein Loch hat...

Hat er aber nicht! Durch einen zusätzlich entworfenen Modulationsverstärker und Änderungen am ZF-Teil kann linear (wirklich von 0 bis über 10 KHz) moduliert und von 0 bis 8 KHz demoduliert werden! Im Gegensatz zu 9k6-PR, wo durch den zur Gleichspannungsunterdrückung verwendeten Scramblingalgorithmus fast jedes Gerät irgendwie im Nahbereich funktioniert, arbeiten mit der modifizierten U700 auch APRS und POGSAG ausgezeichnet!
Lediglich für POCSAG ist eine von DG0OGG entwickelte Zusatzbaugruppe erforderlich, um trotz der bestehenden Eigenheiten der meist verwendeten RPC - Karten eine Modulation bis zu DC herunter zu erreichen.
Nur in einem Fall, in Kombination mit einem bestimmten TNC-Typ, verweigerte die modifizierte U700 hartnäckig den Connect zum Digi. Als Übeltäter stellte sich der TNC im Sendefall mit einem satten Spannungssprung am NF-Ausgang heraus. Auf das Einfügen eines Kondensators in den NF-Zweig zur Beschneidung des Frequenzgangs wurde verzichtet...

Futter für den PLL-Synthesizer?

Programme zur Erzeugung von EPROM-Dateien und zum Test der PLL-Baugruppen sind im PR-Netz (in Thüringen meist Rubrik "Technik" oder "UFS-UFT") oder aus eigener Entwicklung (versionsneutral) hier zu finden. Allerdings ist zu beachten, dass viele Programme im PR-Netz nur Files für die jeweilige Umbauvariante erzeugen und ohne die exakte Kenntnis der getroffenen Änderungen nutzlos sind!

U700 mobil / stationär - Vollduplex - aber richtig!

Nach der Beauftragung spezieller VCXO-Quarze für Ablagen vom 7,6 und 9,4 MHz gingen immer mehr Duplex-Diggis und Repeater in die "Luft". Die Duplexweiche war kein Problem mehr, nur die Repeater-Ablaufsteuerung verhielt sich wie ein Buch mit sieben Siegeln. So entwickelte ich in einer seltenen Periode der Ruhe eine Mini-Ablaufsteuerung für diese Gerätereihe. Es kam ein Schaltkreis zum anderen, der Drahtigel wurde immer größer und schließlich zur besseren Beherrschung auf einer Leiterplatte verewigt. Auch auf der Leiterplatte waren noch einige Modifikationen erforderlich - mit dem Ändern von Quellcodes war auf Leiterplatte leider nichts zu machen!

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