Weisse Rose München

Weisse Rose München

Widerstandskreis Weisse Rose

Gedenken 1942/1943

 

"Brave, herrliche junge Leute! Ihr seid nicht
umsonst gestorben, sollt nicht vergessen sein."

Thomas Mann, 27. Juni 1943, Radio BBC

Schenkung und Mitwirkung einer
Weisse Rose - Dauer - Ausstellung


Fast 10 Jahre dauerte die Rekonstruktion zur Flugblattherstellung des Widerstandskreises Weisse Rose, ihrer Freunde und Unterstützer. Seit dem 19. Februar 2019 ist ein honorarfreies Gedenkbuch (17,78 x 25,4 x 4,7 cm, 816 Seiten mit zahlreichen Abbildungen und Berechnungstabellen) in Papierform bei Amazon oder hier als kostenloser PDF-Download (100 MB) erhältlich. Nun folgte im Mai 2025 die 2. Auflage bei Amazon mit weiteren Erkenntnissen, siehe weiter unten Cover-Rückseite. Das Gedenkbuch soll an die Weisse Rose erinnern, ihre Hinterlassenschaft würdigen und orientierungssuchenden Menschen Mut machen.

   Widerstandskreis Weisse Rose: Ein Vermächtnis für die Zukunft
Mit dem Wunsch, mein Lebenswerk in liebevolle, jüngere Hände zu übergeben, möchte ich mein langjähriges Engagement für die Weisse Rose in neue Obhut geben und bis zu meinem Ableben dennoch mitwirken. Um altersbedingten Einschränkungen vorzubeugen und die Zukunft des Vorhabens zu sichern, ist eine frühzeitige Planung daher unerlässlich.


   Ihnen zu Ehren eine authentische Dauerausstellung als Schenkung
Mit einer Dauerausstellung zur Weissen Rose kann Ihr Verein die eigene Intention anhand eines konkreten Beispiels vertiefen, denn sie zeigt eindrucksvoll, wie junge Menschen mutigen Widerstand gegen die Unmenschlichkeit des NS-Regimes leisteten. Dieser Erinnerungsort ist mehr als ein Geschichtsrückblick. Sie ist eine Mahnung an die Gefahren von Fanatismus, Intoleranz und Gleichgültigkeit. Gleichzeitig ist sie ein Plädoyer für Freiheit, Zivilcourage und ein flammender Appell für gelebte Demokratie und Menschlichkeit. Diese Werte sind universell und nicht an einen bestimmten historischen Ort gebunden. Denn auch in Zukunft werden wir Vorbilder auf dem Mond und dem Mars brauchen, um im gesamten Universum Frieden zu wahren – ohne Armut, ohne Hunger, ohne Krieg.


   Die Macht der Erinnerung
Die Weisse Rose symbolisiert unerschütterlichen Mut und Engagement im Kampf gegen die Tyrannei des Nationalsozialismus. Ihre mutigen Flugblätter, die die Wahrheit verbreiteten, sind Zeugnisse eines unerschrockenen Geistes, der sich der Unterdrückung entgegenstellte. In einer Zeit, in der Hass und Hetze erneut auf dem Vormarsch sind, ist es wichtiger denn je, die Erinnerung an die Weisse Rose wachzuhalten.


   Eine einzigartige Dauerausstellung
Ein authentisches Gedenken soll nun das Vermächtnis der Weissen Rose und ihrer Freunde ehren. 28 mit Schellack handpolierte Holz-Text-Stelen und 15 originalgetreue Exponate auf Holztischchen, darunter die Schreibmaschine, mit der die Flugblattvorlagen getippt wurden, geben Einblick in die Aktivitäten der Widerstandsgruppe und ihre historischen Bezüge.

   Im Zentrum steht die Verwendung von Schellack, einem heute fast verschwundenen Naturharz, das in einem zeitintensiven Prozess in zahllosen Schichten aufgetragen wird. Die Schellackpolitur, vornehmlich für Möbel aus Holz manuell mit Polierballen aufgetragen, entstand Anfang 1800 in Frankreich und war auch Tradition in Deutschland in den 1940er Jahren, also zu Zeiten der Weisse Rose. Die Schellackpolitur zählt zur Königsklasse der Lackverarbeitung. Es gibt kaum Lacke mit so viel natürlichem Oberflächenglanz wie Schellack. Der Aufwand dieser Poliertechnik ist immens gross. Doch aussergewöhnliche Gesinnung bedarf Mühe, die nicht gross genug sein kann. Diese handwerkliche Vollendung symbolisiert die Klarheit und Reinheit der Gedanken der Weisse Rose, die im radikalen Kontrast zur Schmutzigkeit der NS-Propaganda standen. Die Tiefenwirkung und Leuchtkraft der Politur ist hierbei kein blosses ästhetisches Merkmal, sondern ein pädagogisches Werkzeug: In einer Welt flüchtiger digitaler Reize erzwingt die materielle Qualität eine bewusste Verlangsamung der Wahrnehmung. Diese Entschleunigung lädt den Betrachter ein, innezuhalten und sich buchstäblich in der Geschichte zu spiegeln. Die Beständigkeit des Holzes und der tiefe Glanz der Oberfläche korrespondieren dabei mit der moralischen Integrität und der unnachgiebigen Haltung des Widerstandskreises.


   Ein generationsübergreifendes Vorhaben
Diese Erinnerungsstätte lädt Menschen jeden Alters ein, sich mit den Themen Zivilcourage, Widerstand und Verantwortung auseinanderzusetzen. Kinder und Jugendliche können aktiv mitwirken und so lernen, für ihre eigenen Werte einzutreten und dabei Orientierung und Zuversicht finden.


   Ein Appell an die Zukunft
Die Weisse Rose – Dauerausstellung ist mehr als nur ein museales Vorhaben. Sie ist ein lebendiges Zeichen der Hoffnung und ein Aufruf an uns alle, uns für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit einzusetzen.

Zusammenfassung: Schenkung Dauer - Ausstellung "Weisse Rose"

 Die Dauerausstellung:
• Dauerhaft nicht zeitlich begrenzt
• 28 Text-Stelen und 15 restaurierte Exponate
• Biographien, Flugblätter, Porträts, Bildmaterial
• Exponate von Freunden der Weisse Rose
• Zwei Exponate zu Falschinformationen
• Historische Radioansprachen am Röhrenradio
• Grammophon-Musik mit Kaktusnadeln hören
• Mahagoni gefasste Erinnerungstafel mit Neopixel
• Exponate werden offen auf schönen Holztischchen gezeigt
 
 Pädagogischer Wert:
• Nach pädagogischen Gesichtspunkten ausrichtbar
• Für alle Altersgruppen geeignet
• Gemeinschaftsgefühl und gegenseitiger Anerkennung
• Empathieförderung und Problemlösungskompetenz
• Gesellschaftliche Massenbeinflussung
• Geistig und körperlich aktiv bleiben
• Soziale Kontakte pflegen
• Empathie erleben
• Möglich wäre auch: Umwelt und weitere Themen...
 
 Kostenlose Übergabe:
• Kostenlose Lieferung, Aufbau und Übereignung an einen Verein
• Ehrenamtliche Einarbeitung, Unterstützung und Mitwirkung
 
 Ziele:
• Erinnerung an die Weisse Rose
• Förderung von Demokratie, Toleranz und Menschenrechten
• Prävention von Gewalt und Extremismus
 
 Besonderheiten:
• Authentische Exponate, exakt jene, die damals zur Flugblattherstellung verwendet wurden
• Seltene Schellackpolitur
• Vervielfältigung aller Flugblätter, auch jene aus dem Umfeld, mechanisch und chemisch
• Herstellung von Chemikalien, Vervielfältigungs-Schablonen und Vervielfältigungsfarbe usw.
• Angebot zur Erlernung von Reparatur, Restauration und Schellackpolitur
• Eigenverantwortliche Peer Guides informieren
• Alle lernen voneinander, alle sind gleich und wichtig
• Flexibel und bewährte Vorgehensweisen
• Gemeinsam entscheiden
• Alles für eine bessere Welt
 
 Weitere Information:
• Buch zur Flugblatt-Herstellung veröffentlicht
• Booklet zur Weisse Rose - Dauerausstellung steht bereit
• Hörbuch über die Weisse Rose in Vorbereitung
• Die Einarbeitung gestaltet sich nicht schwierig
• Keiner muss alles und jedes Detail wissen
 
 Weitere Möglichkeiten:
• Hören historischer Ansprachen am Röhrenradio
• Ihre Musik mit Kaktusnadeln am Grammophon hören
• Aufarbeitung ungeklärter Themen
• Klima- und Ressourcenschutz und weitere Themen...
 
 Zielgruppe:
• Die Dauerausstellung "Weisse Rose" richtet sich an ein breites Publikum, das sich über die Weisse Rose informieren möchte. Sie bietet zudem einen Ort für Orientierungssuchende.



   Exponate zur Vervielfältigung:
Alle Vervielfältigungsapparate sind doppelt vorhanden: eines für die Dauerausstellung zum Anschauen und ein weiteres für die Vervielfältigung originalgetreuer Flugblätter.


   Gewünschter Ort der Dauerausstellung:
Der bevorzugte Umsetzungsort wäre die Grenzregion zwischen Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. Etwa 25 km Radius um Wörth am Rhein (Pfalz).


   Raumgrösse der Dauerausstellung:
Wenn alle Exponate im Abstand von 5 cm nebeneinander aufgestellt werden, ergibt sich eine Gesamtlänge von etwa 24 Metern bei einer Breite von 50 cm. Ein etwas grösserer Abstand zwischen den Exponaten wirkt jedoch oft ansprechender. Das entspricht einer Seitenlänge einer Wand von rund 5 Metern und einer Fläche von etwa 5 m² (einschliesslich einer 50 cm breiten Lauffläche an den Tischen der Exponate), ohne die Berücksichtigung von Türen und Fenstern. Dabei ist es wichtig, die Raumgrösse entsprechend der erwarteten Besucherzahl zu planen.

Die empfohlene Mindestfläche pro Person variiert je nach Art der Ausstellung und der gewünschten Bewegungsfreiheit.

2 m² pro Person: Dies ist der absolute Mindestwert, um eine freie Bewegung zu ermöglichen.

Berechnung: 20 Personen * 2 m²/Person = 40 m²
Zuzüglich 5 m² Fläche für die Exponate ergibt eine Gesamtfläche von 45 m², was einer Wandlänge von ca. 6,7 m entspricht.

3 m² pro Person: Dies ist der empfohlene Wert für einen angenehmen Besuch.

Berechnung: 20 Personen * 3 m²/Person = 60 m²
Zuzüglich 5 m² Fläche für die Exponate ergibt eine Gesamtfläche von 65 m², was einer Wandlänge von ca. 8,1 m entspricht.


   Authentizität und historische Relevanz der Exponate
Die Exponate der Weissen Rose Dauerausstellung sind authentisch und historisch relevant. Durch eine "Experimentelle Rekonstruktion", die im Jahr 2009 begann, wurden einige falsche Annahmen über die damals verwendeten Exponate und die Herstellung der Flugblätter korrigiert, was Auswirkungen auf die Beteiligten im Widerstand hatte. Die Dauerausstellung beinhaltet die gleichen Schreibmaschinen und Vervielfältigungsapparate, die damals verwendet wurden, sowie viele Analysen zu den Exponaten. Diese Form der ″Experimentellen Rekonstruktion″ ermöglicht ein Verstehen, das über das blosse Lesen von Texten hinausgeht. Somit bietet die Dauerausstellung einen sehr authentischen Einblick in die Aktivitäten der Weisse Rose.

   Jahrzehntelang herrschte die Lehrmeinung vor, die Flugblätter seien im Hektografie-Verfahren (einem Abzug von einer Vorlage auf Gelatinebasis) hergestellt worden. Erst durch experimentelle Rekonstruktionen mit einem baugleichen Gerät konnte nachgewiesen werden, dass ein Schablonen-Durchdruck-Verfahren mit ölhaltiger Farbe zum Einsatz kam. Trotz dieses wissenschaftlichen Fortschritts lehnen viele historische Einrichtungen die Präsentation eines solchen authentischen Gerätetyps ab, da es sich nicht um das "individuelle Tatobjekt" handelt.

   Die neuen Erkenntnisse sind nicht nur technisch relevant, sondern auch symbolisch: Der Widerstand war kein spontaner Akt des Zufalls, sondern eine logistisch anspruchsvolle, präzise geplante Operation, die ein hohes Mass an Professionalität erforderte. Die Weigerung weiter Teile der musealen Fachwelt, solche funktionalen Rekonstruktionen in Dauerausstellungen zu integrieren, verdeutlicht eine tiefe Kluft zwischen archivarischer Bewahrung und lebendiger Vermittlung.

   Diese Haltung verkennt jedoch die Realität des Widerstands gegen den Nationalsozialismus: Viele Werkzeuge und Instrumente des Widerstands wurden vernichtet oder konnten nie sichergestellt werden. Wie schwierig war es, unter den Augen der Geheimen Staatspolizei Tausende von Flugblättern mit einem mechanischen Gerät zu drucken? Diese haptische Erfahrung ist für junge Menschen weitaus prägender als das Betrachten eines Dokuments hinter Glas.


   Mögliche Alternative
Übersteigt der Aufwand für Peer-Guides die personellen Möglichkeiten des Vereins, eröffnet sich ein in sich ruhender, tiefere Weg: Die Integration des Vermächtnisses der Weissen Rose als reiner ethischer Resonanzraum. Ohne vermittelnde Instanzen spricht diese Geschichte aus sich selbst heraus – als unbestechlicher Spiegel des Gewissens, der die Vereinsmitglieder nicht anleitet, sondern von innen heraus berührt, um Freiheit und Menschlichkeit als unveräusserliches Fundament des Vereinslebens zu begründen.

Jede Idee ist willkommen, egal wie ungewöhnlich sie auf den ersten Blick erscheinen mag. Denn manchmal führen gerade die unvorhergesehenen Lösungen zum Ziel.


Ansprechperson:
Thomas G. Kortenkamp, w e i s s e r o s e 1 9 4 3 @ g m x . d e (Leerzeichen bitte löschen)


   Gedenkbuch
Das Gedenkbuch liefert auch Erkenntnisse über eine frühe Absicht inmitten der Ludwig-Maximilians-Universität in München Flugblätter auszulegen und von der Balustrade vom 2. Stockwerk herabfallen zu lassen. Nichts deutet auf eine unkontrollierte oder kurzfristige Aktion oder gar auf ein Martyrium hin. Der von Hans Scholl und Sophie Scholl ausgeklügelte Plan zur Vorgehensweise in ihrer Universität wurde durch einen Plan B abgesichert und mit einem erweiterten Sicherungsplan gegenüber der Geheimen Staatspolizei München. Wegen einer Kleinigkeit mit grosser Auswirkung verfehlen sie ihre grandiose letzte Aktion am Donnerstag, den 18. Februar 1943 nur ganz knapp, trotz dass die Studentenschaft während ihrer Festnahme ihnen nicht zur Hilfe eilt.

Letztendlich starb die Weisse Rose an ihren Idealen.


   Im Buch wird neben der Flugblattherstellung, begleitet von unzähligen Berechnungen, auch das begangene Unrecht, das an Millionen von Menschen durch den nationalsozialistischen Terrorstaat Adolf Hitler begangen wurde, erinnert. Unterdessen die Weisse Rose im Verborgenen ihre Flugblätter herstellt, sterben unzählige Gleichgesinnte in den Folterkammern und unter dem Fallbeil. Während die einen für ihr Sinnen zu Tode kommen, machen andere gegen das Ansinnen weiter. An viele erinnert das Gedenkbuch, sowie an Anne Frank und Familie. Darunter auch ein Brief aus dem Konzentrationslager Buchenwald-Weimar mit der Häftlingsnummer 7136, den die Geliebte nie erhält. Nach 75 Jahren konnte dieser Brief nun endlich an die Hinterbliebenen übergeben werden.




Buch-Cover Mai 2025, Weisse Rose - Die Vervielfältigung im Detail - Download, siehe linke Menue-Seite ganz unten

Buch-Cover, Weisse Rose - Die Vervielfältigung im Detail

Exposé zum Buch:

   Zeitzeugen konnten nach dem II. Weltkrieg nichts über die Flugblatt-Herstellung des Widerstandskreises Weisse Rose berichten. Aus dem Dilemma sollte eine "Experimentelle Rekonstruktion" mit exakt baugleichen Exponaten, Gerichtsakten, Zeitdokumenten, Briefen, Tagebucheintragungen und umfangreichen Berechnungen herausführen. Bei der originalgetreuen Nachstellung sollten auch ihre Freunde und Unterstützer Anerkennung erfahren.

   Fragen, die seit 75 Jahren auf eine Antwort warten: Welche Apparate wurden gekauft bzw. organisiert? Welches Vervielfältigungsverfahren wurde angewendet? Wie war folglich ihre Arbeitsweise? Was wurde an Zubehörmaterial in welcher Menge wo beschafft? Welche technischen und zeitlichen Komplikationen würden bei der eingesetzten Technik spezifisch auftreten und wie reagierte der studentische Widerstandskreis darauf? Wer übernahm wann welche Aufgaben oder war an welchen Aktionen beteiligt? Wie viele Flugblätter wurden wann und wo mit welchen Personen hergestellt und in welcher Menge gestreut oder zur Post gebracht? Konnte das Arbeitsaufkommen in der zur Verfügung gestandenen Zeit bewältigt werden? Wie finanzierte sich der Widerstand und wie hoch beliefen sich die Kosten? Was war der Auslöser für die extrem lebensgefährliche Flugblattauslegung in ihrer Universität am Donnerstag, den 18. Februar 1943, und lag dafür ein Plan vor?

   Das ehrenamtlich angebotene Buch enthält viele schwarzweiss Abbildungen. Gezeigt werden Widerstandsapparate, Berechnungen, Flugblätter, eine Originalpredigt über den Krankenmord und ein Originalbrief aus dem Konzentrationslager Buchenwald-Weimar.

   Die Ausgabe 2025 umfasst 51 Seiten neue Details im Vergleich zur Ausgabe 2019: Holocaust-Rassismus-Studie, Weisheit-Kiew-München, Opalograph Chemikalienrezeptur und Flugblatt-Herstellung, Professoren-Schreibmaschine und weitere, Weisse Rose Alu-Drucktrommeln, Flugblätter, Mitwirkende im Widerstand, 18. Februar 1943 - Vorsorge für den Notfall.

   Zum Verständnis der Abhandlungen ist ein biographisches Grundverständnis über die damals im Widerstand beteiligten Menschen durch andere Literatur notwendig. Das Buch ist ein letztes Geleit zu Ehren des Widerstandskreises Weisse Rose sowie seiner Freunde und derer, die Gleiches bewerkstelligten und vieler darunter, die unerkannt blieben.

   Ein PDF-Dokument zur Voll-Textrecherche steht bereit.





   Gedenken
Zum Gedenken an die Weisse Rose, jene Menschen die im Widerstand ihr Leben durch Hinrichtung, Vernehmung, Haftbedingung, durch Mitwirken im Widerstand ihren Lebenspartner verloren oder durch Spätfolgen verstarben.

München:
   Hans Scholl, Sophie Scholl, Alexander Schmorell, Willi Graf, Christoph Probst, Kurt Huber (Prof. Dr.)

Stuttgart:
   Jenny Grimminger

Freiburg:
   Helmut Bauer

Hamburg:
   Margaretha Rothe, Hans Leipelt, Katharina Leipelt (Dr.), Reinhold Meyer, Frederick Geussenhainer, Curt Ledien (Dr.), Margarethe Mrosek, Elisabeth Lange, John Gluck (Dr.)





   Weitere Erläuterungen zu Vorangegangenem
Föderale Demokratie in weiten Teilen der Welt ist jene Maxime einer Gesellschaft, die Frieden und Freiheit weltweit ohne Krieg zu wahren vermag. Demokratie ist jedoch anfällig für schleichende antidemokratische Prozesse und verdeutlicht, wie wichtig freie Berichterstattung ist. Hass und Hetze bis hin zu rassistisch bzw. nationalsozialistisch motivierten Mordanschlägen bestimmen viel zu oft die Themen unserer Gesellschaft, denn Nachrichtensendungen berichten im Januar 2022 über eine Zunahme von Rassismus und Antisemitismus. Ein Drittel der Deutschen in der Altersgruppe zwischen 18 und 29 Jahren ragt besonders heraus. Rechnerisch sind das ungefähr 3,7 Millionen Menschen und entspricht 4,4 % der deutschen Bevölkerung, deren Handlungsweisen von Hass geprägt sind. Werden die anderen Altersgruppen hinzu addiert, liegen die Zahlen deutlich höher. Eine aktuelle Antisemitismusstudie ergab, dass 60 % der Deutschen keine Vorstellung haben, wie viele Juden in der NS-Zeit ermordet wurden. Seit 2015 ist durch die Bertelsmann-Studie bekannt, dass 81 % der Deutschen den Schlussstrich zum Holocaust wünschen. Studien aus der Vergangenheit und auch ein Film "Die Welle" zeigen, wohin das führen könnte. Wenn wir unsere Jugend nicht auf gleicher Höhe mitnehmen, was wird dann nach unserem Ableben? Also müssen wir vielversprechendes vorleben. Wenn es gelingt, die Jugend für Demokratie und Menschenrechte zu gewinnen, gehören sie später kaum zu jenen Menschen, die für Rassismus instrumentalisiert werden können.

   Kriegerische Konflikte weltweit zeigen eine grosse Gemeinsamkeit: das Vortäuschen von Gründen, die einen Krieg unausweichlich machen. Die freie Berichterstattung professioneller Medien und Demonstrationen werden durch den Staat unterdrückt, notfalls unter Androhung von Gewalt und Strafen. Die breite Bevölkerung folgt den Lügen des Diktats. Dies war von 1933 bis 1945 unter dem Nationalsozialismus so und zeigt sich durch viele Beispiele auf unserem Planeten, sowie in eingeschränkter Form in der modernen Rhetorik in der Demokratie. Wissen und Aufklärung über Massenbeeinflussung können solchen Machenschaften in allen Bereichen des täglichen Lebens entgegenwirken.

   In diesem Zusammenhang, unglaublich für die damalige Zeit, aber eine wahre Begebenheit. 1943 heisst es, zwischen fürchterlichem Vernichtungskrieg und qualvollem Massenmord an arglosen Menschen unterschiedlichster Herkunft, in einem Flugblatt:

«Das kommende Deutschland kann nur föderalistisch sein. Nur eine gesunde föderalistische Staatenordnung vermag heute noch das geschwächte Europa mit neuem Leben zu erfüllen.»


   In Anlehnung an den dargelegten Sachverhalt können die Themen Demokratie, Rassismus und Courage durch eine Dauerausstellung zur Weissen Rose veranschaulicht werden. Inklusions-Peer-Guides könnten eigenverantwortlich diese Dauerausstellung begleiten und Gleichaltrigen berichten, wofür die Weisse Rose auch heute noch steht:

nicht wegsehen, nicht schweigen, nicht untätig sein!


   Die Weisse Rose steht für friedliche Zivilcourage in edelster Vollendung bis in den Tod und bietet in vorbildlichster Weise gesellschaftliche Nachahmung durch Identifikation. Und genau hier könnten Inklusions Peer Guides mit ihrem Engagement für Zivilcourage ansetzen.

   Interessant ist hierbei, dass bei diesem möglichen Vorhaben Jugendliche als Inklusions Peer Guides ihre Erfahrungen mit ihrer Jugendsprache gegenüber gleichaltrigen weitergeben und somit möglichst kein Eindruck als Bevormundung entsteht, als das möglicherweise durch wesentlich ältere Menschen der Fall sein könnte. So liesse sich erklären, warum bei "Friday for Future" so viele Jugendliche weltweit zu Grossdemonstrationen auflaufen. Wurden sie anfangs noch als jemand bezeichnet, der die Schule schwänzt, traut sich heute in Anbetracht der Klimasituation politisch kaum eine mehr, die Jugend für ihre berechtigten Überzeugungen herabzuwürdigen. Darüber hinaus wäre eine Solidargemeinschaft in Form einer Inklusionsgemeinschaft sehr willkommen.

Gesellschaft im Sog des Übersehens

Im Jahr 2009 begann mein Wunsch, die physische Realität, die logistische Meisterleistung und die handwerklichen Details der Flugblattproduktion des Widerstandskreises Weisse Rose und seines Umfelds auf anspruchsvollem und experimentellem Niveau zu rekonstruieren.

   Nach fast 500 Schenkungsanfragen an private, staatliche und kirchliche Einrichtungen in den letzten zehn Jahren – von denen die überwältigende Mehrheit von 85 Prozent unbeantwortet blieb – gab es 16 Kontaktabbrüche. Acht Personen zeigten anfänglich Interesse, und bei 32 Institutionen lag die Trefferquote bei 100 Prozent – sie hätten sich eigentlich über ein solches Schenkungsangebot freuen müssen. Zudem bekundeten drei Vereine ihr Interesse an einer zeitlich begrenzten Ausstellung. Eine detaillierte Auflistung darüber, wer in welchem Mass geantwortet hat oder nicht, wäre vermutlich eher eine ethische Betrachtung als eine Grundlage für etwas Weiterführendes. Dennoch möchte ich zur Problematik anfügen, dass bei der Schenkungsvermittlung in Zusammenarbeit mit mehreren KIs eine sehr umfangreiche operative Fallanalyse (OFA) durchgeführt wurde – um zu ermitteln, wem ein solches Schenkungsangebot vielversprechend unterbreitet werden könnte. Sie lieferten erstaunliche Ergebnisse. Allerdings reagierten die Adressaten meist nicht. Von verschiedenen Personen erhielt ich den Hinweis, bestimmten Instituten die Schenkung anzubieten. Dabei ist jedoch zu beachten, dass viele Einrichtungen nicht eine Weisse Rose – Dauerausstellung zeigen wollen, sondern in der Regel ein Exponat zu einem eigenen Ausstellungsthema. Das entspricht nicht meinem Ziel. Signifikant ist ebenso anzumerken, je grösser und bekannter eine Organisation ist, desto eher bleibt eine Antwort aus – auch von jenen, die auf ihren Webseiten verkünden, dass jede Idee willkommen sei.

   Kritik ist rechtlich zulässig und manchmal auch gesellschaftlich notwendig. Gewiss steht es jedem Verein frei, ein Angebot abzulehnen. Doch wenn Vorstände ein Schenkungsangebot blockieren und Mitgliedern nicht einmal die Möglichkeit geben, sich digital damit auseinanderzusetzen, wandelt sich eine legitime Entscheidung in eine Barriere für den Dialog. Besonders nachdenklich stimmt, dass es sich oft um Institutionen handelt, die Werte wie Demokratie und Offenheit hochhalten.

   Angesichts zahlreicher unbeantworteter Anfragen und eines systematischen Schweigens staatlicher sowie pädagogischer Einrichtungen wirkt Kritik wie ein ehrlicher Spiegel unserer Zeit. Sie offenbart eine Diskrepanz: Das offizielle Bekenntnis zu humanen Idealen steht häufig im Widerspruch zur Bereitschaft, sich den Mühen von Zivilcourage und echter Bildungsarbeit zu stellen.

   Natürlich besitzt jeder Verein das Recht auf Autonomie. Ein umfangreiches, arbeitsintensives Vorhaben – mit all seinen Vorgaben und der aufwendigen Gestaltung – aus Kapazitätsgründen abzulehnen, ist legitim. Doch verliert diese Entscheidung ihre Glaubwürdigkeit, wenn sie nicht sachlich kommuniziert wird, sondern durch das Vorenthalten von Informationen oder schlichtes Schweigen erzwungen wird. Bewusstes Wegschauen ist kein neutraler Akt, sondern ein Widerspruch zum gesellschaftlichen Auftrag dieser Institutionen.

   Dass ein so bedeutendes Erbe auf taube Ohren stösst, berührt auf einer tieferen Ebene. Es zeigt, wie herausfordernd es geworden ist, analoge Tiefe und Beständigkeit in einer beschleunigten Welt zu vermitteln.

   Bei aller Reflexion bleibt der Respekt vor der Autonomie des Einzelnen ein hohes Gut. Es wäre leicht, Frust in Bitterkeit umzuwandeln. Doch im Grunde gilt eine ruhige Einsicht: Die Lebensentscheidungen anderer gehören ihnen. Man kann Entwicklungen im Stillen bedauern, ohne Groll zu hegen.

   Vielleicht liegt das Gefühl des Scheiterns gar nicht an der Qualität des eigenen Tuns, sondern an einer Epoche, die das Anstrengende, Analoge und Tiefgründige verlernt hat. Wahre Qualität ist heute ein unbequemes Monument für Werte, die Aufmerksamkeit verlangen – eine Aufmerksamkeit, die längst von Bildschirmen absorbiert wird. Es ist nicht das Angebot, das hier an seine Grenzen stossen dürfte, sondern die Erschöpfung einer Zeit, die das Wesentliche aus dem Blick verliert.

Ultrakurz über den Widerstandskreis


Münchner Widerstandsgruppe, die sich 1942/1943 gegen die perfide Hetze und die Gräueltaten durch Adolf Hitler und die Nationalsozialisten, mit Flugblättern und Wandparolen, auflehnte. Fokussierter konnten Buchtitel nicht lauten: Der Historiker Sönke Zankel, «"Mit FLUGBLÄTTERN gegen HITLER"», die Historikerin Barbara Ellermeier zitiert Hans Scholl bei der «…Suche nach Mitstreitern für den Widerstand», «in diesen Wochen habe ich eine größere Aufgabe empfangen, die meine Gedanken selten loslässt»,[1] die Historikerin Barbara Beuys mit ihrer Kapitelüberschrift, «Eine Frau und drei Männer: das Riskante Unternehmen beginnt».[2] Damit ist bereits viel gesagt, dem noch Feinheiten mit bisher unerwähnter Zusammenhängen folgen. Ursprünglich unterzeichnete der Widerstandskreis die ersten IV Flugblätter mit Weisse Rose, bei den letzten beiden Flugblättern V und VI nicht mehr. Die Namensgebung Weisse Rose konkretisierte sich erst nach dem Krieg. Der korrekte Ausdruck, den der Historiker in seinem Buch verwendet, entspricht exakt der geschichtlichen Entwicklung: «Widerstandskreis um Hans Scholl und Alexander Schmorell».[3] Hans Scholl spricht im V. Flugblatt[4] von einem föderalen Deutschland und Europa,[5] ohne zu erahnen, dass dies bald in Deutschland gelebt werden würde und Jahrzehnte später zu grossen Teilen in Europa. Sicherlich wollten sie selbst diese Ereignisse miterleben.[6] Gemeinsamkeiten bestanden durch Literatur, Musik, Kunst, Lesungen, Glaubensfragen[7] und dem Gefühl von Selbstverwirklichung.[8], [9] Ihre literarische Wissbegier, Atelierlesungen und Kontakte mit wesentlich älteren Menschen, dürfte zu einer persönlichen Veränderung geführt und möglicherweise eine Auffälligkeit gegenüber gleichaltrigen hervorgebracht haben. Gespräche mit lebenserfahrenen Menschen wie Carl Muth, Theodor Haecker, Josef Furtmeier, Alfred von Martin, Pfarrer Max Schwarz oder Kurt Huber wären mit einem Widerstandskreis aus dem fanatische Tendenzen hervorgegangen wären, kaum vorstellbar. Ihr Professor Kurt Huber hätte einem Ideen besessenen, unerbittlich rücksichtslosen Kreis, der leicht unbeherrscht in Erregung gerät, wohl kaum seinen Flugblattentwurf anvertraut. Intoleranz und Radikalismus lehnte Professor Kurt Huber ohnehin vehement ab.[10] Aufgrund des Aktenmaterials dürften sich alle auf der Suche nach ihrer persönlichen Lebensidentität befunden haben, jeder auf seine individuelle Weise, auch wechselhaft, mitreisend und selbstverständlich fragend… Ihre Entscheidung Widerstand gegen den Unrechtsstaat zu leisten, mag familiengeschichtlich, durch das soziale Umfeld, durch Erlebnisse und der Tatsache entstanden sein, dass sich Menschen am richtigen Ort und zum richtigen Zeitpunkt begegneten, die trotz ihrer individuellen und eigenständigen Entwicklung und persönlichen Entfaltung bzw. Verschiedenheit, in vielerlei Hinsicht Ähnliches fühlten und dachten. Eigentlich kein ungewöhnlicher Prozess, denn alle Menschen durchleben bewusst oder unbewusst ihr Lebensumfeld, verarbeiten und bewerten durch Vergleiche mit Vorhandenem, aus der eine Wertung und Entscheidung hervorgeht. Erfahrungen verändern und prägen Menschen, aus denen Sichtweisen, Standpunkte und Einstellungen hervorgehen. Ein Mensch, der ständig unterdrückt und bestraft wird, wird später eine aggressive Lebensausrichtung einnehmen, oder jenen mutig beistehen, die ähnliches durchmachen bzw. erlebten.

   Für ihre Zivilcourage, ihrem Gerechtigkeitssinn – Frieden und Freiheit – wurde der Kern der Gruppe – Hans Scholl, Sophie Scholl, Alexander Schmorell, Willi Graf, Christoph Probst und ihr Professor Kurt Huber – 1943 zum Tode verurteilt und hingerichtet.[11] Hans Leipelt setzte mit Marie-Luise Jahn den Widerstand der Münchner fort. Hans Leipelt wurde gegen Kriegsende ebenfalls hingerichtet und später vom Weisse Rose Institut e. V. München und von der Ludwig-Maximilians-Universität München in den Widerstandskreis eingereiht.[12] Dem folgten in München[13] und im Umfeld weitere Verhaftungen, nicht alle überlebten. Alleine in Hamburg sollen mehr als 30 Personen verhaftet worden sein. Mindestens 9 Todesfälle sind im Zweig Weisse Rose Hamburg zu beklagen und aus dem Weisse Rose Umfeld aufgrund von Spätfolgen zwei Todesfälle.[14], [15] Der Widerstandskämpfer[16] Eugen Grimminger gehörte zu einem kleinen Personenkreis von Geldgebern des Widerstandskreises, der wahrscheinlich eine Geldzuwendung von Berta Wagner, möglicherweise unter Beteiligung von Alfred König[17] und vielleicht durch eigenes Zutun, weiterreichte und Material zur Flugblatt-Herstellung beschaffte, unterstützt sehr wahrscheinlich durch Tilly Hahn und Fritz Westermann.[18] Eugen Grimminger wurde 1943 in diesem Zusammenhang verhaftet. Auch Fritz Hartnagel, der Lebensgefährte von Sophie Scholl, unterstützte über Sophie Scholl den Widerstandskreis zum Teil wissentlich und später das Elternhaus der Familie Scholl.[19] Mit finanzieller Unterstützung durch Eugen Grimminger, Fritz Hartnagel und durch Eigenleistungen, die Alexander Schmorell und Willi Graf einbrachten, ergab sich für den Widerstandskreis bei den letzten beiden Flugblättern, mit entsprechender Maschine für grosse Flugblattauflagen, eine gesteigerte öffentliche Wahrnehmung. Die Mischehe mit seiner jüdischen Ehefrau Jenny Grimminger, geborene Stern, mündete in eine unaufhaltbare Tragödie. Mit der Verhaftung von Eugen Grimminger wurde Jenny Grimminger deportiert und verstarb auf ungeklärte Weise,[20] in Auschwitz üblicherweise durch Gas. Egal wie Eugen Grimminger sich entschied, war die Situation ein Gewaltakt seines Gewissens. Er kannte selbst zu gut die Situation nach 1933, wie mit den Juden in Deutschland umgegangen wurde. Den Widerstand in München unterstützen, gleichzeitig seine jüdische Frau schützen, er hatte keine Wahl für DIE richtige Entscheidung. Entschied er sich für das eine, verlor er das andere und umgekehrt. Dazwischen sein Gewissen. Wie mag Eugen Grimminger das bis an sein Lebensende ausgehalten haben. Auch er wird viel zu gering von der Öffentlichkeit wahrgenommen. Eugen Grimminger erfährt durch den Arbeitskreis Weiße Rose Crailsheim e. V. mit Unterstützung der Stadt Crailsheim seit dem Jahr 2015, durch eine in Crailsheim öffentlich angebrachte Gedenktafel, eine gebührende Anerkennung und Dank für seine Widerstandsunterstützung.[21] Die Initiative Erinnerung und Verantwortung in Crailsheim enthüllte zusammen mit der Stadt Crailsheim zu Ehren von Hans Scholl und Eugen Grimminger am 75. Todestag von Hans Scholl ein beeindruckendes Denkmal. Auch wenn viele Menschen an Gedenktafeln, Denkmälern oder Mahnmalen unbeachtet vorüberziehen sollten, wird eines Tages Hans Scholl und Eugen Grimminger in Crailsheim mehr und mehr wahrgenommen.

   Andere hatten unglaubliches Glück und überlebten mit dem Kriegsende im letzten Moment. Briefe, Tagebücher, Vernehmungsniederschriften und Zeitzeugen belegen ihren edlen Charakter und ihre tiefgründige Gesinnung. Ihre utilitären Flugblätter reflektieren einen aussergewöhnlichen, literarischen Ausdruckscharakter.

   Zu guter Letzt für dieses Kapitel ein bekanntes Zitat: «Reden ist Silber, Schweigen ist Gold». Lassen wir diesen edlen Menschen jene Geheimnisse, die wir für uns selbst wünschen, dass sie gewahrt bleiben und die zu Lebzeiten bei einer Veröffentlichung schwer bestraft worden wären, ihr Recht auf Intimsphäre.

Fussnoten: Weisse Rose - Die Vervielfältigung im Detail, 2025

[1] Barbara Ellermeier[15-S. 806], S. 275. ↩
[2] Barbara Beuys[6-S. 806], S. 405. ↩
[3] Dass ich den Begriff "Weisse Rose" verwende, macht diesen Sachverhalt nicht richtiger, eine Schwäche meinerseits sei mir verziehen. ↩
[4] Bundeszentrale für politische Bildung, www[118-S. 812]. ↩
[5] Gemäss Flugblatt V Rückseite, durchaus föderal auf Deutschland und Europa zu verstehen. ↩
[6] Siehe S. 578 "Die Märtyrer-Frage". ↩
[7] Ebenda, Interview mit Jürgen Wittenstein[44-S. 24]. ↩
[8] Vielerlei Lebenssituationen lassen diese Feststellung zu, kriegsbedingte Einengung der persönlichen Freiheit traten beispielsweise auf bei: Historiker Sönke Zankel[51-S. 808], Sophie Scholl (RAD S. 103), Hans Scholl (eingesperrt in Kasernen) und Alexander Schmorell (wollte nicht in den Krieg), Christoph Probst, (Militärdienst eine Verschwendung seiner Lebenszeit) S. 188, vieles zusammenfassend S. 481; Historikerin Barbara Ellermeier[15-S. 806], S. 310-311, insbesondere S. 310 über Hans Scholl, Alexander Schmorell, Willi Graf; Inge Jens[27-S. 807], Sophie Scholl an Fritz Hartnagel 22.3.1941, S. 210; Jeder Mensch strebt nach Freiheit: Werner Herkner (Dr.), Professor Institut für Psychologie Universität Wien, Psychologie, "Psychologie", Springer-Verlag, 1986, S. 420. Der Professor bezieht sich auf Völker und Maslow; Monika Hartges, Dissertation "Außergerichtliche Konfliktlösung in Deutschland -- Modell ÖRA --", Fachbereiches Rechtswissenschaft der Universität Bremen, www[179-S. 815], S. 20-21. ↩
[9] Klaus Vielhaber, Hubert Hanisch, Anneliese Knoop-Graf[49-S. 808], 1963, S. 22, "das Leben in der Natur und das Gefühl grenzenloser Freiheiten", Zitat von Anneliese Knoop-Graf. ↩
[10] Sönke Zankel[51-S. 808], S. 143. ↩
[11] Pfarrer und Bundespräsident a. D. Joachim Gauck, www[160-S. 814]. ↩
[12] Weisse Rose Institut e. V., Vorsitzender Michael Kaufmann, München, 10. Mai 2014. ↩
[13] Zeitungsartikel "Die Zeit", Ausgabe 37/1969, wiedergegeben in ZEIT ONLINE Kultur, Torsten Müller, www[298-S. 821]. ↩
[14] Ursel Hochmuth, Gertrud Meyer[23-S. 807], ab S. 415 über mehrere Seiten wird über die Todesfälle in Hamburg berichtet. ↩
[15] Ben Möbius, Hamburger Abendblatt, "Wir müssen stärker sein als die Not", 20.7.1999, www[98-S. 811]. ↩
[16] Siehe S. 720 "Widerstandskämpferin, Widerstandskämpfer?". ↩
[17] Gelegentlich fällt der Name Alfred König, wie auch hier: Armin Ziegler[54 -S. 808] S. 3. ↩
[18] Sönke Zankel[51-S. 808], S. 355. Siehe auch Seite 734, Tilly Hahn und Fritz Westermann. ↩
[19] Sönke Zankel[51-S. 808], S. 355-356. ↩
[20] Helga Pfoertner[40-S. 808], S. 139, Fussnote 230. ↩
[21] Förderer waren der Arbeitskreis Weiße Rose e. V. Crailsheim und die Stadt Crailsheim. ↩

Weisse Rose - Exponate

Vervielfältigungsapparat: Greif-Vervielfältiger

Flugblatt-Herstellung I-IV Flugblatt-Herstellung I-IV

Vervielfältiger: Greif-Vervielfältiger
Hersteller: Greif-Werke Goslar am Harz (Mutterwerk der ROTO-Werke)
Baujahr: Original 1910-1930 / Originalgetreue 1910-1919
Fabrikationsnummer: Wurde vom Hersteller nicht vergeben


   Hans Scholl bei seiner Vernehmung im Februar 1943, ein Vervielfältigungsapparat mit Handabzug. Handabzug bedeutet, das nach der Vervielfältigung die fertigen Flugblätter von Hand an der Schablone abgezogen werden. Zunächst wird eine sog. Schablone mit Stift oder Schreibmaschine bearbeitet und am Seidengazerahmen fixiert. An den bearbeiteten Stellen ist die Schablone wie ein Sieb für Ölfarbe durchlässig. Die Flugblattauflage wurde vermutlich wegen des manuellen Aufwandes (Handabzug) von Hans Scholl und Alexander Schmorell auf 100 Exemplare begrenzt, obwohl mit Standard-Schablonen ± 3000 Flugblattseiten vervielfältigt werden konnten, bevor sie im oberen Bereich abrissen. Wegen der ölhaltigen Vervielfältigungsfarbe sind ihre Flugblätter haltbar wie Ölgemälde. Das Verfahren würde heute als Siebdruck bezeichnet werden. Hektographierte Flugblätter wären heute nicht mehr lesbar. Bei der historischen Rekonstruktion ein wichtiger Aspekt. Irrtümer zum Vervielfältigungsverfahren verfälschen die mühsam erarbeiteten Erkenntnisse.

Schreibmaschine: Remington Portable

Remington Portable 2, Mattlack

Schreibmaschine: Remington Portable mit gekräuseltem Mattlack
Hersteller: Typewriter Company in Ilion, New York, USA
Baujahr: Original 3.1928 / Originalgetreue 5.1928
Fabrikationsnummer: Original NL82533M / Originalgetreue NX81091M

   Bearbeitet wurden alle Vervielfältigungsvorlagen für Flugblatt I-VI, bei Flugblatt I-IV ca. 400 und Flugblatt V-VI anteilig ermittelter 4310 Briefumschläge. Alexander Schmorell lieh die Maschine bei einem früheren Schulkameraden aus. Die Originalschreibmaschine verwahrt das Weisse Rose Institut e. V. in München. Der Verbleib dreier Exponate blieb ungeklärt.

Vervielfältigungsapparat: ROTO-PREZIOSA

Flugblatt-Herstellung V. und VI. Flugblatt

Flugblatt-Herstellung V. und VI. Flugblatt

Vervielfältiger: ROTO-PREZIOSA, ohne automatischen Papiereinzug
Hersteller: ROTO-Werke Königslutter am Elm (Tochterwerk der Greif-Werke)
Baujahr: Original 1925-1927 / Originalgetreue 1925-1927
Fabrikationsnummer: Original 13101 / Originalgetreue 13946

   Ohne Bezugsschein war der Besitz von Vervielfältigungsapparaten kaum möglich und konnte bei einer Anklage vor dem Sondergericht zur Todesstrafe führen. In der Literatur wird allgemein berichtet, der Widerstandskreis habe seine Flugblätter mit einem Hektographen vervielfältigt. Dafür wären mehr als 150 Mastervorlagen notwendig gewesen. Gekauft wurden nur 20 Schablonen. Die fertig bearbeiteten Schablonen werden am Seidengaze fixiert und auf der oberen Drucktrommel ölhaltige Vervielfältigungsfarbe gegeben, die während zweimaliger Kurbelumdrehungen durch die Schablone auf sog. Saugpostpapier hindurchgepresst wird. Das Mimeographen-Vervielfältigungsverfahren, Durchdruck auch Siebdruck bezeichnet, erfand Thomas Alva Edison. Sein Kooperationspartner Albert Black Dick, ebenfalls ein Erfinder, bezeichnete das neue Vervielfältigungsverfahren als Mimeograph. Aufwendige Rekonstruktion, Gebrauchsanweisung und Zeitberechnungen ergaben, dass der ROTO-PREZIOSA keinen automatischen Papiereinzug haben konnte.

Weisse Rose München
Aus einem Schreiben der Oberreichsanwaltschaft Berlin vom 17. September 1943 geht hervor, dass ein Vervielfältigungsapparat mit Abdeckung und Ausgangskorb vorliege. Demnach könnte mit der Bezeichnung "Abdeckung" im Zusammenhang mit dem ROTO-PREZIOSA des Widerstandskreises in München die originale Holzverkleidung gemeint sein. Zur Vervollständigung der Weisse Rose - Dauerausstellung wird die Abdeckung stolz präsentiert, da sie beeindruckend die hohe Qualität der Handwerkskunst aus den 1920er Jahren widerspiegelt. Danke!

Schreibmaschine: Erika 6

Flugblatt-Herstellung V-VI

Schreibmaschine: Erika 6
Hersteller: Seidel & Naumann AG, Dresden
Baujahr: Original 1935-1936 / Originalgetreue 1936
Fabrikationsnummer: Original 507540/6 / Originalgetreue 541944/6

   Die Erika 6 wurde zur Adressierung der rechnerisch ermittelten 4310 Briefsendungen beim V. und VI. Flugblatt eingesetzt. Alle Beteiligten dürften sich beim Adressieren abgewechselt haben. Die Geschwister Scholl verwendeten heimlich die Erika ihrer Vermieterin. Die Maschine war mit Schriftbildfehlern behaftet. Sie hätte nicht zum Einsatz kommen dürfen.

Professoren-Schreibmaschine: Ideal B

Aufgrund starker Indizien verwendete Professor Kurt Huber eine Ideal B. Die Details dazu werden im Buch 2025 ausgeführt.

IDEAL B

Das damals an der Maschine angebrachte Firmenschild.

IDEAL B Firmenschild

Schreibmaschine: IDEAL B
Hersteller: Seidel & Naumann AG, Dresden
Baujahr: Original 1917/1918 / Originalgetreue 1912/1913
Fabrikationsnummer: Original 16505 / Originalgetreue 2292

   Professor Kurt Huber schrieb den Flugblatt-Entwurf für das VI. Flugblatt zu Hause in München-Gräfelfing und übergab diesen am 11. Februar 1943 an Hans Scholl, zusammen mit einem Studentenverzeichnis zur Adressierung der Flugblatt-Post an ihre Kommilitoninnen und Kommilitonen. Eine Komplikation verursachte eine Überschneidung der Fabrikationsnummer 16505 zwischen einer IDEAL A3 und IDEAL B. Aus der Gerichtsakte geht hervor: «Die Sichergestellte Schreibmaschine des Beschuldigten Kurt Huber wurde am 2.3.43 durch Gend-Hauptw. Fleischmann des Gen-Postens Gräfelfing durchgeführt. Die Schreibmaschine Marke Ideal mit Firmenzeichen S & N und Firmenschild Alfred Bruck, Schreibmaschinenhaus München Fabrik-Nr. 16505 wurde am 3.3.43 zur Dienststelle der Staatspolizeileitstelle München verbracht.» IDEAL's sind meist stark verrostet. Gezeigt wird eine IDEAL B, weil deren Schriftzug "S & N" den polizeilichen Angaben vom 2.3.1943 entspricht. Auch hier sei auf die unglaublich hohe Qualität von damals hingewiesen. Wahrscheinlich verfügte die Familie Huber nicht über eine Abdeckung für ihre Schreibmaschine.

Professoren-Schreibmaschine: Ideal B-Abdeckung

IDEAL B Abdeckung

Exponat - Historische Irrtümer

Vervielfältigungsapparat Irrtum: Hektograph

Jahrzehntelang wurde berichtet, die Weisse Rose habe ihre Flugblätter mit einem Hektographen oder einem ORMIG-Vervielfältiger hergestellt. Dies entspricht jedoch nicht den Fakten. Verwendet wurde ein Schablonen-Durchdruck-Verfahren mit ölhaltiger Vervielfältigungsfarbe. Das Durchdruck-, Schablonen- oder Siebdruck-Vervielfältigungsverfahren, das von Thomas Alva Edison mit dem Mimeograph und David Gestetner mit dem Rotary Cyclostyle entwickelt wurde, ist identisch und kann als Referenz für die Weisse Rose verwendet werden. Dies gilt auch für REX-ROTARY aus Dänemark und andere Schablonenvervielfältiger.

Vervielfältigungsapparat Hektograph Aussenseite

Hektograph Aussenseite

Vervielfältigungsapparat Hektograph Innenseite

Hektograph Innenseite

Vervielfältiger: HEYER QUALITY IDEAL DUPLICATOR, No. 3
Hersteller: HEYER Chicago, USA
Baujahr: Original 1930-1940
Fabrikationsnummer: Original 101658

   Hektographie, ein Verfahren bei dem ein mit Anilintinte beschriebenes Original auf eine mit Gelatineglycerin beschichtete Druckplatte für einige Minuten aufgelegt wird. Anschliessend können wasserbefeuchtete Papiere mit Hand oder Rolle aufgedrückt werden, um anschliessend das vervielfältigte Papier von einer Ecke her abzuziehen. 80 bis 100 Abzüge sind möglich. Aus der Literatur geht hervor, die Weisse Rose München habe ihre Flugblätter hektographiert. Bei 15000 Flugblattseiten müssten mehr als 150 Mastervorlagen erstellt werden. Derartige Flugblätter sind etwa 20 Jahre haltbar. Die Weisse Rose Flugblatt-Originale wären heute unleserlich.

Vervielfältigungsapparat Irrtum: ORMIG RECORD-V

Jahrzehntelang wurde berichtet, die Weisse Rose habe ihre Flugblätter mit einem Hektographen oder einem ORMIG-Vervielfältiger hergestellt. Dies entspricht jedoch nicht den Fakten. Verwendet wurde ein Schablonen-Durchdruck-Verfahren mit ölhaltiger Vervielfältigungsfarbe. Das Durchdruck-, Schablonen- oder Siebdruck-Vervielfältigungsverfahren, das von Thomas Alva Edison mit dem Mimeograph und David Gestetner mit dem Rotary Cyclostyle entwickelt wurde, ist identisch und kann als Referenz für die Weisse Rose verwendet werden. Dies gilt auch für REX-ROTARY aus Dänemark und andere Schablonenvervielfältiger.

ORMIG RECORD-V

Vervielfältiger: ORMIG V-RECORD
Hersteller: ORMIG-Werke
Baujahr: Produkterfindung von 1926 / Vergleichsgerät 1930-1940
Fabrikationsnummer: Originalgetreue 7906

   Hinter einem Deckblatt befindet sich ein Farbwachsblatt, das handschriftlich oder durch Schreibmaschinenanschlag bearbeitet wird, so dass sich das Wachs auf die Rückseite des Deckblattes spiegelverkehrt überträgt. Das Deckblatt bezeichnete ORMIG als Umdruckoriginal und wurde auf die Drucktrommel gespannt. Obiger Spirituskessel beträufelt mechanisch gesteuert einen Filz im unteren Schacht, das wiederum glattes Vervielfältigungspapier an seiner Oberfläche anfeuchtet, um bei Kontakt mit dem Umdruckoriginal das Wachs abzugeben. Umdruckoriginale erreichten 1943 meist weniger als 150 Seiten. Nachteil verwendeter Triphenylmethanfarbstoffe, verblassen durch Tageslicht, ca. 20 Jahre haltbar . In den 60 er Jahren konnten mit Spirit-Carbon Umdruck-Farbsätze 500 Seiten mit sehr hoher Haltbarkeit (bis heute, 2024) vervielfältigt werden. ORMIG Empfehlung: «Farbkräftige Abzüge: starke Anfeuchtung, kräftiger Druck, langsameres Drehtempo. Hohe Auflage: schwache Anfeuchtung, geringerer Druck, schnelleres Drehtempo.» Die Weisse Rose verwendete keinen ORMIG.

Exponate ihrer Freunde

Heinz Brenner, Heinrich Heidler, Fridolin Heidler und unbekannte Schüler, Ulm - Chemischer Vervielfältigungsapparat: Opalograph

Hermann Hurwitz ist der Hersteller des Opalographen. Heinz Brenner, Heinrich Heidler, Fridolin Heidler und unbekannte Schüler standen, wie alle im Weisse Rose – Widerstand, für eine bessere Welt. Dies gilt ebenso für Kardinal Graf von Galen und Pater Adolf Eisele. Ab 1933 sind keine Patente oder Kundenkorrespondenz von Hermann Hurwitz & Co. Berlin auffindbar. In Berlin sollen gleichnamige Juden geflüchtet sein, einige überlebten, während andere, die blieben, aufgegriffen wurden und qualvoll in Auschwitz starben. Inwieweit sie sich untereinander kannten oder miteinander verwandt waren, ist unklar. Namen, die aus den Patentschriften bekannt wurden, konnten nicht zugeordnet werden. Einige von ihnen lebten später in der Schweiz.

   Ihnen allen ist die chemische "Experimentelle Rekonstruktion" zur Flugblatt-Herstellung dankend gewidmet.

Opalograph

Vervielfältiger: Opalograph
Hersteller: Hermann Hurwitz & Co. Berlin
Baujahr: Original 1910-1930 / Originalgetreue 1910-1930
Fabrikationsnummer: Wurde vom Hersteller nicht vergeben

   Ein chemischer Vervielfältigungsapparat. Die Opalplatte wird mit Alaun (eine Art flüssiges Aluminium) durch Watte präpariert. Mit ammoniakhaltiger Tinte wird handschriftlich oder maschinell auf glattem Papier geschrieben und die beschriebene Seite auf die Opalplatte gelegt. Alternativ kann eine Dauerschablone ohne Farbband mit der Schreibmaschine an den Textstellen transparent geschrieben und auf die Opalplatte gelegt werden, darauf ein ammoniumcarbonathaltiges (ähnlich wie Ammoniak) Tintenblatt. Bei allen Varianten den Deckel für einige Zeit auf das Papier drücken. An den Textflächen der Opalplatte entsteht gefälltes Aluminiumhydroxid. Anschliessend wird Benzoesäure auf der Opalplatte mit Watte über die gesamte Fläche verteilt (es entsteht Aluminiumbenzoat). Das Aluminiumbenzoat, das den Text enthält, wird dann beim Überrollen mit einem Handroller, der mit fetthaltiger Farbe versehen ist, aufgenommen. Die Vervielfältigungen sind haltbar wie Ölgemälde.

Heinz Brenner, Heinrich Heidler, Fridolin Heidler und unbekannte Schüler, Ulm - Schreibmaschine: ROYAL


ROYAL

Schreibmaschine: ROYAL als Model A, B, C oder O
Hersteller: ROYAL Deutschland oder USA
Baujahr: Original 1927-1934 / Originalgetreue 1928
Fabrikationsnummer: Original bis 400000 / Originalgetreue P59579

   Die Royal wurde für die Bearbeitung der Vervielfältigungsvorlagen für ihren Opalograph eingesetzt. Experte für Urkunden und Maschinenschriften Bernhard Haas: «… "Predigt des Bischofs von Münster"… stammen von einer ROYAL-Schreibmaschine (Baujahr 1927-1934)… Reisemodell (möglicherweise Modelle A, B, C, O), Fabrikationsnummer bis 400 000». Die Unterschiede sind nur marginal.

Emil Meyer und Robert Eisinger München - Schreibmaschine: Erika 5 oder 6

Gezeigt wird die nahezu baugleiche Erika 6.

Erika 5, Erika 6

Schreibmaschine: Erika 5 oder 6
Hersteller: Seidel & Naumann AG, Dresden
Baujahr: Originale unbekannt / Originalgetreue, gezeigt Erika 6, 1939
Fabrikationsnummer: Original unbekannt / Erika 6, 560273/6

   Eine Schriftanalyse der Flugblätter ergab, dass zur Bearbeitung der Schablonen-Vervielfältigungsvorlagen ihres Tausendstempels eine Erika 5 oder 6 verwendet wurde.

Emil Meyer und Robert Eisinger München - Vervielfältigungsapparat: Tausendstempel

Vervielfältigt wurde mit einem Tausendstempel (Fabrikat unbekannt).

Copyflex

Vervielfältiger: Tausendstempel
Hersteller: Details unbekannt
Baujahr: Vergleichsapparat Copyflex
Fabrikationsnummer: Copyflex nicht vergeben

   Eine Schriftanalyse der Flugblätter ergab, dass zur Bearbeitung der Schablonen-Vervielfältigungsvorlagen ihres Tausendstempels eine Erika 5 oder 6 verwendet wurde. Etwa 1000 Vervielfältigungen sind mit Tausendstempeln möglich. Danach ist die Schablone irreparabel verbraucht. Original erhaltene Flugblätter zeigen nach Jahrzehnten immer noch ein brillantes Erscheinungsbild. Tausendstempel im Postkartenformat entsprechen der Technik eines Mimeographen, jedoch wird kein Seidengaze (Textiltuch) verwendet.

Hans Leipelt, Marie Luise Jahn München / Hamburg - Schreibmaschine: Remington Portable, gekräuselter Mattlack

Remington Portable 2, Mattlack

Schreibmaschine: Remington Portable, Details zur unbekannten Lackierung
Hersteller: Seidel & Naumann AG, Dresden
Baujahr: Original unbekannt / Originalgetreue 1927
Fabrikationsnummer: Original unbekannt / Originalgetreue NS74559M

   Gemäss einer Zeugin soll mit einer Remington Portable das VI. Flugblatt von ihnen vervielfältigt worden sein und andere unerlaubte Dokumente. Ob die Maschine mit der Spezifikation gekräuselter Mattlack oder Standard-Glanzlack vorlag, ist unbekannt. Hier gezeigt wird eine Maschine mit gekräuseltem Mattlack. Die Schreibmaschine und die Originalflugblätter scheinen bedauerlicherweise nicht mehr zu existieren.

Weisse Rose Hamburg, Margaretha Rothe und Heinz Kucharski - Vervielfältigungsapparat: Typenvervielfältiger und Gutenberg Stempelkissen

Typenvervielfältiger und Gutenberg Stempelkissen

Vervielfältiger: Typenvervielfältiger, Details unbekannt, Vergleichsapparat Monopol
Hersteller: Unbekannt / Originalgetreu JOHNE-WERK A.-G. Bautzen
Baujahr: Original unbekannt / Vergleichstyp, vom Hersteller nicht vergeben
Fabrikationsnummer: Original unbekannt / Vergleichstyp, vom Hersteller nicht vergeben

   Typenvervielfältiger mit Typen aus Kautschuk. Gezeigt wird ein "Monopol" des Druckpressen-Herstellers JOHNE-WERK A.-G. Im Gegensatz zu einem handelsüblichen Stempel lassen sich die alphanumerischen Zeichen beim Typenvervielfältiger in beliebiger Reihenfolge durch Umstecken austauschen, sind sehr flexibel zum Bedrucken glatter Papiere einsetzbar und eignen sich ideal für Kurzmitteilungen. Messing- oder Blei-Typen wurden wegen einhergehender Kosten sicherlich nicht gekauft.

Onkel Emil, Berlin - Schreibmaschine: Wanderer Continental

Wanderer Klein-Continental

Schreibmaschine: Wanderer Klein-Continental
Hersteller: Wanderer-Werke, Siegmar-Schönau
Baujahr: Original 1929-1936 / Originalgetreue 1929-1936
Fabrikationsnummer: Original unbekannt / Originalgetreue R014143

   Mit ihrer Maschine wurde das VI. Flugblatt von Professor Kurt Huber vervielfältigt. Flugblattauflage 50 Abschriften mit 5-fachen Durchschlag, gemäss dem Tagebuch von Ruth Andreas-Friedrich, vom 23. März 1943. Die Originalschreibmaschine liegt der Weiße Rose Stiftung e. V. in München vor. Tastaturauffälligkeit obige linke Taste "ß" und rechte Taste ein "+" Zeichen.

Werner und Charlotte Bergengruen, Gräfelfing - Schreibmaschine: Remington Portable, Hochglanzlack

Remington Portable 2, Hochglanzlack

Schreibmaschine: Remington Portable, mit Hochglanzlack
Hersteller: Typewriter Company in Ilion, New York, USA
Baujahr: Original 9.1927 / Originalgetreue 3.1928
Fabrikationsnummer: Original ND75505 / Originalgetreue NP86375

   Der Schriftsteller Werner Bergengruen soll nach eigenen Angaben die Euthanasie-Predigt von Bischof Graf von Galen und eines der ersten vier Weisse Rose Flugblätter auf seiner Schreibmaschine vervielfältigt und mit seiner Frau Charlotte Bergengruen zu RAD gebracht haben. Die Remington Portable und persönliche Gegenstände zeigt die Stadtbibliothek in Baden-Baden.

Equipment Dauerausstellung

Weisse Rose - Erinnerungstafel

Ein DCF77-Empfänger steuert das Datum und die Uhrzeit. An Geburtstagen, Todestagen sowie an jedem 25., 50., 75. und 100. Jubiläum leuchten Neopixel in verschiedenen Farben, um die Namen zu beleuchten und das tagesaktuelle Ereignis anzuzeigen. Das Gehäuse besteht aus Mahagoni und die Oberfläche ist mit handpoliertem Schellack versehen. Zum Schutz wurde die Front mit einem dicken Sicherheitsglas ausgestattet. Zwischenzeitlich wurde ein Mahagoni-Seidebord mit LED-Kerzen zum 83. Todestag hinzugefügt.

Weisse Rose - Erinnerungstafel
Weisse Rose - Erinnerungstafel
Weisse Rose - Erinnerungstafel

Weisse Rose Erinnerungstafel – Gedenken ihrer Ideale –

Menschen, die nicht untätig blieben, sondern sich dem Leid ihrer Mitmenschen annahmen, zum Teil bis in den Tod durch die Gaskammern. Erinnert wird auch an andere Widerstandsgruppen, Partisanenverbände und Menschen, die den Mut hatten und den Aufstand wagten, Menschen, die anderen in aussichtslosen Gerichtsprozessen bestmöglich verteidigten, flüchtenden Menschen heimlich Brot gaben oder für Unterschlupf sorgten, Deserteure, die nicht bereit waren, anderes Leben zu beenden. Erinnert wird auch an die Opfer, sie stehen stellvertretend für viele Millionen ausgelöschter Leben. Schätzungen zufolge leisteten während des II. Weltkrieges zwischen 300.000 bis 500.000 Menschen als Einzelperson oder in Gruppen Widerstand. Die auf der Erinnerungstafel gezeigten Namen mit Geburts- und Todestagen leuchten an Geburtstagen hell, gelb am 25., 50., 75., 100. usw. und an Todestagen blau, lila an 25., 50., 75., 100. usw. Das Symbol † erinnert an die 17 Menschen aus dem Weisse Rose Widerstandskreis, die ihr Leben verloren haben, und das Symbol + erinnert an weitere Menschen, die ebenfalls im Widerstand ums Leben kamen.

Weisse Rose - Holzstele mit Bodenplatte

Die Schellackpolitur, vornehmlich für Möbel aus Holz manuell mit Polierballen aufgetragen, entstand Anfang 1800 in Frankreich und war auch Tradition in Deutschland in den 1940er Jahren, also zu Zeiten der Weissen Rose. Die Schellackpolitur zählt zur Königsklasse der Lackverarbeitung. Es gibt kaum Lacke mit so viel natürlichem Oberflächenglanz wie Schellack. Der Aufwand dieser Poliertechnik ist immens gross. Doch aussergewöhnliche Gesinnung bedarf Mühe, die nicht gross genug sein kann.

Weisse Rose - Holzstele

Weisse Rose - Bodenplatte

Petroleum-Glühlichtbrenner: Hermann Hurwitz & Co. Berlin

Hermann Hurwitz ist der Hersteller des Opalographen. Weil jeder ein wenig eine schöne Umgebung anziehend empfindet, wurde für die Weisse Rose - Dauerausstellung ganz bewusst dieser Petroleum-Glühlichtbrenner beschafft. Allerdings sollte bis zur Erfüllung noch viel Zeit vergehen, denn die Hermann Hurwitz Petroleum-Glühlichtbrenner sind extrem selten erhältlich. Sicherlich wird dieser von Zeit zu Zeit bei Lesebänden und Gesprächen im Freien seine erhellende Kraft entfalten.

Petroleum-Glühlichtbrenner Hermann Hurwitz & Co. Berlin

Röhrenradio: TEFAG-Lotse KW

Aus der Zeit um die Weisse Rose.

TEFAG LOTSE KW
Röhrenradio: TEFAG LOTSE KW
Hersteller: Telephon AG vorm. J. Berliner, vor 1931 Telephonfabrik Berliner AG
Baujahr: Original 1934
Fabrikationsnummer: Original 17679

   Rundfunkgerät für Langwelle, Mittelwelle und 3 Bereiche für Kurzwelle. Wellenlänge von 18 bis 2000 Meter. Das Gerät arbeitet mit drei Röhren, eine für den Rundfunk-Empfang, eine zur Spannungserzeugung und eine für die Ansteuerung des Lautsprechers. Möglicherweise hörte der Widerstandskreis Weisse Rose am 24. Januar 1943 die Ansprache von Thomas Mann im Rundfunk, "Zehn Jahre Nationalsozialismus". Über einen Mittelwellenmodulator kann diese Sendung mit leichtem 50 Hz-Brummton mit diesem Radio gehört werden.

Grammophon: Grafonola, Tischgerät mit Gramophon-Schrank

Gehört wird mit Kaktusnadeln, beispielsweise Billie Holiday, Ella Fitzgerald, Louis Armstrong...

Grammophon Grafonola


Billie Holiday, "Sugar" vom 30. Januar 1939

Reproduzierte Flugblätter

Weisse Rose - Flugblattauflage

Zu den Weisse Rose - Festlichkeiten wurden je nach Anlass Flugblätter originalgetreu vervielfältigt oder für entsprechende Anlässe testweise vorbereitet. Diese werden hier gezeigt. Das Maschinenschriftbild der verwendeten Vervielfältigungsvorlagen wurde beibehalten, ebenso der exakte Schreibmaschinenanschlag mit all seinen spezifischen Merkmalen, die von der Person abhängen, die den Text auf die Vorlagen übertrug. Wesentlich sind vor allem Leerzeichenfehler, sei es zu viel oder zu wenig.

   Die Auflage der Flugblätter der Weissen Rose wurde detailliert berechnet und mit verschiedenen Überlegungen abgeglichen. Dazu zählen unter anderem die Anzahl der gekauften Briefmarken, die verwendeten Orte sowie die Menge an Briefumschlägen und Saugpostpapier. Die Ergebnisse dieser Überlegungen werden hier präsentiert. Alle Berechnungen sind in dem bereits erwähnten Buch nachzulesen, unabhängig von der Version.

Tabelle 22: Übersicht Flugblatt- und Briefauflage, Flugblatt V-VI

Weisse Rose - Flugblattauflage

   Einer der grössten Fehler besteht darin, die Doppelseite des fünften Flugblatts zu übersehen, die aus einer Vorder- und Rückseite besteht. Dies führt zu doppelt so hohem Arbeitsaufwand und höheren Kosten. Wer in Flugblättern denkt, übersieht diesen wichtigen Aspekt. Die Frage, die sich daraus ergibt, ist, ob die Flugblattauflagen in der zur Verfügung stehenden Zeit überhaupt noch bewältigt werden können und ob das dafür bereitgestellte Geld ausreicht. Wer die grossen Zahlen aus den Vernehmungsniederschriften addiert, wird schnell zu einem falschen Ergebnis gelangen. Die kleinen Zahlen sind dagegen viel vielversprechender.


   Aus der Vernehmungsniederschrift von Sophie Scholl geht zum V. Flugblatt hervor: «Wir haben uns über diese Irreführung sogar öfters lustig gemacht, und zwar hauptsächlich dann, wenn mein Bruder und ich zu später Nachtstunde einmal etwa 6000 Flugblätter herstellten. Die gesamten, von uns zur Verbreitung gebrachten Flugblätter, wurden einzig und allein durch meinen Bruder und mich in 2 verschiedenen Nächten hergestellt. Im ersteren Falle handelte es sich um etwa 6000 Flugblätter mit der Überschrift: "Flugblätter der Widerstandsbewegung in Deutschland" und der Überschrift "Aufruf an alle Deutsche!", die entweder in der Nacht vom 21./22. oder 22./23.1.43 hergestellt wurden. Auf einem Teil dieser Flugblätter, die textlich alle gleich sind, fehlt lediglich die Überschrift "Flugblätter der Widerstandsbewegung in Deutschland".» Und weiter aus der Vernehmungsniederschrift von Sophie Scholl: «Von der zweiten Art von Flugblättern wurden insgesamt rund 3000 hergestellt. Diese tragen die Überschriften "Kommilitoninnen! Kommilitonen!" und "Deutsche Studentin! Deutscher Student!"». Sophie Scholl setzt ihre Schilderungen fort: «Im ersteren Falle begannen wir etwa um 20 Uhr und waren um 3 oder 4 Uhr fertig und im zweiten Falle, arbeiteten wir ungefähr von 21 Uhr bis 1 Uhr.» Sophie Scholl spricht im ersten Fall vom V. Flugblatt und im zweiten Fall vom VI. Flugblatt.[1]


   Kurze Anmerkung dazu: Das 5. Flugblatt wurde mit zwei Chargen hergestellt. Die erste hatte eine Auflage von 4000 Exemplaren und die zweite 2000.

«Wenn ich zuerst, wenn auch nur bei der Unterhaltung, angegeben habe, bei der Flugblattaktion in München in der Nacht von 28./ 29. gemeinsam mit meinem Bruder, die hier zur Verbreitung gelangten, etwa 2000 Flugblätter, ausgestreut zu haben, so muss ich nun zugeben, dass dies nicht richtig ist, denn in der Nacht v. 28./ 29. befand ich mich, während hier in München die Flugblätter ausgestreut wurden, auf dem Wege von Stuttgart nach München.»[2]

Fussnoten: Weisse Rose - Die Vervielfältigung im Detail, 2025

[1] IfZArch ED 474 /217 0182 Blatt 13, 13R[26-S. 807], Vernehmung Sophie Scholl; Auflage V. Flug-blatt 6000 zu später Nachtstunde, am 21./22.1.1943 oder 22./23.1.1943, Herstellung zwischen 20 Uhr und 3 Uhr oder 4 Uhr., S. 367. ↩
[2] IfZArch ED 474 /217 0182 Blatt 9, 9R[26-S. 807], Vernehmung Sophie Scholl. ↩


   Früh war erkennbar, und später bestätigte sich die Aussage von Sophie Scholl hinsichtlich der Auflagen des 5. und 6. Flugblatts. Doch bis dahin vergingen viele Monate, um zu dieser Erkenntnis zu gelangen. Zahlreiche Überlegungen waren notwendig, ebenso verschiedene Gegenrechnungen, etwa wie viele Briefmarken und wie viel Papier eingekauft wurden, welche Ergebnisse die Geheime Staatspolizei erzielte, wie lange es dauert, eine Flugblattseite herzustellen, und wie viel das benötigte Material für die Vervielfältigung kostete. Ebenso wurden Fragen geklärt, wie viel Zeit für Schablonenbearbeitung, Kuvertierung und Frankierung benötigt wird und ob tatsächlich alle Anforderungen erfüllt werden konnten. Jede einzelne Aussage wurde eingehend geprüft.

    Aus der Literatur ist zu entnehmen, dass die Weisse Rose angeblich bis zu 12.000 Exemplare von Flugblatt 5 vervielfältigt haben soll. Dies entspricht insgesamt 24.000 Seiten (Vorder- und Rückseite) und hat einen doppelten Kosten- und Zeitaufwand zur Folge. Diese Vorstellung hat sich mittlerweile jedoch auf etwa 9.000 (18.000 Seiten) Flugblätter reduziert. Wer jedoch einmal genau berechnet, welcher Zeitaufwand selbst für 9.000 Flugblätter nötig ist, wird schnell erkennen, dass der errechnete Arbeitsaufwand – ohne Berücksichtigung von Pausen – im Verhältnis zur verfügbaren Zeit zwischen Studium, Leseabenden, Literaturstudium, dem Besuch von Konzerten und familiären Verpflichtungen hoch ist.

    Wichtig sind zur Aufarbeitung genaue Kenntnis über den eingesetzten Vervielfältigungsapparat und mit wie vielen Personen die Vervielfältigung durchgeführt wird. Jede Zahl muss aus den Niederschriften im Kontext erkannt werden, in welchem Zusammenhang sie genannt wurde. Jede einzelne Wertangabe muss deshalb plausibel begründet sein, ob diese realistisch ins Gesamtgefüge passt und damit auch in rechnerischer Sicht standhält.    

    Die Herausarbeitung der Flugblatt- und Postversandauflagen gestaltete sich für das V. und VI. Flugblatt schwierig, weil sich die Beteiligten der Produktion bei ihren Vernehmungen alle Mühe gaben, den dazugehörigen Kontext, zum Schutz des Umfeldes, dermassen zu entstellen. Nach Abschluss aller Berechnungen zur gesamten Flugblattauflage stellte sich heraus, dass viele Zahlenangaben, die in den Vernehmungsniederschriften protokolliert wurden, real zutrafen und deshalb nur einige wenige Abweichungen begründet als Zahlenausreiser bei den Berechnungen aussen vor blieben oder eine erweiterte Betrachtung zugrunde gelegt werden musste. Die Vorgehensweise der einzelnen Rekonstruktionsschritte zu verschiedenen Problemkonstellationen mag nach aussen teilweise hypothetisch, konstruiert und zurechtgerückt erscheinen, doch in der Zusammenführung der Einzelergebnisse kann der Eindruck eines ganzheitlichen Bildes durchaus nachempfunden werden. Mehrere Konstellationen stützen die hohe Vervielfältigungsauflage zum V. und VI. Flugblatt. Sophie Scholl bestätigte die Beschaffung von 10000[3] Blatt Saugpostpapier. Davon wurden 1000 Blatt beschlagnahmt.[4] Die einzelnen Vervielfältigungsauflagen bezüglich der Verbreitungsorte und in der Addition, der Teilauflagen auf das V. und VI. Flugblatt bezogen, wurden von Sophie Scholl am genauesten wiedergegeben. Die in den Vernehmungsniederschriften grösstenteils exakt angegebenen Flugblattauflagen, abgelesen am Zählwerk des Rotationsvervielfältigers, führten in einem Fall zu einer geschwisterlichen Schnittmenge. Erfüllbar ist diese Konstellation der Geschwister Scholl nur, wenn beide Aussagen zutreffen und diese so die gesamte Flugblattauflage von 15000 Flugblattseiten rechnerisch letztendlich mitbestimmen.[5] Die Einzelangaben zur Flugblattauflage durch Hans Scholl, Alexander Schmorell und Willi Graf untermauern die angesprochene Konstellation.

Fussnoten: Weisse Rose - Die Vervielfältigung im Detail, 2025

[3] IfZArch ED 474 /217 0182 Blatt 8R[26-S. 807], Vernehmung Sophie Scholl ↩
[4] Center for White Rose Studies, www[123-S. 813]. ↩
[5] siehe S. 389 "Fehlerbetrachtung Flugblattauflage – Flugblatt V-VI". ↩

 



   Nachfolgende Buchthemen zum Verständnis der Flugblattauflagen, Buch von 2025 – Weisse Rose – Die Vervielfältigung im Detail: Gedenken an ihre Ideale 1942–1943 (mit Seitenangaben):


Inhaltsverzeichnis

Kapitel Thema Seite
3 Experimentelle Rekonstruktion 47
4 Grundlagen Vervielfältigungstechnik 51
4.1 Hektograph – Vincent Kwaysser und Rodolphe Husak 51
4.1.1 Vervielfältigungspapier – Hektograph 59
4.1.2 Gebrauchsanweisung HEYER-Vervielfältiger 59
4.1.3 Hektograph – Rezeptur 63
4.2 Direktes Vervielfältigungsverfahren – James Watt 63
4.3 ORMIG-Umdrucker – Wilhelm Ritzerfeld ORMIG 67
- Foto, modernisierter ORMIG-Umdrucker, ORMIG V-REKORD 70
4.3.1 Auflage ORMIG-Umdrucker – Umdruckoriginal 70
4.3.2 ORMIG-Umdrucker – Vervielfältigungspapier 74
4.4 Mimeograph – Thomas Alva Edison 76
- Mimeograph, identischer Vergleich mit Weisse Rose – Exponate 76
4.4.3 Auflage einer Mimeographen-Schablone 85
4.4.4 Mimeograph – Vervielfältigungspapier 96
4.4.5 Mimeograph – Vervielfältigungsfarbe 97
2.1.1 Greif Gebrauchsanleitung – Schablonenbearbeitung 160
2.2 ROTO-PREZIOSA 160
- Foto, Typenschild nahe am Original '13101' 161
- PREZIOSA – Raised Craquele Gehäuselack, Fussnote 401, S. 127 176
- Tabelle 8: Auswertung und Update - ROTO Ausstattungsvarianten 177
2.2.1 Gebrauchsanweisung 187
2.2.2 Vervielfältigungszyklus einer Flugblattseite 220
2.2.8 Schablonen zur Flugblatt-Herstellung 246
2.2.9 Spurensuche am Saugpostpapier 259
2.3 Schwierigkeiten mit Mimeographen-Schablonen 295
2.3.1 Auszug Gerichtsakte Sophie Scholl – Flugblatt V 295
2.3.2 Erläuterung Aussage Sophie Scholl – Flugblatt V 295
2.3.3 Auszug Gerichtsakte Sophie Scholl – Flugblatt VI 296
2.3.4 Auszug Gerichtsakte Hans Scholl – Flugblatt VI 296
2.3.5 Erläuterung Aussagen Geschwister Scholl – Flugblatt VI 296
2.3.6 Auszug Gerichtsakte Alexander Schmorell – Flugblatt VI 297
2.3.7 Erläuterung Aussage Alexander Schmorell – Flugblatt VI 298
2.3.8 Zusammenfassung Alexander Schmorell – Flugblatt VI 302
2.3.9 Zusammenfassung der Gerichtsakten – Flugblatt V-VI 302
V Plausibilitätsberechnungen Weisse Rose München 304
1 Berechnungsgrundlage 1942 – Flugblatt I-IV 304
1.1 Zeichen pro Flugblattseite – Flugblatt I-IV 309
1.2 Bearbeitungszeit Schablonen – Flugblatt I-IV 309
1.3 Anzahl Schablonen – Flugblatt I-IV 309
1.4 Bearbeitungszeit Vervielfältigung – Flugblatt I-IV 310
1.5 Bearbeitungszeit Farbauftrag – Flugblatt I-IV 310
1.6 Bearbeitungszeit 200 Flugblattseiten – Flugblatt I-IV 310
1.7 Bearbeitungszeit Adressierung – Flugblatt I-IV 310
1.8 Bearbeitungszeit Kuvertierung – Flugblatt I-IV 311
1.9 Bearbeitungszeit Frankierung – Flugblatt I-IV 314
1.10 Gesamte Bearbeitungszeit – Flugblatt I-IV 314
2 Buchhaltung 1942/1943 – Flugblatt I-VI 315
2.1 Geldeinnahmen 1943 – Flugblatt V-VI 315
2.2 Geldausgaben 1942/1943 – Flugblatt I-VI 316
3 Berechnete Flugblattauflage – Flugblatt V-VI 325
3.1 Gerichtsakten Eckdaten – Flugblatt V-VI 326
3.2 Das Zählwerk – Flugblatt V-VI 332
3.3 Grosse Linie Flugblattauflage – Flugblatt V-VI 334
3.4 Grosse Linie Briefsendungen – Flugblatt V-VI 335
4 Gesuchte Flugblattauflagen – Flugblatt V-VI 336
4.1 Augsburg Postversand – Flugblatt V Charge-1 337
4.2 Salzburg Postversand – Flugblatt V Charge-1 337
4.3 Linz/D Postversand – Flugblatt V Charge-1 338
4.4 Frankfurt/M Postversand – Flugblatt V Charge-1 338
4.5 Wien Postversand – Flugblatt V Charge-1 339
4.6 Salzburg, Linz/D, Wien, Frankfurt/M Postversand – Flugblatt V 339
4.7 München Streuaktion – Flugblatt V Charge-2 340
4.8 München Studentenbriefe – Flugblatt VI 341
4.9 Stuttgart Postversand – Flugblatt V Charge-1 344
4.10 Resultat Auflage Postversand und Streuung – Flugblatt V-VI 346
5 Weitere Klärung – Gesuchte Flugblattauflage V-VI 347
5.1 Grundsatzaussage alles alleine bewältigt – Flugblatt V-VI 347
5.2 Gestreute Kleinmenge – Flugblatt V Charge-1 348
5.3 München Streuaktion 5000 Flugblätter – Flugblatt V Charge-2 349
5.4 Briefmarkeneinkauf 4300 Stück – Flugblatt V-VI 363
5.5 Augsburg Postversand, 100 Briefmarken – Flugblatt V Charge-1 366
5.6 Vervielfältigungszyklus pro Flugblattseite – Flugblatt V-VI 366
5.6.1 Vervielfältigungszyklus pro Flugblattseite rechnerisch 379
5.6.2 Vervielfältigungszyklus für 10 Arbeitsstunden 379
5.6.3 Vervielfältigungszyklus für 11 Arbeitsstunden 379
5.6.4 Praktische Erkenntnisse 379
5.6.5 Vervielfältigungsvariante 1 380
5.6.6 Vervielfältigungsvariante 2 380
5.6.7 Erkenntnisse zum Vervielfältigungszyklus 381
5.7 Zusammenfassung Flugblattauflage – Flugblatt V-VI 386
5.8 Fehlerbetrachtung Flugblattauflage – Flugblatt V-VI 389
6 Berechnungsgrundlage Bearbeitungszeit 1943 – Flugblatt V-VI 395
6.1 Bearbeitungszeit manuelle Adressnotizen – Flugblatt V 396
6.2 Ermittlung Schreibmaschinenanschlag – Flugblatt V-VI 396
6.3 Zeichen pro Flugblattseite – Flugblatt V-VI 396
6.4 Bearbeitungszeit Schablonen – Flugblatt V-VI 397
6.5 Anzahl Schablonen – Flugblatt V-VI 397
6.6 Bearbeitungszeit Vervielfältigung – Flugblatt V-VI 398
6.7 Bearbeitungszeit Farbauftrag, Papierfüllung – Flugblatt V-VI 399
6.8 Bearbeitungszeit Adressierung Briefumschläge – Flugblatt V-VI 399
6.9 Bearbeitungszeit Kuvertierung Briefumschläge – Flugblatt V-VI 400
6.10 Bearbeitungszeit Frankierung Briefumschläge – Flugblatt V-VI 400
6.11 Verarbeitungszeit Postversand – Flugblatt V-VI 400
6.12 Gesamte Bearbeitungszeit – Flugblatt V-VI 401
VI Bewegungsprofil – Produktion 1943 404
1 Produktion – Flugblatt V Charge-1 404
- Hans Scholl bittet Traute Lafrenz um einen Vervielfältigungsapparat 408
- Zeitaufwendungen Produktion – Flugblatt V Charge-1 424
- Kostenaufstellung – Flugblatt V Charge-1 434
2 Produktion – Flugblatt V Charge-2 436
- Zeitaufwendungen Produktion – Flugblatt V Charge-2 437
- Überblick München – Streuung Flugblatt V Charge-2 445
- Kostenaufstellung – Flugblatt V Charge-2 461
3 Produktion – Flugblatt VI 462
- Zeitaufwendungen Produktion – Flugblatt VI 473
- Kostenaufstellung – Flugblatt VI 488
4 Arbeitszeitverkürzung – Flugblatt V-VI 490
- ROTO-PREZIOSA – Werbeanzeige von 1926 491
5 Originalgetreue Flugblatt-Vervielfältigung 496
- Vervielfältigungsschablonen mit begrenzter Haltbarkeit 496
- Originalgetreue ROTO-PREZIOSA-Vervielfältigung Flugblatt VI 500
6 Situation Geheime Staatspolizei München 501
6.1 Typus Schablonenabriss 505
X Ergänzungen bisheriger Sichtweisen 695
1 Weisse Rose München – Schreibweise Weisse Rose 695
2 Weisse Rose München – Vervielfältigungsverfahren 696
3 Weisse Rose München – Kosten des Widerstands 696
4 Weisse Rose München, Flugblatt-Herstellung – Flugblätter I-IV 697
5 Weisse Rose München, Flugblatt-Herstellung – Flugblatt V-VI 697
6 Weisse Rose München, Streu- und Briefauflage – Flugblatt V-VI 698
7 Weisse Rose München – Angeblicher Vervielfältiger 699
8 Weisse Rose München – Wo wurden Flugblätter vervielfältigt? 702
8.1 Sophie Scholl 703
8.2 Hans Scholl 704
8.3 Alexander Schmorell 705
8.4 Willi Graf 706
8.5 Josef Söhngen, Lieselotte Berndl, Wilhelm Geyer 708

Weisse Rose - Flugblatt V

   Die Textübertragung auf die Schablonenvorlagen zur Vervielfältigung der Flugblätter erfolgte mit dem Schriftbild einer Remington Portable. Die Vervielfältigung wurde mit dem damals verwendeten ROTO-PREZIOSA durchgeführt. Mit standardisierten Vervielfältigungsvorlagen konnten 1943 etwa 3.000 Flugblattseiten produziert werden. In demselben Jahr standen auch spezielle Vervielfältigungs-Schablonen zur Verfügung, mit denen 5.000 und 10.000 Flugblattseiten hergestellt werden konnten. Es gibt jedoch keine Hinweise darauf, dass diese dem Widerstandskreis zur Verfügung standen. Auch die Berechnungen und die unterschiedlichen "Experimentellen Rekonstruktionen" ergaben keine Anhaltspunkte dafür, dass der Freundeskreis Weisse Rose für sein Schablonen-Durchdruck-Verfahren besondere Schablonen verwendete.

Weisse Rose - Flugblatt V Vorderseite WWeisse Rose - Flugblatt V Rückseite

   Bearbeitet wurden alle Vervielfältigungsvorlagen für Flugblatt I–VI, bei Flugblatt I–IV ca. 400 und Flugblatt V–VI anteilig ermittelter 4310 Briefumschläge. Alexander Schmorell lieh die Maschine bei einem früheren Schulkameraden aus. Die Originalschreibmaschine verwahrt das Weisse Rose Institut e. V. in München. Der Verbleib dreier Exponate blieb ungeklärt.

Weisse Rose - Flugblatt VI

Hans Scholl bat seinen Professor, er möge einen Flugblatttext im Stil eines jungen Studenten aufsetzen. Alleine die Formulierung "im Stil eines jungen Studenten" lässt erahnen, was da kommen soll. Und ihr Professor nahm die Bitte wortwörtlich: "…Gauleiter greifen mit geilen Spässen den Studentinnen an die Ehre…".

   Wie bei allen Flugblättern erinnert die Schrift an die damals verwendete Remington Portable Schreibmaschine.

Weisse Rose - Flugblatt VI

   Alexander Schmorell lieh sich auch hier die Schreibmaschine von einem ehemaligen Schulkameraden aus. Bei den Flugblättern V und VI kann aufgrund des nahezu perfekten Schreibmaschinenanschlags kaum festgestellt werden, wer den Text auf die Vervielfältigungsvorlagen übertrug. Somit könnte auch eine weitere Person neben Hans Scholl und Alexander Schmorell in Betracht gezogen werden.

Weisse Rose - Entwurf Flugblatt VII

Christoph Probst übergab seinen Entwurf am 31. Januar 1943 zur Vervielfältigung an Hans Scholl. Christoph Probst wollte, dass sein Entwurf unters Volk kommt. Er soll nach eigenen Angaben tief niedergeschlagen gewesen sein, als er am Röhrenradio noch vor der offiziellen Bekanntgabe vom Elend und Grauen der Ostfront erfuhr. In der Vernehmungsakte vom Februar 1943 spiegelt sich der letzte Wille von Christoph Probst, der Hans Scholl seinen Flugblattentwurf übergab: „Da schau das mal an.“

Weisse Rose - Entwurf Flugblatt VII

Flugblätter ihrer Freunde

Weisse Rose, Hans Leipelt, Marie-Luise Jahn - Flugblatt VI

Flugblatt konnte aus Zeitgründen noch nicht hergestellt werden.

   Gezeigt wird hier lediglich ein erstellter Text mit einer Remington Portable II Schreibmaschine.

. . . Und ihr Geist lebt trotzdem weiter! Kommilitoninnen! Kommilitonen!
  Erschüttert steht unser Volk vor dem Untergang der Männer von Stalin-
grad. Dreihundertdreissigtausend deutsche Männer hat die geniale Strate-
gie des Weltkriegsgefreiten sinn- und verantwortungslos in Tod und Ver-
derben gehetzt. Führer, wir danken dir!
Es gärt im deutschen Volk: Wollen wir weiter einem Dilettanten das
Schicksal unserer Armeen anvertrauen? Wollen wir den niedrigen Machtin-
stinkten einer Parteiclique den Rest der deutschen Jugend opfern? Nimmermehr
Der Tag der Abrechnung ist gekommen, der Abrechnung unserer deutschen
Jugend mit der verabscheuungswürdigsten Tyrannis, die unser Volk je erduldet
hat. Im Namen der ganzen deutschen Jugend fordern wir von dem Staat Adolf
Hitlers die persönliche Freiheit, das kostbarste Gut der Deutschen zurück,
um das er uns in der erbärmlichsten Weise betrogen hat.
In einem Staat rücksichtsloser Knebelung jeder freien Meinungsäusserung
sind wir aufgewachsen. HJ, SA, SS haben uns in den fruchtbarsten Bildungs-
jahren unseres Lebens zu uniformieren, zu revolutionieren, zu narkotisieren
versucht. "Weltanschauliche Schulung" hiess die verächtliche Methode, das
aufkeimende Selbstdenken und Selbstwerten in einem Nebel leerer Phrasen zu
ersticken. Eine Führerauslese, wie sie teuflischer und bornierter zugleich
nicht gedacht werden kann, zieht ihre künftigen Parteibonzen auf Ordensbur-
gen zu gottlosen, schamlosen und gewissenlosen Ausbeutern und Mordbuben
heran, zur blinden, stupiden Führergefolgschaft. Wir "Arbeiter des Geistes"
wären gerade recht, dieser neuen Herrenschicht den Knüppel zu machen. Front-
kämpfer werden von Studentenführern und Gauleiteraspiranten wie Schuljungen
gemassregelt, Gauleiter greifen mit geilen Spässen den Studentinnen an die
Ehre. Deutsche Studentinnen haben an der Münchner Hochschule auf die Besu-
Delung ihrer Ehre eine würdige Antwort gegeben, deutsche Studenten haben sich
für ihre Kameradinnen eingesetzt und standgehalten. Das ist ein Anfang zur
Erkämpfung unserer freien Selbstbestimmung, ohne die geistige Werte nicht
geschaffen werden können. Unser Dank gilt den tapferen Kameradinnen und
Kameraden, die mit leuchtendem Beispiel vorangegangen sind!
Es gibt für uns nur eine Parole: Kampf gegen die Partei! Heraus aus den
Parteigliederungen, in denen man uns politisch weiter mundtot halten will!
Heraus aus den Hörsälen der SS- Unter- oder Oberführer und Parteikriecher!
Es geht uns um wahre Wissenschaft und echte Geistesfreiheit! Kein Drohmittel
kann uns schrecken, auch nicht die Schliessung unserer Hochschulen. Es gilt
den Kampf jedes einzelnen von uns um unsere Zukunft, unsere Freiheit und
Ehre in einem seiner sittlichen Verantwortung bewussten Staatswesen.
Freiheit und Ehre! Zehn lange Jahre haben Hitler und seine Genossen die
beiden herrlichen deutsche Worte bis zum Ekel ausgequetscht, abgedroschen,
verdreht, wie es nur Dilettanten vermögen, die die höchsten Werte einer
Nation vor die Säue werfen. Was ihnen Freiheit und Ehre gilt, haben sie in
zehn Jahren der Zerstörung aller materiellen und geistigen Freiheit, aller
sittlichen Substanz im deutschen Volk genugsam gezeigt. Auch dem dümmsten
Deutschen hat das furchtbare Blutbad die Augen geöffnet, das sie im Namen
von Freiheit und Ehre der deutschen Nation in ganz Europa angerichtet haben
und täglich neu anrichten. Der deutsche Name bleibt für immer geschändet,
wenn nicht die deutsche Jugend endlich aufsteht, rächt und sühnt zugleich,
seine Peiniger zerschmettert und ein neues, geistiges Europa aufrichtet.
Studentinnen! Studenten! Auf uns sieht das sieht das deutsche Volk! Von
uns erwartet es, wie 1813 die Brechung des Napoleonischen, so 1943 die
Brechung des nationalsozialistischen Terrors aus der Macht des Geistes.
Beresina und Stalingrad flammen im Osten auf, die Toten von Stalingrad
beschwören uns!
„Frisch auf, mein Volk, die Flammenzeichen rauchen!˝
Unser Volk steht im Aufbruch gegen die Verknechtung Europas durch den
Nationalsozialismus, im neuen gläubigen Durchbruch von Freiheit und Ehre!

Emil Meier und Robert Eisinger - Zwei Münchner Flugblätter

Emil Meier und Robert Eisinger stellten in München ihre Flugblätter her und zwei davon bezogen sich auf den Widerstandskreis Weisse Rose in München.

   Die beiden Flugblätter konnten aus Zeitgründen noch nicht hergestellt werden. Gezeigt wird hier lediglich ein erstellter Text mit einer Erika 6 Schreibmaschine.

Emil Meier und Robert Eisinger Flugblatt 1
Emil Meier und Robert Eisinger Flugblatt 2

Heinz Brenner, Heinrich Heidler, Fridolin Heidler und unbekannte Schüler - Flugblätter - Euthanasie

Verschiedene Predigten von Bischof Graf von Galen gelangten auch zu Pater Adolf Eisele nach Ulm. Der Pater pflegte Kontakte zu einer kleinen Schülergruppe, die allesamt gegen den Nationalsozialismus eingestellt waren. Der 17-jährige Abiturient Heinz Brenner gehörte ebenfalls der Gruppe an. Er vervielfältigte mit Unterstützung aus seinem sozialen Umfeld durch die Brüder Heinrich Heidler und Fridolin Heidler und andere unbekannte Schüler mit einem Opalographen der Firma Hermann Hurwitz & Co Berlin unter anderem die bischöfliche Predigt über die Euthanasie.

   Gezeigt wird die Rückseite von Blatt 1 der Euthanasie-Predigt von Bischof Clemens Graf von Galen. Hergestellt mit Opalograph und der Pica-Schrift einer ROYAL Portable. Aus urheberrechtlichen Gründen kann der Schreibmaschinenanschlag nicht wiedergegeben werden. Die Textübertragung auf die Schablonenvorlagen zur Vervielfältigung der Flugblätter erfolgte mit der genannten Schreibmaschine ROYAL Portable.

Heinz Brenner, Heinrich Heidler, Fridolin Heidler und unbekannte Schüler - Flugblätter - Euthanasie

Royal Air Force

Britisches, doppelseitiges Abwurfflugblatt G.39 mit Inhaltsteilen aus dem VI. Flugblatt des Widerstandskreises Weisse Rose. Abgeworfen ab Juli 1943 von der Royal Air Force über Deutschland mit dem Titel "Ein deutsches Flugblatt", "Manifest der Münchner Studenten". In der Literatur finden sich Berichte, wonach die Royal Air Force einige 100 Tausend bis 1 Million Flugblätter über Deutschland abgeworfen haben sollen. Nachweislich fielen über 5,32 Millionen Exemplare vom Himmel. Die Flugblätter wurden entweder per Flugzeug oder durch speziell präparierte Heliumballone abgeworfen. Das handliche Flugblatt von 1943 hatte die Masse L x B von 21,5 x 13,5 cm.

   Günter Brakelmann schreibt in seinem Buch, «Moltke übergab Bischof Eivind Josef Berggrav (Norwegen) Flugblätter der Weisse Rose mit der Bitte, diese Dokumente nach England und in die Weltpresse zu bringen. Sie können dazu beitragen, dass das Ausland endlich die Existenz eines Widerstands in Deutschland anerkennt und in seiner Politik berücksichtigt.» In diesem Zusammenhang soll Helmuth James Graf von Moltke in einer Rundfunkansprache Hintergrunddetails über die Widerstandsgruppe Weisse Rose mitgeteilt haben. Helmuth James von Moltke wird als geradliniger und völkerrechtstreuer Mitmensch wahrgenommen und wurde wegen Widerstandstätigkeit am 23. Januar 1945 hingerichtet. Die letzten Briefe an seine Familie sind rührend und bezeugen sein weitsichtiges Handeln und Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Menschheit, weltweit.

Alliierten-Flugblatt G.39 Vorderseite

Flugblatt Royal Air Force

Alliierten-Flugblatt G.39 Rückseite

Flugblatt Royal Air Force

Krieg

Ukraine: Hilfe des Gewissens!

Die Weisse Rose erkannte die Gefahren des Schweigens und die Notwendigkeit, den Status quo in Frage zu stellen, auch wenn er aussichtslos schien. Ihr Mut und ihre Entschlossenheit dienen heute als Aufruf zum Handeln, sich gegen Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Menschenrechtsverletzungen auszusprechen, sei es in der Ukraine oder anderswo.

    „Das ukrainische Volk musste einen sehr hohen Blutzoll im Zweiten Weltkrieg entrichten. Wir haben mindestens acht Millionen Kriegsopfer zu beklagen, darunter über fünf Millionen Zivilisten, Frauen und Kinder, die im deutschen Vernichtungskrieg von der SS oder Wehrmacht ermordet wurden. Diese schrecklichen Zahlen schließen auch 1,6 Millionen ukrainische Juden ein, die im beinahe vergessenen Holocaust durch Kugeln von den Nazis umgebracht wurden.

    Am 8. Mai gedenken wir auch 2,4 Millionen Frauen und Männer, die als sogenannte Ostarbeiter aus der besetzten Ukraine ins Dritte Reich verschleppt wurden, wo sie, als Untermenschen versklavt, schwerste Arbeit verrichten mussten und sehr oft daran starben. Wir werden auch nie 400.000 Ukrainer vergessen, die als Häftlinge deutscher KZ-Lager erniedrigt und ausgebeutet wurden. Jeder zweite von ihnen wurde hingerichtet. Das gesamte Gebiet der Ukraine, die zwischen 1939 und 1944 von der Wehrmacht okkupiert war, wurde von der Besatzungsherrschaft total verwüstet: 700 Städte, 28.000 Dörfer, 300.000 Fabriken. Die Ukraine verlor im deutschen Vernichtungskrieg ein Viertel ihrer Bevölkerung. Von etwa 40 Millionen Kriegstoten in Europa war jedes fünfte Opfer ein Ukrainer oder eine Ukrainerin.“

(Interview Deutschlandfunk, ukrainischer Botschafter in Deutschland Andrij Melnyk im Gespräch mit Jörg Münchenberg, 8.5.2020)

    Obwohl die meisten von uns die Schrecken des Zweiten Weltkriegs nicht aus eigener Erfahrung kennen, tragen wir die Verantwortung, die Erinnerung an die Taten unserer Vorfahren wachzuhalten und aus ihnen zu lernen. Die Entscheidung der westlichen Alliierten, Nazideutschland nicht zu vernichten, sondern einen Neuanfang zu ermöglichen, war ein Akt der Gnade und Menschlichkeit, der den Weg für eine friedliche Zukunft ebnete. Die Rosinenbomber, die einst Hoffnung und Nahrung brachten, symbolisieren heute diese Grosszügigkeit und den Willen zum Wiederaufbau.

    Wer heute behauptet, der Krieg in der Ukraine habe nichts mit ihm zu tun, weil er die Schrecken des Zweiten Weltkriegs nicht selbst erlebt hat, verkennt die tiefe Verbundenheit unserer Gegenwart mit der Vergangenheit. Unser heutiger Wohlstand in Deutschland ist nur dank der Grosszügigkeit und des Verzichts auf Rache seitens der westlichen Alliierten möglich geworden. Ohne ihre humanitäre Hilfe würden viele Menschen in Deutschland heute nicht leben, viele wären nie geboren worden.

    Die verweigerte NATO-Mitgliedschaft der Ukraine, unter deutscher Beteiligung, war ein folgenschwerer Fehler, der sie nun in eine prekäre Situation zwingt, in der sie auf ständige Hilfsgesuche angewiesen ist. Deutschlands Verhalten in dieser Krise wirft ein beschämendes Licht auf das Land.

    Die Ukraine kämpft nicht nur für ihre eigene Freiheit und Souveränität, sondern auch für die Werte der Demokratie, der Rechtsstaatlichkeit und der europäischen Wertegemeinschaft, die unsere Zukunft sichern sollen. Angesichts der mörderischen russischen Aggression und der immensen humanitären Katastrophe, die sie in der Ukraine verursacht hat, ist es zwingend erforderlich, dass Deutschland der Ukraine viel entschiedener und umfassender hilft. Selbst wenn dies bedeutet, dass Deutschland sich finanziell höher verschulden muss. Deutschland muss ihnen in dieser Not helfen, ohne dabei stets die eigene Sicherheit bei jeder Gelegenheit zu betonen, denn diese hatte die Ukraine im Zweiten Weltkrieg auch nicht, denn wir waren es, die die Greuel an ihnen verübten.

    Die territoriale Integrität im Völkerrecht schützt Staatsgrenzen vor unrechtmässigen Eingriffen und Ansprüchen anderer Staaten. Sie dient der Stabilität und dem Weltfrieden durch die Achtung und die Anerkennung der internationalen Gemeinschaft für diese Grenzen, unabhängig von militärischer Macht.

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PDF-Dokument neue Version Mai 2025, die auch den Inhalt von 2019 enthält:
Gedenkbuch-2025

PDF-Dokument alte Version Februar 2019:
Gedenkbuch-2019

Weisse Rose - Die Vervielfältigung im Detail
Gedenken an ihre Ideale zum 75. Todesjahr - Ausgabe 2019

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