135 kHz - ein alter Hut

Als die Nachricht im Deutschlandrundspruch verbreitet wurde, daß die Freigabe des VLF-Bereiches bei 135 kHz in DL bevorsteht, wurden in mir Erinnerungen wach. Denn ich habe mein erstes QSO auf 135 kHz gefahren. Ganz offiziell - mit Genehmigung durch die Deutsche Post (der DDR), damals die für meinen Wohnort zuständige hoheitliche Behörde. Nur wußte zu der Zeit noch nicht, daß man das Herstellen einer Funkverbindung "QSO fahren" nennt. Es muß im Jahre 1970 oder 1971 gewesen sein, ich glaube ich war in der siebten Klasse. Ich bekam zu Weihnachten von meinen Eltern einen Elektronikbaukasten geschenkt. Er enthielt drei Transistoren, zwei sogenannte NF- und einen sogenannten HF-Transistor, verschiedene Widerstände und Kondensatoren, zwei Sofitten, eine Germanium-Diode (GA100), ein halber Kopfhörer, einen Drehkondansator 50 bis 500 pf, sowie eine Mittelwellenspule und eine Langwellenspule. Diese Bauteile waren auf Kunststoffträgern befestigt und konnten auf eine Montageplatte gesteckt werden und mit Drähten, die einfache Klemmen an beiden Seiten hatten verbunden werden. Damit war es möglich viele einfache Schaltungen aufzubauen: Multivibratoren, NF-Verstärker, Detektor, Audion und als Krönung des ganzen einen Langwellensender. Dieser Langwellensender war ein einfacher Oszillator der über ein Mikrofon (die hochohmige Hörmuschel des halben Kopfhörers diente als Mikrofon) in Amplitudenmodulation arbeitete. Wobei ein unschöner, lautstärkeabhängiger Effekt auftrat, den man, wie ich später lernte FM nennt. In der Bauanleitung wurde man dazu verpflichtet diesen Sender nur mit der Langwellenspule aufzubauen und den Drehkondensator ganz einzudrehen. Damit war die Frequenz hinreichend genau festgelegt. Weiterhin sollte die ausgekoppelte HF direkt mit einem kurzen Draht an den Antenneneingang eines Radios angeschlossen werden. Auf der letzten Seite des Anleitungsheftes war die "Sondergenehmigung der Deutschen Post" für die Frequenz von 135 kHz abgedruckt.

Mein Freund Bernd, hatte auch so einen Baukasten. Zum Rundfunkempfang mit unseren Detektoren hatten wir schon bevor wir diese Baukästen bekamen einen vieradrigen Klingeldraht über den Hof gespannt (ca. 20 m), von dem jeder eine Ader als Antenne benutze. Jetzt nahm jeder einen Draht als Sendeantenne und einen als Empfangsantenne. So konnten wir eine Sprechfunkverbindung aufbauen. Die Qualität war sehr schlecht, der Langdraht fing eine Menge Störungen ein, die Signale waren sehr leise und der FM-Effekt tat sein übriges. Dennoch war es ein unvergeßliches Erlebnis. Ebenso die Diskussionen (ob man es wagen könne?), die dem Experiment mit der Mittelwellenspule, welches nur kurz durchgeführt wurde, vorangingen.

Drei oder vier Jahre später hatte Bernd das Rufzeichen DM4NTG und ich war DM4MTG.

Die Auswahl der Frequenz für diesen Baukasten war gar nicht so dumm gewählt. Am unteren ende des Langwellenbereiches eines jeden Stubenradios, war das Experiment in nahezu jedem Haushalt durchzuführen und Störungen anderer Funkdienste waren dort wohl kaum - und von diesen Senderchen erst recht nicht - zu erwarten.

Also 135 kHz ! Auf ein Neues!


Anmerkung: Dieser Text wurde von mir am 08.07.1997
in das Packed-Radio Netz eingespielt. Sehr erstaunt war
ich als in der Ausgabe 9/1997 des FUNKTELEGRAMM diesen
Text wiedererkannte. Jemand hatte sich die Mühe gemacht,
ihn von der ersten Person singular in die dritte Person singular
zu übersetzen.
Unterschieben war der Text dann mit "Andy, DL2LUX"

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Copyright© Andreas Bilsing, DL2LUX, upload 31. Mai 1998