Von Bermuda
... auf die Azoren!

Los gings im April 1998 in St. George Harbour, Bermuda. Leider hatte Kalli mit seiner Silbermöve den Landfall auf Bermuda noch vor sich als mein Flugzeug landete! Da war ich nun, allein auf der Insel... nach einem (pervers teueren) Bier in der Hafenkneipe, nahm sich John (die gute Seele in St George Harbour) meiner an, und organisierte mir ein Ferienappartement mit Pool und Meeresblick. Mir war aber nicht nach Landleben. Schon am nächsten Tag zog ich um zu Jürgen auf seine Yacht Pamina...

Wer in Bermuda auf Preise achtet, sollte diese Insel besser nicht besuchen...
Das Preisniveau ist etwa drei mal so hoch wie bei uns. Bezahlen kann man entweder in Bermudadollar oder in US-Dollar. Beide Währungen sind üblich und werden gleichermaßen verwendet ( 1 US-$ = 1 Bermuda-$). Oft bekommt man das Wechselgeld in der anderen Währung... je nach dem was gerade in der Kasse liegt! Die Wechselkurse sind bei verschiedenen Banken signifikant unterschiedlich, es lohnt also der Vergleich um möglichst viele Dollars für unsere gute Mark zu bekommen. Ich persönlich bevorzugte übrigens dem Bermudadollar aufgrund seines gefälligen, bunten Aussehens.

Doch endlich kam er!

Kalli kam mit seiner fünfköpfigen Crew direkt aus Antigua, Karibik. Da alle Flüge gebucht hatten, verließ die alte Crew das Schiff schon am nächsten Tag. Die neue Crew, also ich, richtete mich sogleich auf der Yacht ein. Das Vorschiff diente im wesentlichen als Bunker für Sachen aller Art: Früchte in Hängematten, eine Bananenstaude, Segelsäcke und nasse Kleidung... . Es ist unglaublich, wieviel Platz man hat, wenn man auf einer 12,5m langen Yacht nur zu zweit segelt!

Bermuda hinter uns lassend, streben wir den Azoren entgegen!
Skipper Kalli bevorzugte die direkte Route, sein Entschluß wurde von Raßmus durch günstige Winde und noch zu ertragende Stürme belohnt. Andere Yachten, welche die nördlichere Route wählten, waren zwar schneller, aber auch weniger komfortabel unterwegs. Jeden abend war Funktermin auf KW mit Yasmin und Christian. Sie segelten mit ihrer Stahlyacht einen ähnlichen Kurs, gesehen haben wir uns aber erst auf den Azoren! Über KW-Amateurfunk haben wir auch Kontakt nach Deutschland bekommen, und mit unseren Familien sprechen, bzw. Nachrichten zukommen zu lassen. Natürlich ganz kostenlos!
Nicht immer war es möglich im Cockpit zu frühstücken!
Es hat nämlich keinen Sinn gegen das Wetter anzukämpfen, man muss das Bordleben mit dem Wetter gestalten!

Wale vor den Azoren!
Viele andere Segler haben sie gesehen, die Wale vor den Azoren. Wir mußten uns mit Dephinen, fliegenden Fischen, Leuchtalgen und spanischen Galeren begnügen! Die Leuchtalgen waren übrigens echt klasse, vor allem nachts in der Bordtoilette. Es sah toll aus, wie dutzende kleiner grüner Leuchtpunkte in der Schüssel beim Spülen strudelten...
Im Morgengrauen, nach 14 Tagen Fahrt und über 2000 zurückgelegten Seemeilen tauchten schwarz, hoch, bedrohlich und Sicherheit gebend zugleich die Azoreninsel Fayal am Horizont auf. Ich wusste nicht, ob ich mich freuen sollte.... endete doch nun mein Transatlantiktörn...

Zwei wichtige Dinge bei der Ankunft in Horta:
Das Hissen der Azorenflagge (war leider erst nach dem Landfall möglich, weil wir keine Azorenflagge dabei hatten) und ein Besuch in Peter´s Cafe Sport. Die Lucky-Freiheitstatue war eine Geste des Dankes an den Arbeitgeber meines (nur gelegentlich rauchenden) Skippers wegen der großzügigen Urlaubs- und Arbeitszeitregelungen.