Ein Besuch in Costa Rica bei TI2HMG
Reisebericht von Bob - N4CD

Ich hatte eine Reise nach Costa Rica geplant mit Aufenthalt bei Henry, TI2HMG (ti2hmg@qsl.net) und seinem B&B, 20 km westlich von San Jose, der Hauptstadt des Landes. Henry holte mich am 4. April ab und wir fuhren direkt zum Büro der nationalen Radiokontrollbehörde um den TI2 Papierkram zu erledigen. Ich plante einen Aufenthalt von 2 Wochen und auch ein paar Touren durchs Land. Ich war auf    VP2E und VP5 gewesen und hatte grosse Hoffnung, dass dieser Urlaubs-QTH genausogut sein würde. Seit  10 Jahren hatte ich mich nicht mehr als DXer betätigt.

Es war sehr einfach, die Gastlizenz zu erhalten. Alles was man brauch ist die Originallizenz, den Reisepass und eine Kopie von beiden, die ins Archiv wandern.  Henry hatte dies einige Male vorher getan, daher ging es schnell und reibungslos. Ich bekam das Call  N4CD/TI2. (die Region 2 steht für die Provinz San Jose, gleich dem Verfahren in den USA)

Wir kamen zu Henry’s kleinem Hotel, in einem Dorf, 15 km südwestlich des Flughafens. Er lebt hoch auf einem Hügel mit 50 km Sichtweite nach Osten, Norden und Westen. Vom Shack hat man einen grossen Panoramablick von über 180 Grad bis zu den Bergketten der Vulkane. Grossflächige Fenster rundherum mit fantastischen Ausblicken. Man könnte stundenlang auf dem Balkon sitzen und die Aussicht geniessen! Ich schloss mein Funkgerät an (IC706) sowie mein Netzteil (Astron 30 Amp. Schaltnetzteil), Keyer (Shurr Mobile Paddle), MFJ Mobiltuner, und war bald in der Luft.

corridor.jpg (13928 Byte)

Ich hatte vielleicht die schlechtesten Bedingungen des ganzen Jahres gewählt um HF zu arbeiten. Die Leute berichteten mir von den grossen X-Flares, den grössten seit 25 Jahren, geomagnetischen Stürmen mit Auroras in Mexico (sehr sehr ungewöhnlich), und dass die Bedingungen sehr schlecht wären. Jedoch ist der beste Platz bei schlechten Bedingungen ein Standort in niedrigen Breitengraden und wenn man hauptsächlich Nord-Süd Propagation hat, findet man immer jemanden für ein QSO. Es schien als ob viele OMs tagelang fast nichts auf den HF-Bändern hörten, während ich Tag für Tag 500 und mehr Stationen  arbeitete. Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort, sogar unter diesen schlechten Bedingungen.

Die Antennen von TI2HMG sind eine 2-Element Lightning Bolt Quad die das 10,12,15,17, und 20 Meter Band abdeckt. Es ist besonders schön, dass man die WARC-Bänder abdecken kann, da nur wenige HAMs aus TI diese Bänder benutzen und noch weniger auf CW. (im Klartext: laufend Pile Ups). Für 30,40, und 80 Meter sind Dipole vorhanden. Ich brachte meinen Mobiltuner mit, da diese für den SSB-Teil der Bänder ausgelegt sind. Henry’s FT890 hat einen eingebauten Tuner, der dies bequem übernimmt.

bob.jpg (40149 Byte)

Während der nächsten 13 Tage arbeitete ich mehr als  9320 Stationen in SSB und CW, von 10 bis 80 Meter. Die meisten Kontakte waren auf 10 und 12 Meter, wo ich mindestens 8 bis 10 Stunden täglich Propagation hatte, sogar als ich unterhalb von 15 Meter einige Stunden nichts hörte. Ich arbeitete Hunderte auf 12  Meter (CW und SSB), 15 Meter (CW/SSB), 20 Meter (CW/SSB), 40 Meter (CW), und einige auf 80 Meter in CW. Alles was ich zu tun hatte, war ein oder zweimal CQ zu rufen, was sofort ein Pile-Up von 3 Stunden oder länger erzeugte. "Begehrt" zu sein, erzeugt einen unglaublichen Adrenalin Rausch. Nach 10-12 Stunden täglich mit 500 bis 700 Kontakten im Logbuch ist man ziemlich erschöpft.

mvc-130s.jpg (18026 Byte)

Meine armer kleiner IC706 mit dem 500 Hz Filter hatte es schwer, die vielen sehr lauten Signale auf 20 Meter auszusortieren. Bereits nach einigen Minuten stellte ich fest, dass ich meist CW-Splitbetrieb machen musste, damit die andauernd rufenden OMs nicht ein Chaos in meinem Empfänger erzeugten. Als ich jedoch den ersten OM ein oder zwei Khz weiter oben bediente, stellten sich sofort 20 oder mehr Stationen darauf ein und riefen erneut. Da war absolut nichts zu verstehen – das S-Meter schien bei   40 über S9 festzuhängen....ich drehte ein wenig daneben und ein schlauer OM, der 500 Hz oberhalb rief, erhielt meinen Anruf….anschliessend stellten sich sofort wieder Dutzende OMs auf die neue Frequenz ein und ich musste erneut weichen, um einen anderen heraushören zu können. Dies passierte meist auf 20 Meter – vielleicht treiben sich dort mehr DXer herum? Oh, wie ich mich nach einem   FT1000 mit 250 Hz Kaskadenfilter und CW Peakfilter sehnte, mit dem ich die Sache ausfiltern könnte! Aber andererseits wiegt der IC706 nur etwa 3 kg und der FT1000 wiegt etwa 30 kg, kaum als Handgepäck geeignet!

Ich betrieb den IC706 mit 100 Watt auf SSB und drehte bei CW auf 50 Watt zurück. Ich wollte ihn nicht zu sehr beanspruchen – er sollte durchhalten – und ich machte CW für 3 bis 5 Stunden im Stück. Ich benütze ein Shurr Mobilpaddle, welches normal zum County Hunting dient und auf einem kleinen Stück Holz montiert ist. Bevor ich ein sehr schweres Paddle verwende, benutze ich dies und lege einfach etwas schwerer obenauf, wie zum Beispiel ein Netzteil oder eine 2 Liter Wasserflasche! Ich verwendete das IC706 mobile Handmikrofon. Alle meine Geräte fanden im Handgepäck Platz.

Henry hat einen FT890 und einen SB220 Verstärker, zieht es aber vor, wenn die Leute eigene Geräte mitbringen, da in Costa Rica wenig Aussicht auf Reparatur besteht. Ich habe nie mehr Power benötigt. Jeder sagte mir, ich sei auch mit meinen 100 Watt sehr laut. Ich habe meinen eigenen Transceiver benutzt, da ich damit vertraut bin und die Modulation sowie CW-Betrieb nach meinen Wünschen eingestellt ist.

Es war schön, als "DX-Station" begehrt zu sein. Ich lebe in Texas und an vielen Tagen hört man einfach nur Stationen, die 2500 km weit weg sind, was bedeuted, Stationen aus der Karibik oder Mittel- und Südamerika. Oft hört man nur drei von ihnen und ich bin dann einer von 1000 US Hams, die danach rufen. Es ist eigentlich nicht nötig zu erwähnen, wie viel man zutun hat, wenn man einmal einer von den dreien ist!

Ich arbeite nicht sehr viel in CW ausser beim County Hunter Net (gewöhnlich so etwa 25 Wörter pro Minute), und vielleicht ein oder zweimal im Jahr im ARRL SS wo ich 100-200 Stationen arbeite. Die ganz Schnellen mit 40-50 Wörtern pro Minute haben wohl lange gerufen, da ich über 30 Wörtern pro Minute nicht mehr viel aufnehmen kann – es geht zum einen Ohr rein und geht verloren. Ich musste öfters "QRS 30 WPM" senden, um sie zur langsamen Gebeweise zu überreden. Nach einigen Stunden in CW ist mein Gehirn schon herausgefordert, wenn es nur 25 Wörter pro Minute lesen muss, hi hi! Bei Statik war es manchmal sogar in diesem Tempo recht schwer für mich. (im April beginnt die Regenzeit und damit verbunden das QRN, welches manchmal S7 betrug auf 30/40 Meter). Wenn die Pile-Ups nicht so stark waren, konnte ich mit Leichtigkeit 100 Stationen nacheinander arbeiten. Und es riefen immer noch 100 weitere! Wenn ich im DX-Cluster erschien, kamen innerhalb 5 Minuten 50 bis 100 OMs aufs Band.

Zahlreiche interessante Stationen wanderten ins Log, wenn auch für mich nur Counties zählten, die man von jedem Ort und unter jedem Call arbeiten kann und die angerechnet werden! So verbuchte ich viele neue Counties auf CW. Ob ich aufgeregt war, als ich von BA4RF angerufen wurde??? Oder von 4K1? Ich hatte seit beinahe 20 Jahren kein DX gemacht und konnte so Hunderte neuer Prefixe sammeln, die ich nie zuvor gehört oder gesehen hatte. War T88T ein  gültiges Call? Ich habe es so verstanden. Ich arbeitete sie und trug sie ein. Einige sehr merkwürdige Calls im Logbuch, aber ich bin überzeugt, dass ich von mindestens 1000 eine QSL-Karte erhalte.

image2.jpg (24061 Byte)

Der Tag begann mit einigen Kontakten gegen 6:30 Uhr Ortszeit, bevor es zum Frühstück an den reichhaltig gedeckten Tisch von Henry’s B&B ging. Nachdem ich mich mit allerlei frischem Obst, Brot, Ei, Schinken, Käse, Saft und einigen Tassen Kaffee aus Costa Rica abgefüllt hatte, ging es zurück ins Shack um die Welt zu arbeiten. An vielen Tagen waren die HF-Bedingungen gleich null auf den Bändern unterhalb von 12 Meter durch die schlimmsten Flares seit 25 Jahren und grössere geomagnetische Stürme. Gewöhnlich kamen 15 und 20 Meter am Nachmittag und 20 blieb oft offen bis um Mitternacht. Fast täglich gab es Bandöffnungen nach JA auf 10 und 20 Meter und ich arbeitete dann Japaner, solange es die Bedingungen zuliessen. Hunderte und Hundreds von  JA-Calls im Logbuch, meist auf CW, aber viele auch in SSB. Etwa 1000 Europäer im Logbuch.

Zum Abendessen ging ich 5 Minuten den Berg hinab zu einem einheimischen Restaurant genannt "Paso Fino", wo ich oft gegessen habe. Dieses Lokal hat ebenfalls die "Millionen Dollar" Aussicht. Man sieht in  15 km Entfernung die Flugzeuge starten und landen und erfreut sich an den 100,000 Lichtern des Zentraltals. (Abendessen kostet etwa $7). Danach dauerte es 15 Minuten, bis ich den Berg wieder oben war. Einmal nahm mich Henry mit in die Stadt, um ein wenig Knabbereien und Ansichtskarten zu kaufen und den Ort kennenzulernen. Von seinem Dorf aus geht ein Bus in die Stadt oder nach San Jose. Henry vermittelt auch Touren, die sein Nachbar durchführt und die zu den beliebtesten Zielen des Landes führen, denn er betreibt im Hotel auch ein Reisebüro.

Ideal also, wenn man nicht laufend QRV sein will und auch den Regenwald, die Vulkane, die Strände und vieles mehr kennenlernen möchte. Sein Reisebüro, auch "Costa Rica Info Center" befindet sich mit über 500 Seiten Online im Internet:
www.costaricareisen.com/index.htm

Wenn einem einmal nach Fast Food zumute ist, dann liefert Pizza Hut direkt an die Haustür! (mit dem Motorrad). Verlangen sie die "Supremo" oder "Super Supremo" – mit einem extra kick! Anderenfalls gibt es 2 Restaurants in kurzer Entfernung zu Fuss und weitere gute Restaurants, die mit einer billigen Busfahrt zu erreichen sind. Oder aber Henry kocht für euch! Fragt ihn einfach!

Henry und seine Familie betreiben ein schönes B&B und wenn sie nach einem guten Platz suchen, um ein traumhaftes Land zu besuchen, in dem vieles billig ist, dann sollten sie hierher kommen. Die Quad macht Power und man kann soviel oder sowenig Kontakte machen, wie man möchte.

Ich traf einige der anderen Gäste seines B&B. Manche kommen für ein paar Tage, andere für ein paar Wochen. Henry besorgt ihnen einen Leihwagen, der nach dem Frühstück kostenlos angeliefert wird, wenn man auf eigene Faust reisen will. Busse sind billig und fahren regelmässig.

mvc-116s.jpg (30613 Byte)

Ich habe es noch nicht genau überprüft, aber es sieht so aus als ob ich über 90 Länder gearbeitet habe, alle US Staaten, und weit über 9000 QSOs in 13 Tagen. Eine sehr erfolgreiche Zeit am Radio. Die Zeit der Rückreise kam schnell. Ich bin sicher, dass andere Henry besuchen werden und von diesem QTH starke s Signale senden, so falls sie mich verpasst haben sollten, gibt es sicher in naher Zukunft viele Gelegenheiten. Nächstes Jahr komme auch ich erneut für ein oder zwei Wochen nach Costa Rica. Es ist ein faszinierendes Land mit freundlichen Leuten, vielen Aktivitäten, und günstigen Preisen. Was könnte man mehr erwarten?

TOTAL-QSOs

Band SSB CW
80 - -
40 - -
30 - -
20 - -
17 - -
15 - -
12 - -
10 - -
Total 9230

Please visit:
crreisenlogo.gif (8020 Byte)

copyright © by TI2HMG