Bericht über das Frühjahrstreffen der SDXG in Ötisheim am 27. April 2002

 

Um 13.30 Uhr begrüßte der Präsident DJ5JH im Nebenzimmer des gediegenen Gasthofs Krone, den unser Peter DL3OH für uns ausgesucht hatte, die mit 35 Teilnehmern unerwartet zahlreich erschienen Mitglieder, Gäste und Refe­ren­ten, zusätzlich weitere 10 XYLs  und YLs, die sich bald darauf zu einer Besichtigung des nahegelegenen Klosters Maulbronn ver­abschiedeten. Besonders erfreulich war die Anwesenheit von Walter DJ5DA, der als Grün­dungsmitglied der SDXG unserer später verabschiedeten neuen Satzung seinen Segen mit­geben konnte.

DJ5JH berichtete über die Aktivitäten des SDXG im vergangenen Jahr:

Das 30. Jubiläum der SDXG im vergangenen März 2001 ist zwar unbemerkt vorüber­ge­gan­gen, nichts desto trotz aber war es für uns ein sehr erfolgreiches Jahr.

Die Steigerung der Treffen auf 2 pro Jahr ist problemlos akzeptiert worden, der Be­such hat nicht nachgelassen, im Gegenteil, wie der heutige Tag wieder zeigte; der Spaß den wir hat­ten hat sich auch verdoppelt. Erfreulich ist die bereitwillige Mitarbeit verschiedener Mitglieder und deren XYLs, wenn es um die örtliche Organisation der Treffen geht, was der Vorstand aus der Ferne nicht arrangieren könnte.

Im Herbst am 17.11. 2001 in Unteröwisheim war ein Höhepunkt in der Vereins­geschich­te, an dem wir  mit dem Vortrag von DJ6SI einen ganz Großen der DX-Szene ken­nen­­­gelernt ha­ben, kongenial der technische Vortrag von DL6IAK über PSK31. Dem­entsprechend gut war auch der Besuch der Veranstaltung, die von Wolf-Dieter und seiner XYL spitzenmäßig vor­bereitet war. Über PR bzw Internet kamen meh­rere lobende Bemerkungen von Nichtmitglie­dern. Daß DL1YFF vom Vorstand des DARC bei uns war ist auch nicht ganz un­interessant.

Das DX-Geschäft weltweit boomt: Im Gegensatz zu der beklagten Überalterung der DX-Szene ist weltweit in Sachen DX mehr los als jemals sonst in den letzten 40 Jahren. Die Al­ten haben zwar Falten, aber sie schalten und walten... Die neuen Betriebsarten wie PSK31 ziehen vielleicht Aktivität von den CW und SSB-Frequenzen ab, aber sie stellen eine Berei­cherung dar, die wiederum die Attraktivität des Amateurfunks für die computer­versessene Jugend erhöht. Auf 28120 Khz sind in PSK31 oft mehr und bessere Sachen zu hören als gleichzeitig weiter vorne in CW.

In diesem Sinne ist es dringend notwendig, daß das Interesse des Nach­wuchses an DX mit allen Mitteln gefördert wird. Die ersten OV gehen schon an Mitglie­der­schwund zugrunde, weil sie keinen Nachwuchs haben und für die Ausbildung nichts, aber auch gar nichts unter­nommen haben. Es geschieht ihnen recht! Wir müssen etwas tun, damit es uns nicht genau so ergeht. Sorgt in Eurem OV dafür, daß über das Dxen gesprochen wird. Es darf keine Ge­heimwissenschaft werden, sondern muß die Grundlage des gesamten Amateur­funks blei­ben. Oder wie es WW0E in einer email anläßlich unseres Termins an den Präsidenten ge­schrieben hat: DX-the natural propagation!

Die Schwierigkeiten, die wir mit dem Aufbau un­serer Antennen haben, das Erfor­dernis einer Standortbescheinigung für neu Lizen­zierte, das Internet mit all seinen Verlockungen, all dies sind Hindernisse, die nun mal bestehen. Sie können aber über­­wunden werden: Nicht alle Jugendlichen sind solche Schlaffies, die nur passiv im Net surfen wollen, ohne sich über die dahiner stehende Technik Gedanken zu machen, weil alles von alleine läuft. Mit 20 Watt PSK31 gibt es keinerlei Schwie­rigkeiten hin­sichtlich Grenzwerten oder Standortbescheini­gung, selbst der in seiner Dachbude in einem Wohn­block funkende OM kann mit PSK31 alle Grenzwerte leicht einhalten und trotzdem gutes DX arbeiten; auch könnten mehr gemein­same Field-day- und Expeditions­tätigkeiten unter­nommen wer­den. Vor allem Conteste sind bes­tens ge­eig­­net, den Nachwuchs ins DX Geschäft einzuführen.

Besonders erwähnenswert ist unter diesem Aspekt der heutige Beitritt eines 19-jährigen; Jan, DL7JAN wurde unser jüngstes Mitglied und erhielt, weil die Satzung derartiges nicht einmal in Erwägung zu ziehen gewagt hatte, als Azubi eine Beitragsermäßigung auf die Hälfte.

Nun zu unserem Arbeitsfeld, der Ionospäre:

Das Winterhalbjahr brachte nochmal exzellente Bedingungen bis hinauf auf 6 m, aber nicht alle in DL dürfen dort arbeiten. Es gab offenbar im 23. Sonnenflec­ken­zyklus ein zweites Hoch, gewissermaßen war es ein Sonnenflecken-Kamel mit zwei Höckern, somit ein Son­nenflecken-Trampeltier.

Noch nie in den vergangenen 40 Jahren gab es eine derartige Häufung von attraktivem DX auf den Bändern wie in diesem Winter/Frühjahr.

Am 23.12. konnte um 12 MEZ KH6ZM auf 40 m cw in Süddeutschland garbeitet werden, was sonst nur die Nord­europäer können.

DL9HCU war mit qrp-5 Watt als ZK3HC aus dem fernsten Pazifik qrv und in Süddeutschland zu arbeiten, später auch von ZK1.

Ducie wurde mit VP6DI endlich aktiv, wenn auch nicht mit den besten denkbaren SSB-OP. Die gleichzeitig tätige Mannschaft bei XR0X hat weitaus bessere Arbeit und 70 K QSO ge­leistet. Unser Mitglied Franz DJ9ZB war mit dabei, er wäre ein wirklicher Gewinn für den SSB-Betrieb auf Ducie gewesen, wo in SSB oft gemütlicher Südseeinsulanerplausch statt­fand.

P5/YT1AD wurde der fast erwartete große Reinfall.

Wohl als Reaktion auf dieses Verhalten der Nordkoreaner hat dann die ARRL den Betrieb von 4L4FN/P5 fürs DXCC anerkannt, ätsch...

EP3PTT bzw. später EP3UN durch LA7JO war in cw und auch auf allen WARC-Bändern gut zu erreichen.

VP8TUH auf SSI, VP8GEO auf SG brachten zusammen 70k QSO heim, obwohl sie nur mit low power und aus einer der entferntesten und unwirtlichsten Weltgegenden arbeiteten.

ZL1AMO hat seinen Rücktritt vom Dxpeditioning auch schon rückgängig gemacht und war wieder als 3D2RW qrv, oder zählt das für ihn gar nicht als Expedition?

Ende Februar waren so viele gesuchte Raritäten gleichzeitig aktiv wie noch nie, erwähnt seien nur PW0T, TI9M, A52OM, S07X Baldur für einen einzigen Tag und S07V, CE0Y/DM5TI, 5W0DA, VP8SIG, ZY0SAT, 3XY6A, daneben noch KG4NW, sdogar in PSK31 zu arbeiten, mehrere andere KG4, vielleicht zur Betreuung der afghanischen Desperados dort, DM5TI von der Osterinsel sogar in SSTV zu sehen, H7DX durch DL7CM ging fast unter in diesem Raritäten-Reigen, DL7AFS und ihr OM DJ7ZB waren von H44 und H40T aktiv, dazu kam dann auch unser Roland V51LK mit Konkurrenz von V51/SP6IXF, alles  an einem Nachmittag zu arbeiten.

Die üblichen DX-Frequenzen auf den Bändern waren öfters von mehreren Stationen gleich­zeitig in Anspruch genommen, die nichts von einander hörten.

Ein OK hat im Cluster gemeldet, daß er TI9M und PW0T mit einem Anruf gleichzeitig gear­beitet hat, weil beide auf einer QRG sassen und ihm auf einen Anruf beide geantwortet ha­ben. Das Energiesparen setzt sich auch im DX-Betrieb durch...

 

Von Dxpeditionen unserer Mitglieder kann die IOTA-Aktivität von DH8IAT Thomas erwähnt werden, die von Frank DL2CC nach A61AJ und CT9, wo ihm leider die Videokamera und ein schöner 90-Minuten-Film gestohlen wurden, den wir deshalb nie zu Sehen bekommen wer­den, J5X durch Markus DL1IAN und Baldur, wo unsere PA wieder schlapp gemacht hat, und DJ5JH wiederholt von SV3 bzw. J43J, ferner ist Roland als V51LK für längere Zeit qrv ge­worden vor allem auch low bands.

 

Gesponsort haben wir DH8IAT/VE, T5X, J5X, D68C, S07X und XR0X.

Der neue SDXG-QSL-Karte lag im Entwurf und gedruckt für DF3IS vor und konnten begut­achtet werden. Wer Interesse hat, soll sich mit dem Theuberger-Verlag (QSL-Shop) in Ver­bindung setzen.

Sodann erstattete der Kassier Wolf Dieter DK4IO seinen Kassenbericht, der einen recht er­freulichen Kassenbestand offenbarte. Walter DJ5DA stellte als einer der Kassenprüfer die ordentliche Kasenführung fest, und der Kassier wurde einstimmig entlastet.

 

Sodann wurde die von DJ5JH entworfene neue Satzung diskutiert. Die Mehrheit entschied sich für einen Jahresbeitrag von 15 EUR. Sie wurde einstimmig angenommen und ist ab sofort auf der Homepage nachzulesen.

 

Fridhelm DF1IC erstattete seinen schon zur Regel gewordenen "ewigen" Bericht über die Lage an der PLC-, EMV- und Herzschrittmacherfront, wo wieder alles im Fluß ist und Voraussagen nicht möglich sind. Weiterhin gilt, bei der RegTP keine Selbsterklärungen abzugeben, man kann sich nur Nachteile einhandeln. PLC befindet sich zwar auf dem absteigenden Ast, die neuen Nutzer bemerken schon, daß die Übertragungsrate via Netz­leitung abends bei großem Benutzerkreis beträchtlich absinkt. Vor allem in Mannheim wird aber der Versuch vom Versorgungsunternehmen MMV weiterbetrieben. Auch die im Vordrin­gen befindliche Hausvernetzung über die Netzleitung muß im Auge behalten werden, weil sie Störungen beim benachbarten Funkamateur verursachen wird.

Sodann berichtete unser Mitglied Herbert DL2DN über die bis vor den Krieg zurückreichende Geschichte des größten europäischen DX-Contests WAEDC, den er 16 Jahre lang als Refe­rent des DARC betreut hat. Sein vom Beamer mit zahlreichen Schaubildern anschaulich unterstützter Vortrag fand reges Interesse und ließ erahnen, welche Arbeit er als Referent hinter den Kulissen auf sich nehmen mußte, die Attraktivität des Wettbewerbs für die welt­weite DX-Gemeinde aufrecht zu erhalten, um mit den anderen großen Contesten Schritt zu halten.

Sodann berichtete Thomas DF2BO, in der Nähe in Pforzheim ansässiger Hersteller der neuen Antennenreihe Optibeam, über seine computergestützten Entwicklungen dieser seit etwa einem Jahr auf dem Markt befindlichen Yagis und gab uns dabei interessante Einblicke in die Arbeitsweise des Antennenevaluierungs­programms EZNEC. Seiner Ansicht nach ist die von ihm erreichte möglichst starke vertikale Bündelung des Strahlungsdiagramms ein ganz wesentliches Element zur Erzielung bestmöglicher Gewinne einer Richtantenne.

Zum Schluß, als sich die vom Kloster Maulbronn zurückgekehrten XYLs und YLs wieder eingefunden hatten und für beträchtliche Enge im jetzt überfüllten Saal sorgten, befriedigte Thomas DH8IAT mit einem schönen Diavortrag über seine letztjährige IOTA-Expedition auf drei ost­kanadische Inseln im Bereich vor Nova Scotia unser Fernweh. Die an Skandinavien erinnernde Landschaft und das dazugehörende eigenartige Licht waren ein schöner Aus­klang der vier­stündigen Tagung in Ötisheim, auf der drei neue Mitglieder ihren Beitritt erklärten.

Die Herbstagung wird voraussichtlich im November stattfinden.