OE6TKT
Thomas Kuschel
Home
Nach oben

Make this your homepage  OE6TKT als Ihre Homepage

PGP-Schlüssel

Die Geschichte von dem flinken Eichkätzchen

Es war einmal ein sehr kluges, sehr flinkes Eichkätzchen, das lebte in den Bäumen in einem besonderen Wald. Sein liebster Baum war die Eiche.
Mächtig stark war sie und gab ihm einerseits Schutz, andererseits einen guten Ausblick und Weitblick, da es eine sehr alte, hochgewachsene Eiche war.

So trug es sich zu, daß auch heute das Eichkätzchen auf den Aussichtsbaum kletterte und in die Ferne blickte. Wie wunderbar doch die Welt von hier oben aussah. Friedvoll zwitscherten die Vögel in den Baumwipfeln, die sich im sanften Wind wiegten. Die Sonne strahlte das Eichkätzchen an, gerade angenehm zwischen den schattenspendenden Ästen. Ein Gefühl der Liebe für alle Wesen um es herum durchfuhr ihn. Er wünschte sich, es könnten alle so fühlen, wie es selbst, Friedolin, das Eichkätzchen.

So mochte Friedolin die Erde, in ihrer ganzen Hingabe an das Licht und den Dienst an Gott, er selbst verbunden mit allen. Und das war es auch, was ihn beschäftigte - würde er die Aufgaben Gottes erfüllen können? Oder - was waren überhaupt seine Aufgaben in dieser Welt?
Sicher war er, daß er im Augenblick einer friedvollen Hingabe an die Natur sich im Einklang mit Gottes Licht und Leben befand - und was war außerhalb dieser Ruhe?

"Geh´ vom Baum und sieh nach, was dein Bruder macht!" hörte er eine Stimme.
Da er seinen Impulsen folgte, war er schnell vom Baum herunten und folgte seinem Herzen. Bald war er an einer Wegkreuzung angelangt und sah, daß ein anderes Eichkätzchen seinen Schwanz eingeklemmt hatte. "Warte, kleiner Bruder, ich hole sofort Hilfe!" rief ihm das Eichkätzchen zu.
"Nein, ich kann nicht so lange warten, schnell, großer Bruder, beeile dich! Befreie mich, sonst spüre ich bald nichts mehr, die Nerven sind bestimmt abgeklemmt!"

Friedolin zog mit seiner ganzen Kraft, doch es wollte ihm nicht gelingen, das Eichkätzchen zu befreien.
"Schnell, so mach doch endlich etwas!" verzweifelt jammerte der Kleine.
Von neuem packte Friedolin zu, und ... vergeblich. In seinem Inneren wußte er, daß er es unbedingt schaffen wollte, und so sagte er dem kleinen Max: "Höre, Max, ich schaffe es nicht alleine. Ich brauche Hilfe." Und als Max widersprechen wollte, fiel Friedolin ihm ins Wort. "Ich brauche auch deine Hilfe, Max! Nimm deine ganze Gedankenkraft zusammen und glaube an mich, und vor allem daran, daß ich jetzt jemanden finde, der dir hilft."

Und so geschah es, daß die beiden Eichkätzchen, alle beide enorme Gedankenkräfte freisetzten und sich Hilfe herbeidachten. Und gleich um die Ecke fand Friedolin auch den alten Käfer. "Alter Käfer, du mußt mir helfen! Max hat sich verklemmt!" schrie Friedolin ihm entgegen.
"Ach, was ich kann, ist höchstens einen runden Rücken machen, ich komme nur langsam vorwärts. Doch wenn du noch ein Stück an der Waldlichtung entlanggehst, dann triffst du größere Tiere.

Friedolin war froh, endlich ein größeres Tier, sprich ein Reh gefunden zu haben. Er forderte es auf, ihm geschwind zu folgen.
Max war schon ganz rot im Gesicht, und das hieß etwas bei einem braunen Eichkätzchen. Friedolin erkannte die Situation und gab das Kommando. Und dank seiner klaren und hellen Angaben schafften sie es. Für diese Ausnahmesituation setzten sie enorme Kräfte frei und befreiten das kleine Eichkätzchen. Dankbar fiel Max seinem großen Bruder in die Arme.
"Wenn du nicht gewesen wärst... vielen, vielen Dank!"
Auch das Reh bedankte sich bei Friedolin für seine präzisen Angaben. So hatte es die Möglichkeit gehabt, schnell zu handeln, wie es die Situation auch gefordert hatte.

Friedolin ging mit einem erfüllten Herzen nach Hause. Er hatte das Gefühl, das Richtige getan zu haben, Gott nahe gewesen und noch immer nahe zu sein. Ja, das war es auch, was er tun wollte, er wollte das Gute tun, egal, was es auch sei, was auch immer eine Situation erfordere, um das Gute, Gottes Wahrheit entstehen zu lassen. Ganz fest sagte ihm das sein Herz. Und dann konnte er ein sinnvolles, zutiefst erfülltes Leben leben, wie er es wollte.
Frieden, Liebe, Freiheit im Geiste, Gnade und Dankbarkeit - das waren nur wenige der Begriffe, die noch vielen fremd geworden waren. Daß sie wirklich existierten, das konnte er beweisen und in den anderen erwecken. So mußte es wohl sein. Das war wohl sein Auftrag in dieser Welt.

Er wollte es schaffen, den Frieden und die Liebe auszudehnen in sich und in den Wesen, die ihm begegneten, das nahm er sich fest vor und er wußte auch, daß es ihm gelingen würde...

(März 1998 © Copyright Ute Kuschel)