Funkpionier und Erfinder der Braunschen Röhre
(„Fernseh-Röhre“)
Ferdinand Braun war ein Experimentalphysiker der wilhelminischen Zeit. Er hat über Thermodynamik, Elektrochemie und elektrische Instrumente gearbeitet. Wichtige Entdeckungen und Erfindungen waren der Gleichrichtereffekt bei Halbleitern, die braunsche Röhre und der gekoppelte Sender in der drahtlosen Telegrafie, für den er 1909 gemeinsam mit Marconi den Nobelpreis erhielt. Braun war ein entschiedener Befürworter der von Felix Klein geforderten universitären Technikwissenschaft.
Dass Braun ein Physiker der wilhelminischen Zeit war, gilt zunächst einmal in einem ganz wörtlichen Sinn: die Zeit seiner professionellen Karriere deckte sich ziemlich genau mit der Existenz des deutschen Kaiserreichs.
Aber auch in einem übertragenen Sinne war er ein Physiker der wilhelminischen Zeit. Braun gehörte zu den letzten wichtigen Vertretern jener Generation von Physikern, die die Institutionalisierung der Physik in Deutschland getragen hatte. Seine Karriere spielte sich in genau den Feldern ab, die für die sich allmählich professionalisierende Physik in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts typisch waren: er arbeitete zunächst als Gymnasiallehrer, was für die meisten Absolventen eines naturwissenschaftlichen Studiums die wichtigste berufliche Perspektive bot, dann durchlief er eine Universitätskarriere mit den üblichen Stufen außerordentlicher Professor für theoretische Physik und ordentlicher Professor für Experimentalphysik.
Auch seine wissenschaftliche Arbeit bewegte sich zunächst im Rahmen
des Üblichen. Er beschäftigte sich hauptsächlich mit elektrischer
Leitung, insbesondere Elektrolyse, mit der Theorie der Galvanischen Ketten
und damit in Zusammenhang stehenden Fragen der Thermodynamik und der Meßtechnik.
Das Einzige, was von diesen Arbeiten von heute aus betrachtet eine wesentliche
Entdeckung wäre - die unipolare Leitung oder Gleichrichterwirkung
von einigen metallisch leitenden Stoffen (den heutigen Halbleitern) - war
damals nur eine Kuriosität, die man weder erklären noch anwenden
konnte. Dies änderte sich erst kurz vor der Jahrhundertwende. Durch
eine äußere Anregung kam Braun 1898 dazu, sich mit dem Gebiet
der drahtlosen Telegraphie zu befassen, dem er einige entscheidende Impulse
gab und das seine gesamte weiter Arbeit dominierte.
Studium und Assistentenzeit
Nach dem Abitur 1868 in Fulda begann Ferdinand Braun sein Studium im benachbarten Marburg, wechselte aber nach zwei Semestern 1869 nach Berlin, das mit Magnus und dem Kreis um die Berliner Physikalische Gesellschaft eines der Zentren der Physik war. Er erlebte dort die letzten Semester von Magnus und auch die erste Zeit von Helmholtz, der prägende Einfluss war aber Hermann Georg Quincke, ein Schüler des Königsberger Physikers Franz Ernst Neumann.
Eigentlich wollte Braun, wie schon seine Brüder vor ihm, nach zwei Semestern in Berlin nach Marburg zurückkehren um dort sein Studium zu beenden. Nach Ablauf dieser Zeit hatte aber Quincke eine Professur an der Gewerbeakademie Charlottenburg erhalten und konnte Braun als Assistenten einstellen, was einen großen Teil von Brauns Lebenunterhalt im teuren Berlin sicherte und es ihm ermöglichte, in Berlin zu bleiben. 1872 wurde er mit einer unter Quinckes Anleitung angefertigten Arbeit über die Schwingungen von Saiten an der Universität in Berlin promoviert. Als Quincke im gleichen Jahr einen Ruf nach Würzburg erhielt, folgte Braun ihm dorthin als Assistent.
Die Kennzeichen der Tradition, in der Braun dadurch stand, sind bereits
häufig beschrieben worden. Das Physikstudium hatte hauptsächlich
die Aufgabe, Gymnasiallehrer auszubilden, und der fachwissenschaftliche
Charakter des Studiums wurde vor allem über die wenn auch nicht ungebrochene
Berufung auf die Ideale der humboltschen Bildungsreform gerechtfertigt.
Im Zentrum der physikalischen Arbeit stand eine um den von Kathryn Olesko
so genannten "Königsberger Ethos der Exaktheit" aufgebaute experimentelle
Praxis, die Ausbildung der Studenten wurde durch das mathematisch-physikalische
Seminar und die damit verbundene eigenständige experimentelle Arbeit
der Studenten geprägt.
Lehrer an der Thomasschule in Leipzig
Als sein Lehrer Quincke 1874 einen Ruf nach Heidelberg erhielt, zog Ferdinand Braun es vor, wie praktisch alle Absolventen eines Studiums der Physik als Gymnasiallehrer zu arbeiten, statt weiter in der vagen Hoffnung auf eine bessere Stelle für ein minimales Gehalt an der Universität zu bleiben. Er bewarb sich auf eine Stelle an der Thomasschule in Leipzig, sicher auch, weil Leipzig ein wichtiges Physikalischen Institut besaß und er hoffte, sich dort habilitieren zu können. Die Fortsetzung der wissenschaftlichen Arbeit gehörte zum Selbstverständnis eines Physiklehrers, zumal sie auch für eine Karriere im Schuldienst hilfreich war.
Neben seiner Lehrtätigkeit im Umfang von zwanzig Stunden in der
Woche und seiner wissenschaftlichen Arbeit hat Braun sich in dieser Zeit
auch mit der Popularisierung der Naturwissenschaften beschäftigt.
Er hat im Volksbildungsverein einen Kurs in Physik gegeben, bei dem er
sicherlich auch hoffte, dass ihm dies später als Lehrerfahrung anerkannt
werden würde. Außerdem hat er in dieser Zeit sein einziges größeres
Buch veröffentlicht, das den Titel "Der junge Mathematiker und Naturforscher"
trug. Es war eine populär gehaltene Einführung, die den "echten
Jungen", die an den Zusammenhängen interessiert waren, einen Überblick
über die Zusammenhänge von Mathematik und Naturwissenschaften
geben sollte.
Außerordentlicher Professor für theoretische Physik
Marburg 1877-1880
Als Hochschullehrer war Ferdinand Braun bemüht, die Form der Ausbildung, die er in Berlin erlebt hatte, weiterzuführen. Bereits während seiner ersten außerordentlichen Professur in Marburg hat er ein physikalisches Kolloquium nach Berliner Vorbild für die fortgeschrittenen Studenten angeboten. Nach anfänglichen Schwierigkeiten konnte sich die Veranstaltung fest etablieren, so daß sie auch nach Brauns Fortgang von seinem Nachfolger beibehalten wurde und nach einiger Zeit sogar vom Ordinarius Franz Melde selbst übernommen wurde.
Insgesamt war die Arbeitsathmosphäre in Marburg aber nicht sehr gut. Braun war als außerordentlicher Professor darauf angewiesen, dass der Ordinarius ihm die benutzung des Instituts und seiner Geräte erlaubte, und hierbei gab es bald Schwierigkeiten. Daher nahm Braun den bald darauf an ihn ergangenen Ruf an eine andere Universität gern an.
Straßburg 1880-1883
Braun wurde zum 1. April 1880 als Nachfolger von W. C. Röntgen als außerordentlicher Professor für theoretische Physik nach Straßburg berufen. Ihm wurde vom Institutsdirektor August Kundt zugesagt, daß er einen Raum für experimentelle Arbeiten zur alleinigen Verfügung erhalten würde und die übrigen Mittel des Instituts so weit wie möglich natürlich mitbenutzen dürfe. Für das in Planung befindliche neue Institut wurden ihm sogar zwei bis drei Räume in Aussicht gestellt, allerdings verließ Braun Straßburg schon wieder bevor das neun Institut vollendet wurde.
Ordentlicher Professor
Polytechnikum Karlsruhe 1883-1885
In größerem Umfang konnte Ferdinand Braun seine Vorstellungen von wissenschaftlicher Arbeit und Lehre umsetzen, als er in Karlsruhe und vor allem in Tübingen Direktor eines eigenen Instituts geworden war.
Tübingen 1885-1895
In Tübingen hatte Braun die Aufgabe, ein völlig neues Institutsgebäude zu errichten und den Erfordernissen einer zeitgemäßen Physikausbildung entsprechend ausrüsten zu lassen. Die Struktur des von Braun errichteten Institutsgebäudes ist für naturwissenschaftliche Institute dieser Zeit charakteristisch. Es gab klar voneinander getrennte Bereiche für die eigentliche wissenschaftliche Arbeit, für die großen Vorlesungen und für die praktischen Arbeiten der Studenten, die in der neuen Ordnung des Seminars für alle Studenten der Physik vorgesehen waren.
Zeitgleich damit wurde auch die Bestimmungen des mathematisch-physikalischen Seminars überarbeitet und die Inhalte der Gymnasiallehrerausbildung diskutiert. Braun vertrat in den Diskussionen die Position eines naturwissenschaftlichen Neuhumanismus, der die Naturwissenschaften als gleichberechtigte Fächer neben den Geisteswissenschaften im Bildungskanon verankert sehen wollte und sich dabei auch auf die Nützlichkeit dieser Fächer für den technischen Fortschritt berief. Mit diesen Ansichten wurde er im traditionsbewussten Tübingen bald in heftige Auseinandersetzungen mit der konservativen Fakultätsmehrheit verwickelt, die sich über den größten Teil seiner Tübinger Zeit hinzogen.
Straßburg 1895-1918
In den Jahren um die Jahrhundertwende zeichneten sich einige Entwicklungen ab, die die Physik am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts deutlich verändern sollten. Für Braun kam es aber 1895 zunächst zu einer persönlichen Veränderung, als er einen Ruf auf eine prestigeträchtige Professur an der Kaiser-Wilhelms-Universität in Straßburg erhielt. Dadurch stand ihm ein deutlich größeres Institut als in Tübingen zur Verfügung, und er hatte auch keine Probleme mehr mit einer traditionalistischen Fakultätsmehrheit.
Allerdings fehlte ihm in Straßburg zunächst auch ein klar gestecktes Ziel. Er brauchte niemandem mehr zu beweisen, dass er die Arbeitsmethoden der Experimentalphysik anzuwenden gelernt hatte, und auch der Aufbau einer zeitgemäßen Physikausbildung und die Schaffung von angemessenen Forschungsmöglichkeiten, was in Tübingen einen großen Teil seiner Energie erfordert hatte, war in Straßburg nicht nötig. Straßburg war eines der Modellinstitute für diese Entwicklung gewesen und verfügte bereits über alle derartigen Einrichtungen.
Für Braun ergab sich erst wieder eine klare Arbeitsrichtung, als er 1898 eher zufällig dazu kam, sich mit der drahtlosen Telegrafie zu beschäftigen. Mit der Hinwendung zu technischen Fragen ergab sich für Braun aber nicht nur ein neuer Schwerpunkt für seine praktische Arbeit, sondern er verband damit auch eine Vision für die weitere Entwicklung der Physik. Schon während seiner Zeit am Polytechnikum in Karlsruhe und gelegentlich in Tübingen hatte Braun sich für eine engere Verbindung von Physik und Technik ausgesprochen. Diese Ansichten wurden in Straßburg für einige Zeit prägend für seine gesamte Arbeit.
Drahtlose Telegraphie
Im Frühjahr 1898 wurde Braun von einer Gruppe von Geschäftsleuten um Albert Zobel aus Straßburg und Ludwig Stollwerck aus Köln gebeten, einige Erfindungen aus dem Gebiet der drahtlosen Telegrafie zu begutachten, die diese von einem Schweizer Techniker erworben hatten. Braun erkannte schnell, dass diese angeblichen Erfindungen nur unvollkommene Kopien der Apparate des eigentliche Erfinders der drahtlosen Telegraphie, Gugielmo Marconi, waren und keinen Wert hatten. Jedoch wurde dadurch Brauns Interesse an der drahtlosen Telegrafie geweckt und er begann mit finanzieller Unterstützung der Gruppe um Zobel und Stollwerck eigene Versuche durchzuführen.
Schon bald gelangen Braun einige entscheidende Verbesserungen der Apparate, die wichtigste war die Einführung des gekoppelten Senders. Bei diesem wurden die elektromagnetischen Schwingungen mit einer Funkenstrecke in einem geschlossenen Schwingkreis mit einem großen Kondensator erzeugt und dann auf die Antenne übertragen. Diese Schaltung ermöglichte eine deutliche Steigerung der Leistungsfähigkeit gegenüber den bis dahin benutzten einfachen Sendern, bei denen sich die Funkenstrecke in der Antenne befand.
Anfang 1900 schien die Entwicklung so weit vorangeschritten, dass ein durchschlagender wirtschaftlicher Erfolg nahe schien. Daher wurde mit großen Erwartungen ein Unternehmen gegründet, das Brauns Erfindungen auf drahtlosem Gebiet vermarkten sollte, "Prof. Braun's Telegraphie G. m. b. H.", deren Aktivitäten nach finanziellen Schwierigkeiten in der "Gesellschaft für drahtlose Telegraphie System Professor Braun und Siemens & Halske m. b. H." und schließlich in der Telefunken-Gesellschaft aufgingen. Für seine Verdienste um die drahtlose Telegraphie wurde Braun schließlich 1909 gemeinsam mit Gugielmo Marconi mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet.
Wissenschaft und Technik
Zeitgleich mit seinen Erfolgen auf dem Gebiet der drahtlosen Telegrafie
um 1900 strebte Ferdinand Braun organisatorische Veränderungen an
der Universität an, die die Hinwendung zur Technik auch in der akademischen
Welt, die nützliches, technisch verwertbares Wissen traditionell gering
schätzte, verankern sollten. Mit diesen Ansichten gehörte Braun
zu einer kleinen Gruppe von Universitätsprofessoren, deren wichtigster
Vertreter der Göttinger Mathematiker Felix Klein war. Braun wollte
ähnlich wie Klein an den Universitäten eine wissenschaftliche
fundierte Technik in großer Nähe zu den Naturwissenschaften
ansiedeln, da er fürchtete, dass eine Trennung zwischen den Naturwissenschaften,
die an den Universitäten betrieben wurden, und der Technik, die an
spezialisierten technischen Hochschulen gelehrt wurde, auf die Dauer den
Fortschritt beider Seiten bremsen würde. Gerade Straßburg erschien
ihm für ein solches Projekt, das den Traditionen der deutschen Universitäten
in vielen Punkten widersprach, besonders geeignet. Die Straßburger
Universität war die jüngste Universität und mit dem Anspruch
gegründet worden, von veralteten Traditionen frei zu sein. Daher wäre
es nach Brauns Ansicht ihre Aufgabe gewesen, bei diesem notwendigen Schritt
voranzugehen.
Aus diesen Erwägungen resultierte Brauns engagierte Parteinahme
für die Gründung einer sechsten, technischen Fakultät an
der Universität Straßburg. Der Vorschlag zur Gründung dieser
Fakultät war zwar möglicherweise eine Reaktion der überwiegend
evangelischen Professorenschaft auf die Überlegungen zur Gründung
einer katholisch-theologischen Fakultät, Braun scheint mit dieser
Gründung aber tatsächlich die Hoffnung verbunden zu haben, ein
stärker technisch-praktisch orientiertes Forschungsprogramm im universitären
Umfeld anzubinden. Er ging dabei so weit, daß er die gerade erst
entstandenen von den Universitäten getrennten Technischen Hochschulen
als eine verfehlte und historisch überholte Entwicklung bezeichnete.
Das von Braun vertretene Projekt einer engeren Verbindung der Physik zu einer neu zu schaffenden universitären Technikwissenschaft lässt sich als ein Versuch verstehen, die sich um die Jahrhundertwende abzeichnende zunehmende Unübersichtlichkeit der Physik zu überwinden. Braun sah wie viele Experimentalphysiker in der theoretischen Physik, deren mathematische Methoden ihm zeitlebens fremd blieben, keine erstrebenswerte Alternative. In dieser Situation bestand seine Strategie vielmehr darin, Allianzen mit nichtphysikalischen Interessen zu bilden um dadurch die Bedeutung seiner eigenen Praxis zu sichern. Mit technischen Fakultäten innerhalb der Universitäten und mehreren erfolgreichen elektrotechnischen Unternehmen außerhalb derselben als Verbündeten hätte möglicherweise eine experimentelle und pädagogische Praxis mit klar definierten Zielen und Ausbildungsinhalten etabliert werden können, die der Physik wieder eine einheitliche Gestalt verliehen hätte, ohne den Primat des sorgfältigen Experiments in Frage zu stellen.
Tatsächlich ist dieses Projekt jedoch schon bald an verschiedenen Widerständen sowohl von Seiten der Universitäten wie der technischen Hochschulen gescheitert. Die technische Physik führte in den folgenden Jahrzehnten zumindest an den Universitäten nur eine Art Schattendasein, obwohl zahlenmäßig die meisten Physiker im Bereich der Technik arbeiteten. Erst zwei Jahre nach Brauns Tod fand diese Tendenz mit der Gründung der Deutschen Gesellschaft für Technische Physik einen organisatorischen Ausdruck.
Braun selbst hat sich auch nach dem Scheitern des Plans zur Errichtung
einer technischen Fakultät in Straßburg zumindest bis 1903 oder
1904 hauptsächlich mit technischen Fragen beschäftigt. Danach
musste er die Arbeit wegen seiner Wahl zu Rektor der Universität und
eine anschließende schweren Krankheit einschränken, und hat
sich - nicht zuletzt aufgrund einiger Enttäuschungen über die
Zusammenarbeit mit Telefunken und die Widrigkeiten des Patentrechts - auch
wieder Fragestellungen der "reinen" Physik zugewandt. In der Lehre des
Straßburger Instituts und bei der Ausbildung seiner Schüler
nahm die Technik aber weiterhin einen wichtigen Stellenwert ein.
Quelle: Aus dem Internet: http://www.hars.de/braun/technische.html
Bearbeitet von DG6ZX / 09/2000
Eine Biografie über F. Braun ist erhältlich bei:
Florian Hars
Ein wilhelminischer Physiker
272 Seiten, Abb.,
ISBN 3-928186-39-6
Das Leben von Ferdinand Braun bietet eine überraschende neue Perspektive
auf die Entstehung der modernen Physik am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts.
Wie die Mehrheit der Physiker seiner Zeit war Braun ein klassischer Experimentalphysiker.
Bei ihm findet sich keine Spur von dem vor der Jahrhundertwende angeblich
verbreiteten Gefühl, daß es nichts mehr zu entdecken gäbe.
Stattdessen entwickelte er ein Programm zur Modernisierung der Physik,
das der Tradition der klassischen Physik treu blieb und sich statt an der
Theorie an den Notwendigkeiten der technischen Anwendung orientierte.
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Kurzbiografie (Zusammenfassung)
Prof. Ferdinand Braun, 1850 - 1918
* 6. Juni 1850 + 20. April 1918
6. Juni 1850 : Geburt F. Braun in Fulda
1856 - 1868 : Schulzeit in Fulda
1868 - 1870 : Studium in Marburg und Berlin
1870 - 1874 : Assistent in Berlin und Würzburg bei Prof. H.G.Quinke
23. März 1872 : Promotion zum Doktor der Philosophie, "Über den Einfluß von Steifigkeit, Befestigung und Amplitude auf die Schwingungen von Saiten."
1870 - 1874 : Untersuchungen von Saitenschwingungen und der elektrolytischen Stromleitung
1872 - 1874 : literarische Mitarbeit an den "Fliegenden Blättern"
1876 - 1877 : Lehrer am Leipziger Thomas Gymnasium
23. Nov. 1874 : Veröffentlichung der Entdeckung des Gleichrichter-Effekts bei Halbleitern
1875 : Buch, "Der junge Mathematiker und Naturforscher"
1877 - 1879 : außerordentlicher Professor in Marburg
1878 : Widerlegung der Thomson-Helmholzschen Theorie der Berechnung der elektromotorischen Kraft
1880 - 1882 : außerordentlicher Professor in Straßburg
1883 : Abschluß der Untersuchungen des Gleichrichter Effekts an Halbleitermaterialien
1883 - 1885 : ordentlicher Professor in Karlsruhe
1883 - 1885 : Physik der hohen Temperaturen, Untersuchungen über Thermoelastizität
1884 : Elektisches Pyrometer
23. Mai 1885 : Heirat mit Amélie Bühler aus Lahr / Schwarzwald
1885 - 1895 : ordentlicher Professor in Tübingen
1885 - 1889 : Planung und Bau den Tübinger Physikalischen Instituts
1885 - 1887 : Löslichkeits- und Kompressibilitätsuntersuchungen
1887 : Le Chatelier - Braun-Prinzip; Braunsches Elektrometer
1888 : Gespräch mit Heinrich Hertz; "Deformationsströme"
1890 : Tiefbohrung bei Sülz / Neckar
1890 : Elektrostenolyse
1895 - 1918 : ordentlicher Professor in Straßburg
15. Feb. 1897 : Erste Amerikareise, Demonstration der Braunschen Röhre in Toronto
Nov. 1997 : Drahtlose Telegrafieversuche durch Erde und Wasser
20. Sept. 1898 : erste Vorführung des Braunschen Senders in Straßburg
14. Okt. 1898 : "Braunscher Sender" als Patent registriert
1898 : Ferdinand Braun erhält einen Ruf nach Leipzig, den er ablehnt
15. Dez. 1898 : "Funkentelegraphie GmbH" in Köln gegründet
1899 - 1900 : Funkversuche in Cuxhaven
7. Juli 1899 : "Telebraun" in Hamburg gegründet
1899 : Kristalldetektor, Energieschaltung, Rückkopplungsschaltung
1900 : Sahara Reise
24. Sept. 1900 : erste Funkverbindung Helgoland-Cuxhaven
16. Nov. 1900 : erster öffentlicher Vortrag über die drahtlose Telegrafie
Dez. 1900 : "Braun-Siemens"-Gesellschaft in Berlin gegründet
1901 - 1906 : Richtfunkversuche auf Polygon
1901 - 1914 : Theoretische Entwicklung der Hochfrequenzphysik in Straßburg, "Braunsche Schule"
1902 : Wissenschaftler stellen sich im Streit mit Slaby in Karlsbad hinter Braun
April 1903 : Kaiser Willhelm II. wünscht Einigung in der drahtlosen Telegrafe
27. Mai 1903 "Telefunken" in Berlin gegründet
1903 - 1905 : Nachweis der Wesensgleichheit des Lichts und elektromagnetischer Wellen; Gitterversuche
16. Feb. 1905 : Vortrag vor Kaiser Wilhelm II. in Berlin
1905 : Ruf nach Berlin abgelehnt
1905 / 1906 : Rektor der Universität Straßburg
Jan. 1906 : Operation in Freiburg
1905 - 1905 : Albert Schweizer Student bei Ferdinand Braun
10. Dez. 1909 : Nobelpreisverleihung in Stockholm
1911 : Errichtung der drahtlosen Funkstation Sayville
1913 : Erfindung der Rahmenantenne vollendet
Sept. 1913 : Klassische Italienreise
April 1914 : Versuche mit dem Grafen Zeppelin am Bodensee
--- 31. Juli 1914 : Ausbruch des 1. Weltkriegs ---
17. Dez. 1914 : Zweite Amerikareise, Prozeß Marconi
Jan. 1915 : Ehrung durch das "Institute of Radio Engineers" in New York
1916 / 1917 : "Physics for woman"
1917 : Ehrendoktor der Universität Wien
17. Sept. 1917 : Ehefrau Amélie gestorben
20. April 1918 : gestorben in Brooklin