Es sollen im Folgenden nur die grundlegenden, bzw klassischen Methoden, wie sie für den angehenden Hobby-Elektoniker von Interesse sind, behandelt werden.
1. Übertragen des Layouts auf die Platine
Übertragen des Layouts auf die Platine
Bei diesem Arbeitsgang geht es darum, die Leiterbahnen
vor dem nachfolgenden Ätzvorgang zu schützen, d. h. es sollen
ja nur die Zwischenräume zwischen den Leiterbahnen weggeätzt
werden, die Bahnen müssen also vorher abgedeckt werden.
Eine einfache Möglichkeit besteht darin, die
Bahnen mit Hilfe ätzfester Stifte auf die gereinigte und fettfreie
Kupferoberfläche zu zeichnen (Vorsicht: das Kupfer darf nicht mehr
durchscheinen). Alternativ oder zusätzlich können Abreibesymbole
verwendet werden (Fachhandel).
Eine viel professionellere und elegantere Methode
besteht in der Anwendung des sogen. Fotopositiv-Verfahrens. Dabei wird
mit Hilfe des PC's und entsprechender Programme das Layout auf einer
UV-transparenten Folie oder auch auf normalem Maschinschreibpapier (welches
später mit Hilfe eines "Pausklarsprays" UV-durchlässig gemacht
wird) erstellt. Mit beschichtetem 720 DPI-Papier (Epson-Stylus-Color in
meinem Fall) lassen sich erstklassige Vorlagen auch fuer SMD-Layouts erstellen.
Vor dem Ausdruck werden die Bilder gespiegelt, da die bedruckte Seite auf
der Platinenoberfläche aufliegen sollte, um Fehlbelichtungen zu vermeiden.
Es können auch Papiervorlagen aus Zeitschriften verwendet werden.
Bei Verwendung eines Pausklarsprays ist darauf zu achten, dass die Reste
nach dem Belichten restlos entfernt werden (Geschirrspuelmittel + fliessendes
Wasser), da es sonst zu Problemen beim Aetzen kommt.
Beim Fotopositiv-Verfahren muss das Basismaterial (Platine mit ein-
oder zweiseitiger Kupferauflage) mit einem Fotokopierlack (z. B. Kontakt
Chemie: Positiv 20) behandelt werden. Die Platine muss dabei blank, trocken
und staubfrei sein. Im Raum sollte gedämpftes Tageslicht herrschen
(keine Sonne im Raum). Die waagrecht liegende Platine sollte dann im Abstand
von ca. 20 cm in Schlangenlinien besprüht werden. Der Fotolack verläuft
dann sofort zu einer dünnen, lichtempfindlichen Schicht. Wenn zu satt
gesprüht wird, kommt es zur Randbildung und unterschiedlichen Schichtstärken.
Es muss dann länger belichtet werden (Vorsicht: das Einatmen der Dämpfe
sowie der Kontakt mit Augen, Haut u. Kleidung ist zu vermeiden). Die so
behandelte Platine darf nicht mehr dem Tageslicht ausgesetzt werden und
muss im Dunkeln bei Raumtemperatur mind. 24 Std. trocknen. Man kann diesen
Vorgang aber auch mit Hilfe eines Elektroherdes abkürzen: die Platine
in der Mitte der kalten Backröhre (kein Heißluft- oder Gasherd)
plazieren und die Temperatur langsam bis auf 70 C steigern (Temperaturen
über 70 C schädigen den Lack). Je nach Schichtstärke dauert
die Trocknung dann mind. 30 Minuten.
Die Platine ist dann im Kühlschrank bis zu 1 Jahr haltbar.
Faule Leute (wie ich) sparen sich diese Prozedur und kaufen fertig beschichtetes Basismaterial.
Beim Belichten sind 2 Faktoren von Bedeutung: die Schichtstärke
und die Lichtquelle.
Da der Fotokopierlack ultraviolett-empfindlich ist, eignen sich
zum Belichten nur UV-Lampen (z. B. 300-W-Ultra-Vitalux-Spezial-UV-Lampe
von Osram, oder auch professionelle Belichtungsgeräte mit Leuchtstoffröhren,
die aber wesentlich teurer sind, falls man sie nicht im Eigenbau herstellt).
Bei einer 300-W UV-Lampe im Abstand von ca. 20 cm beträgt die
Belichtungsdauer ca. 4 min.
(der Lampenabstand sollte mind. der Platinen-Diagonalen entsprechen).
Es besteht ein quadratischer Zusammenhang zwischen Abstand und Belichtungszeit:
Bei 1,4 fachem Abstand verdoppelt sich die Zeit, bei 75 % halbiert sie
sich. Die richtige Belichtungsdauer sollte aber sicherheitshalber durch
Versuche herausgefunden werden.
Zum Entwickeln brauch man eine flache Schale und einen handelsüblichen
Entwickler, der nach Vorschrift in Wasse aufgelöst wird. Die fertige
Lösung (fest verschlossen und als Gift gekennzeichnet) lässt
sich längere Zeit aufbewahren. Offener Entwickler ist nach wenigen
Stunden unbrauchbar, gebrauchte Lösung muss vorschriftsmässig
entsorgt werden. Sie hat einen ph-Wert von ca. 13 und darf nur nach entsprechender
Verdünnung mit viel Wasser oder entsprechender Neutralisation ins
Abwasser gelangen (ab einem ph-Wert kleiner 8,5).
Die belichtete Platte wird in die Lösung eingetaucht und laufend
bewegt. Nach spätestens 2 Minuten muss das Leiterbild voll entwickelt
sein, andernfalls wurde zu kurz belichtet oder die Entwicklerlösung
ist zu schwach (zu alt) bzw. verbraucht. Geht das Entwickeln zu schnell,
ist entweder die Lösung zu stark (mit Wasser verdünnen) oder
das Bad zu warm (über 30 C). Bei Überbelichtung oder nicht einwandfrei
deckenden Zeichnungen erschein kurzzeitig das Leiterbild und schwimmt auch
gleich wieder davon.
Wenn sich die Leiterbahnen sauber vom Kupfer abheben, muss die Platine
sofort aus dem Bad entnommen werden, da sonst die unbelichtete Schicht
des Fotolacks angegriffen wird.
Anschließend wird die Platine unter fließendem kalten
Wasser ausgiebig gespüllt (Hände waschen nicht vergessen).
Ein klassisches Ätzmittel bei der Kleinserienfertigung (nichtdurchkontaktierte
Platinen) ist das Eisen-III-Chlorid (FeCl3).
Das handelsübliche Granulat wird entsprechend den Angaben in
Wasser aufgelöst und ist gebrauchsfertig, die gebrauchte Lösung
kann wiederverwendet werden, sofern sie nicht bereits zuviel Eisen- und
Kupferchloridschlamm enthält. Das verbrauchte Ätzmittel ist wegen
des Kupferanteils als Sondermüll zu entsorgen.
Vorsicht beim Arbeiten mit Eisen-III-Chlorid: die Dämpfe können
schleimhautreizend sein, Flecken auf der Kleidung gehen nicht mehr raus,
Metall korrodiert beim Kontakt sofort.
Die Vorgangsweise: Ätzflüssigkeit in eine flache Kunststoffschale
gießen und die Platine hineinlegen, sie sollte ständig bewegt
werden. Je höher die Temperatur der Ätzflüssigkeit ist,
desto schneller wird geätzt. Bei Zimmertemperatur kann der Ätzvorgang
schon mal 45 Min. betragen.
Bei optimalen Bedingung (45 Grad C, unverbrauchter Lösung und
Verwendung von professionellen Ätzmaschinen) läßt sich
die 35 um dicke Kupferschicht in 1 - 2 Min. wegätzen.
Eine saubere Alternative zum Eisen-III-Chlorid ist das Feinätzkristall.
Zuletzt wird die verbliebene Fotoschicht mit Aceton oder Spiritus
entfernt.
Nach dem Ätzen und Reinigen sollte die Platine verzinnt werden.
Erstens, um Leiterbahnenrissen vorzubeugen und zweitens, weil die Kupferschicht
sonst korrodiert (zumindest sollte die Platine mit Lötlack behandelt
werden, um die Korrosion zu verhindern und gutes Fliessen des Lötzinnes
zu gewährleisten).
Man nehme entweder ein handelsübliches Glanzzinn oder macht
es auf einfache Weise: Einsprühen der Platine mit Lötlack (trocknen
lassen) und Verzinnen der Leiterbahnen mit dem Lötkolben.
Nach diesen Arbeitsschritten sei nochmals darauf hingewiesen, dass
man mit giftigen Chemikalien zu tun hat, die alle in den Sondermüll
gehören!