(Meldung vom 7.12.1999)
Die amerikanischen Stealth-Fighter Flugzeuge sollen für feindlichen Radar unsichtbar sein. Im Kosovo-Einsatz haben serbische Raketen zwei F-117 Nighthawks getroffen. Zufall oder sind die "unsichtbaren" Flugzeuge enttarnt?
Fakt ist: Das Enttarnen geht sogar relativ einfach. Die besten Radargeräte, die Stealth-Waffen aufspüren können, arbeiten mit einer Technik, die mehr als 50 Jahre alt ist. Forscher experimentieren derzeit mit Radiowellen statt Radarwellen, die in den 30er Jahren verwendet wurden, um Schiffe und langsame Flugzeuge zu finden. Radiowellen besitzen eine längere Wellenlängen als Radar, bei dem sie weniger als einen Zentimeter beträgt. Langwellige Strahlung enttarnt die Stealth-Waffen rasch. Denn bestimmte Elemente an den Flugzeugen wie das Leitwerk oder die Flügel absorbieren die Strahlung und emittieren sie wie eine Antenne.
Wenn die Wellenlänge des Radar doppelt so groß ist wie die Antenne, wird dieser Effekt noch verstärkt. Zusammen mit den neuesten Computern bleibt da kaum eine Chance für die unsichtbaren Flieger. Doch einen Nachteil haben solche Radaranlagen. Sie sind groß und schlecht zu tarnen und daher leichte Ziele. Sie arbeiten außerdem nur in einem Umkreis von 50 Metern akkurat. Und vor allem wird das Signal von so profanen Dingen wie Handys, Radiostationen und Navigationshilfen gestört.
Dieser elektronische Lärm könnte allerdings bald selbst Flugzeuge enttarnen. Denn die Reflektionen aus diesem Rauschen könnten die Maschinen verraten. Auch von ganz normalen Radio- und Fernsehstationen aus könnte bald vor Attacken von Stealth-Waffen gewarnt werden. Getrennte Sende- und Empfangsteile an den Radargeräten können Stealth-Fighter besonders gut aufspüren. Hochgeschwindigkeitsrechner können aus den schwachen Radarsignalen, die jede Bewegung der Maschine erzeugt, die Flugbahn errechnen und den Kurs voraussagen. Der Ausdruck Medienkrieg bekommt damit einen ganz anderen Beigeschmack.
Zweigeteilte Radarsysteme, bei denen Sende- und Empfangsteil getrennt sind haben weitere Vorteile. Da sie wenig Platz einnehmen, könnten die Einzelteile in kleinen Dronen ohne Piloten installiert werden. Anti-Strahlungsraketen verfolgen nämlich die Wellen aus dem Transmitter. Wenn der in einem kleinen Flugkörper umherfliegt, reduziert das das Risiko für die Menschen am Radargerät. Das amerikanische Militär möchte in fünf bis zehn Jahren den "Bistatischen Radar" verwenden.
Die Stealth Fighter wurden gebaut, damit sie mit dem Radargerät nicht zu erkennen sind. Außer dem Radar verraten Kondensstreifen, Wärme aus den Triebwerken, Lärm und Chemikalien aus dem Kerosin die Flugzeuge am Himmel. Radar fängt die reflektierten Radarwellen auf und macht aus der Art und Weise der Reflektion Aussagen über Standort, Schnelligkeit, Höhe und vielleicht sogar die Identität des gesuchten Objekts. Stealth-Flugzeuge reflektieren aufgrund ihrer Form sowenig Energie wie möglich, dadurch gelangt kein Signal zu den Radarantennen und das Flugzeug bleibt unentdeckt. Besonders rechte Winkel erkennt das Radar schnell. Dort werden die Radarwellen wie Billardkugeln reflektiert und direkt an den Ausgangsort zurückgesandt. Deshalb haben die Stealth-Fighter abgerundete Ecken und Kurven, die die Signale weit weg oder gleich auf den Boden lenken. Außerdem sind die Flugzeuge mit dicker, radarwellenabsorbierender Farbe gestrichen. Die SR-71 Blackbird ist zum Beispiel mit Glaskugeln von weniger als einem Mikrometer Durchmesser verkleidet, von denen jede mit einem magnetischen Überzug versehen ist. Diese Kügelchen saugen in ihrer magnetischen Oberfläche die Wellen auf und verhindern so ein Entdecktwerden. Aber das ist mit den neuen Technologien wohl bald vorbei.
[Quelle: Cornelia Pretzer und NewScientist]