Aus dem 19. Loebenberg-Rundspruch vom 01.November 1996 Fragen und Antworten zur Betriebsart Meteorscatter ************************************************** Auf verschiedene Beitraege ueber die Betriebsart Meteorscatter in den vorangegangenen Rundspruechen erhielten wir einige Nachfragen, welche von Dieter, DF1SO, recht ausfuehrlich beantwortet wurden. Besten Dank fuer die interessanten Infos. 1. Frage: Wieso ist bei "schnellen" Schauern die maximal ueberbrueckbare Distanz via MS groesser als bei "langsamen" (z.B. Perseiden) ? Elektromagnetische Wellen werden an elektrisch leitender Materie reflektiert. Eine elektrische Leitfaehigkeit liegt dann vor, wenn sich in der Materie freie Ladungstraeger wie Elektronen oder Ionen befinden. Beim Eindringen eines Meteoriten in die Erdatmosphaere wird nicht nur eine Leuchterscheinung erzeugt, sondern das verdampfende Teilchen laesst auch eine Ionisationsspur zurueck. Je groesser die Io- nisationsdichte ist, desto besser sind die Reflexionsbedingungen bei einem Meteorscatter-Test. Trifft ein Meteorit mit groesserer Geschwindigkeit auf die Atmosphaere, dann entsteht auch eine staerkere Ionisationsdichte laengs ihrer Flug- bahn. Weiterhin werden in diesem Falle auch die hoeheren Schichten der Ionosphaere viel intensiver ionisiert. Je hoeher das Reflexionsgebiet ueber der Erde liegt, desto weitere Entfernungen lassen sich dann via Meteorscatter ueberbruecken. 2. Frage : Oftmals wird die Reflexionsrate sehr unterschiedlich angegeben ( z.B. 60 -120 Refl/h ) und im Maximum sogar bis zu 300 Refl/h . Wadurch kommt das ? und 3. Frage : Warum gibt es bei den periodischen Meteoritenschauern in manchen Jahren wenig Meteoritenfaelle und in anderen viele ? Beide Fragen werden in einem beantwortet : Die Refexionsrate haengt von mehreren Faktoren ab : 1. Die meisten Sternschnuppenstroeme sind durch den Zerfall von Kometen entstanden. Im Laufe der Zeit loest sich der Komet auf und verstreut seine Materie auf der ganzen Bahn seiner Bewegung. Das passiert vor allen Dingen dann, wenn er in den Bereich der Sonne kommt oder durch die Gravitation der Planeten beeinflusst wird. Hat die ehemalige Kometenbahn einen gemeinsamen Punkt mit der Erdbahn, dann kann es zu einem Meteoritenschauer, auch Sternschnuppenstrom genannt, kommen. Verteilt sich die gesamte Materie gleichmaessig auf der ur- spruenglichen Bahn, dann ist die Haeufigkeit der Meteoriten- faelle relativ gering, dafuer koennen sie aber einige Tage andauern.Befinden sich die Zerfallsprodukte noch in der Naehe des Ursprungskometen, dann kann die Aktivitaet sehr gross sein, dauert aber nicht so lange an. Durch die unterschiedlichen Umlaufzeiten der Kometen und der Erde um die Sonne aendert sich natuerlich ihr Ort des Schnitt- punktes im Weltall. Die Erde trifft somit von Jahr zu Jahr zwar annaehernd an den gleichen Tagen auf die Zerfallsprodukte, jedoch fast immer auf auf verschieden dichte Materie Ansammlung- en. Schon aus diesem Grunde faellt jeder Meteoritenstrom verschieden aus. 2. Die zu erwartende Effektivitaet eines Schauers haengt von der Stellung des Radianten am Himmel ab. Beobachtet man mehrere Sternschnuppen eines Schauers ( z.B die Perseiden am 12.August oder die Geminiden am 14.Dezember ) in der sternenklaren Nacht, dann bemerkt man, dass fasst alle diese Sternschnuppen aus einem gemeinsamen Punkt am Himmel " herausstroemen ". Diesen Punkt nennt man den Radianten eines Schauers. Die Sternschnuppenstroeme werden nach dem Sternbild, in dem sich ihr Radiant befindet, benannt. ( Die Orioniden z.B. haben ihren Radianten im Sternbild " Orion " , die Geminiden in den " Zwillingen ". Durch die Erddrehung veraendert sich der Ort des Radianten bezueglich zur Erde laufend. So wie die Sonne, der Mond und die Sternbilder im Osten aufgehen und auch im Westen hinter dem Horizont untergehen, veraendern die Radianten staendig Elevation und Azimut. Die besten Radioreflexionen an Meteoritenbahnen entstehen, wenn die direkte Funkrichtung ( Funkpfad zwischen zwei Stationen ) im rechten Winkel zur Richtung des Radianten verlaueft und gleichzeitig der Radiant 45 Grad ueber dem Horizont steht. Mit Hilfe der Formel : E = sin e * cos e * sin ( p - a ) * 200 kann man die Effektivitaet in Prozentangabe berechnen. Hierin bedeuten : e --> Elevation des Radianten in Grad a --> Azimut des Radianten in Grad p --> Pfadwinkel ( Erdrichtung der Verbindungslinie beider Funkpartner in Grad ) Azimut und Pfadwinkel werden beginnend von Sued in Richtung West von 0 bis 360 Grad gemessen. ( Astronomische Richtungsangabe ! ) Der Faktor 200 in der Formel dient der Prozentangabe, da sonst der maximal erreichbare Wert der Effektivitaet den Zahlenwert 0,5 annimmt. Multipliziert mit dem Faktor 200 entspricht dieses dann einer Effektivitaet von 100 Prozent. Mit Hilfe kleiner Computerprogramme kann man so fuer jede Tageszeit und Funkrichtung die Effektivitaet des Schauers berechnen ( z.B. OH5IY , DL5BAC oder Tabelle in CQ-DL Heft 3 / 94 ). Die Effektivitaet gibt keineswegs die Anzahl der Funkreflexionen an, sondern einen prozentualen Wert von einer mathematisch angenommenen optimalen Bedingung.