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Also doch! Was können wir jetzt noch essen?

Laut "ÖÖIMAN" sind auch die sichergeglaubten Pappelzeisige verseucht - BÖLK-Gespräch mit Leiter Broermeyer

Stenkelfeld/Leverkusen/Brüssel (nacl). Das erst vor wenigen Wochen im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums gegründete "Öffentlich-Ökologische Institut mit allgemeiner Nahrungskenntnis (ÖÖIMAN)" macht bereits mit dem ersten Untersuchungsergebnis alarmierende Schlagzeilen.
Wie der kommissarische Leiter des Instituts, Prof. Dr. Walter Broermeyer, heute auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz mitteilte, konnten im bis heute einzigen als "weitgehend unbedenklich" eingestuften Lebensmittel, den abgeschabten Knorpeln von Pappelzeisigen, giftige Spuren nachgewiesen werden. Der weitbekannte Universalakademiker Broermeyer hat die vorübergehende Leitung des Instituts übernommen, nachdem sein Vorgänger, Kurt von Övelseyn, bereits nach wenigen Tagen im Amt mit Verdacht auf chronische Lebensmittelvergiftung in den Vorruhestand verabschiedet werden musste. Wir sprachen mit Broermeyer über das Institut, seine Aufgaben und vor allem natürlich über die erschreckenden aktuellen Ergebnisse.

BÖLK: Herr Dr. Broermeyer, zunächst einmal: Wie kommen Sie mit Ihrer neuen Aufgabe zurecht?
Broermeyer: Nun, wie Sie wissen bin ich in vielen wissenschaftlichen Gebieten außerordentlich bewandert und so lag es doch recht nahe, mir die vorübergehende Leitung anzubieten. Zudem ist Herr von Övelseyn ein alter Studienfreund von mir - früher hat der ganz andere Sachen vertragen, aber mit was der hier teilweise in Berührung kam, da kann man seine Krankheit schon verstehen. Mitunter mussten hier ja Speisen untersucht werden, die in deutschen Fleischereien verkauft werden sollten, da machst' was mit! Naja, und dann rief der Kurt mich neulich an und sagte, er müsse sein Amt wohl an mich, wollnma sagen, übergeben, nej.
BÖLK: Und was, Herr Dr. Broermeyer, gibt Ihnen die Zuversicht, bei dieser riskanten Arbeit mit gefährlichen Giftstoffen, keinen gesundheitlichen Schaden davonzutragen?
Broermeyer: Ach, wissen Sie, ich habe schon in so vielen Labors gearbeitet, da hatten wir teilweise hochgradig radioaktiv strahlende Stoffe, Ätzgase und watt Se wollen.
BÖLK: ...aber eben doch noch keine Lebensmittel!
Broermeyer: Ich gebe zu, dass ich meine Vorsichtsmaßnahmen in diesem besonders gefährlichen Fall doch recht hoch gewählt habe. Wir arbeiten im ÖÖIMAN grundsätzlich nur in speziellen NASA Raumanzügen, wenn es um Fleischprodukte geht, läuft unsere Sprenkleranlage, da wird zur Desinfektion hochreiner Alkohol versprüht, und wenn dann irgendwo auch noch "Belgien" als Herkunftsland auftaucht, dann geh selbst ich da nicht mehr bei. Dafür haben wir unsere "schnelle Eingreifpuppen", das sind Einwegroboter, die wegen der extremen Gefährdung nach einmaligem Einsatz entsorgt werden.
BÖLK: Kleine Zwischenfrage, Herr Dr. Broermeyer, aber wie können diese Roboter entsorgt werden, ohne Mensch und Umwelt lebensbedrohlich zu gefährden.
Broermeyer: Na da machen Sie sich mal keine Sorgen! Diese Roboter bilden den Anfang der Nahrungskette der meisten Futtermittelindustrien.
BÖLK: Wie bitte?
Broermeyer: Ja was meinen Sie denn, warum das mit den Lebensmitteln immer schlimmer wird? Weil aus reiner Profitgier möglichst viele Komponenten wiederverwertet werden. Das müssten Sie doch am besten wissen, das predigen Sie doch die ganze Zeit in ihrem sozialromantischen Dudelfunk.
Also, von diesen Robotern werden die wenigen nicht verseuchten Teile abgekratzt, die kann man schließlich in der Chemieindustrie noch gebrauchen. Der ganze Rest wird fein zerhackt und gemahlen und mit ausreichend Flüssigkeit vermengt. Wenn die Masse zu fest wird, kann nach Bedarf Schmieröl hinzugegeben werden. Anschließend müssen, damit die Tiere, die das später zu fressen kriegen, auch ordentlich schnell wachsen ohne lange gefüttert zu werden, noch einige Stoffe hinzugefügt werden: Zunächst über Nacht in einer gutgerührten Flüssigkeit aus alten Bayer-Präparaten und BASF-Abwässern stehenlassen. Zum Schluss noch, je nach Vorrat, mit Urinproben bekannter Sportler verfeinern, fertig. Dieser Futtermittel-Hormon-Cocktail wird den jungen Ferkeln morgens gespritzt und schon kann der Schlachter abends ein dickes Schwein abholen. Der Fleischer vermengt dann das geschlachtete und zerkleinerte Schwein noch mit allerlei Sondermüll, womit auch hier das Problem der Entsorgung gelöst wäre. Die meisten Kommunen, Köln geht hier mit leuchtendem Beispiel voran, erlassen den Schlachtern als Dank der Verkleinerung ihrer Mülldeponien ihre Steuern.
BÖLK: Das alles mag hierzulande allerdings kaum noch jemand essen. Deshalb galten, nach Ihrer eigenen Empfehlung als Versuchskoch der Uni Sottrup (> CD 8 - Der gesunde Eintopf), abgeschabte Knorpel des Pappelzeisigs als nahezu einziges Gericht, das ohne allzu große Bedenken verzehrt werden kann.
Broermeyer: In der Tat, galten. Nun ist uns allerdings aufgefallen, dass der Pappelzeisig als Zugvogel eine sehr ungünstige Strecke zurücklegt, die der bewussten Ernährung zuwieder ist. Der Pappelzeisig, darum ist der ja auch vom Aussterben bedroht, hat einen sehr schlechten Orientierungssinn und fliegt in einem, ich möchte fast sagen: lebensmitteltechnisch abartigen, Zickzackkurs zunächst von Schottland über zahlreiche ländliche Gebiete der britischen Inseln, den Frühling verbringt er auf einer Bohrinsel im Kanal, um schließlich den denkbar ungünstigsten Weg über dioe Beneleuxstaaten zu wählen und - falls er das überlebt hat - ins Ruhrgebiet zu fliegen, wo er vornehmlich auf Dioxinschornsteinen sein Nest baut. Schließlich nähert er sich in einer weiten Schleife über Mecklenburg-Vorpommern Stenkelfeld, macht aber zu allem Überfluss auch noch bei den meisten Ökozulieferern der neuen Bundesländer halt, um hier und da ein paar Körner zu picken. Was er nicht weiß - wir aber inzwischen um so besser - ist, dass das ja meistens gar keine Körner sind. Da werden alle möglichen Hormone, Stoffe und Abfälle zusammengepresst, sodass da hinterher nicht einmal mehr die Stasi das alles wieder auseinander recherchieren könnte, und damit werden die Tiere - und eben unser Pappelzeisig - da dann gemästet. Das heißt dann also für uns: "Finger weg vom Pappelzeisig". Sein Urin wird in der Schwerindustrie als hochkonzentriertes Reinigungsmittel verwendet, aber essbar ist nichts mehr am Pappelzeisig.
BÖLK: Herr Dr. Broermeyer, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
Broermeyer: Moment, ich hatte vorhin eine leckere, hormonverfeinerte Dioxin-Brühe aufgesetzt...
BÖLK: Ach dankeschön, aber wir machen ab sofort mit der gesamten Redaktion eine Nulldiät.

© BÖLK/PH 17.07.2002

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