|
Bad Aibling (man) - Im Rahmen der Veranstaltungen
zur 1200-Jahr-Feier der Stadt Bad Aibling hat der Deutsche Amateur-Radio-Club
(DARC), Ortsverband Mangfalltal C31 (Bad Aibling) in den Sitzungssälen des
Rathauses in einer zweitägigen Ausstellung
Amateurfunk live demonstriert und historisches Gerät gezeigt.
Vereinsmitglieder standen den Besuchern dabei mit Auskünften zur Verfügung.Angefangen
hat Ausstellungsleiterin und stellvertretender Distriktvorsitzenden Ilse
von Wedelstaedt zufolge alles mit der Morsetelegrafie. 1835 hatte Samuel
Morse einen Prototypen seines ersten Telegraphen entwickelt. Dieser benutzte
Magnete als Sender und Empfänger und war somit in der Lage, Signale über
längere Strecken zu übertragen. Er entwickelte eine eigene Sprache: Das Morsealphabet
-- eine Folge von Punkten und Strichen, die jeweils einen Buchstaben oder
eine Zahl des Alphabetes beschrieben. Jetzt benötigte man noch ein Netzwerk
von Telegraphendrähten, um Nachrichten (Telegrafie) über große Entfernungen
übertragen zu können.
Als Marconi es 1901 schließlich gelang, mittels
Sendeantennen drahtlose Signale über den Atlantik zu schicken, kam der große
Durchbruch. Heute können mit der Telegrafie weltweit alle Funkamateure miteinander
kommunizieren, auch wenn die Sprache des Funkpartners nicht bekannt ist.
«Amateurfunk
verbindet», «Funkkontakte fördern die Freundschaft zwischen den Nationen»
und «Weltweit treffen sich Menschen aller Sprachen, Religionen und jeden
Alters auf den Amateurfunkbändern», mit solchen Hinweisen auf Plakaten wurden
die Besucher auf die Ausstellung hingewiesen.
Der «Förderverein
Amateurfunkmuseum» mit Sitz in Grafing hatte Wedelstaedt zufolge die historischen
Ausstellungsgeräte zur Verfügung gestellt. Im Deutschen Museum in München
gibt es zum Thema «Amateurfunk» auch eine Dauerausstellung.
Der
Amateurfunk ist international geregelt. Viele Funkamateure, von denen es
in Deutschland etwa 80 000 gibt (weltweit über zwei Millionen), legen den
Schwerpunkt ihrer Bemühungen auf die Kontaktaufnahme mit möglichst weit entfernten
Stationen und sammeln mit Begeisterung QSL-Karten (bunte Bestätigungskarten)
von Funkamateuren aus aller Herren Län-der.
Weltweiter Austausch von QSL-Karten
Die
Karten informieren unter anderem über Empfangsdatum, Weltuhrzeit, Betriebsart
(Morse oder Telefonie) und Frequenz. Für den gesamten Amateurfunk gibt es
international zugewiesene Frequenzbereiche, innerhalb derer die Sende- und
Empfangsfrequenzen frei gewählt werden dürfen.
Zahlreich waren auch
die ausgestellten QSL-Karten. Neben allen europäischen Ländern wurden Karten
aus der ganzen Welt gezeigt, so aus den USA, Peru, Brasilien, Afrika, Japan
und Australien. Eine QSL-Karte «Manned German Space Flight» bestätigte sogar
ein Gespräch mit der Raumstation MIR, das am 11. September 2003, 19.36 Uhr,
ge-führt wurde. Jeder Amateurfunker hat ein Rufzeichen, das aus dem Länderkenner
und der persönlichen Kennung besteht. Untereinander reden sie sich nur mit
Vornamen und Rufzeichen an.
Ein Amateurfunker hat Ortsverbands-Vorstand
Udo Elstner aus FeldkirchenWesterham zufolge die Möglichkeit, entweder einen
gezielten Funkkontakt herzustellen, oder einen «Anruf für alle» zu machen,
um herauszufinden, wer von wo antwortet. Die am meisten verbreitete Umgangssprache
beim Amateurfunk (Sprech-funk) ist laut Elstner Englisch. Wer das nicht kann,
hat die Möglichkeit auf die Morsetelegrafie und einen internationalen Kodeschlüssel
auszuweichen. Staatlich geprüfte Funkamateure dürfen sogar Fernsehversuchssendungen
ausstrahlen.
Für Funkamateure gibt es von Wedelstaedt zufolge Jahrbücher,
die neben den gesetzlichen Bestimmungen, Länderkenner, Abkürzungen im Funkverkehr
auch alle Kodes enthalten. Beim Amateurfunk ist die Welt in Zonen eingeteilt.
Die «The Radio Amateur's World Map» zeigt zum Beispiel eine komplette Übersicht
der Landeskenner.
Elstner selbst hat mit einer Leistung von 100
Watt (darf in Deutschland bis zu 750 Watt betragen) das auf der Weltkarte
mit VP8 (Länderkenner) gekennzeichnete Gebiet in der Antarktis erreicht:
Eine deutsche Forschungsstation. Die langen Strecken werden nach Elstner
nur über den Kurzwellenbereich erreicht. Je nach Entfernung laufe der Funkverkehr
auch über Relais-Stationen. Von den Funkamateuren zur Nachrichten- und Datenübermittlung
werden auch weltweit entwickelte Amateurfunksatelliten (OSCAR) und zeitweise
bemannte Raumstationen genutzt.
Die Ausbildung zum Funkamateur und
der Erwerb der Amateurfunklizenz fördert laut der DARC (Baunatal) aktiv das
technische Interesse junger Menschen. Für viele sei der Amateurfunk zudem
eine Unterstützung bei der Berufsfindung.
|